Mode

When in Rome: Chanel Métiers D’Art

Von , 3. December 2015

Chanel Métiers d'Art ©Olivier Saillant

Am 01. Dezember hat Karl Lagerfeld zur Métiers D’Art nach Rom geladen – oder besser gesagt Paris?

Natürlich hatte ich damit gerechnet, dass Karl Lagerfeld den Trevi-Brunnen nachbaut. Oder gleich die gesamte Via Veneto. Dass nach Schottland, Dallas, Salzburg, wo der Designer sich für seine Métiers D’Art-Collection jeweils von lokalen Phänomenen inspirieren ließ, diesmal Rom die Hauptrolle spielen würde. Noch dazu fand die Präsentation eines neuen Kurzfilms und das darauf folgende Defilee in Cinecittà statt, jenen legendären Filmstudios, in denen alle großen Fellini Filme gedreht wurden, einige Viscontis, die berüchtigten Spaghetti-Western, aber auch Scorseses „Gangs Of New York“ in Szene gesetzt und gerade eine neue „BenHur“-Verfilmung abgedreht wurde.
Den illustren Gästen – neben der römischen Society waren Journalisten aus aller Welt geladen, loyale Fans und Weggefährten aus über dreißig Jahren, in denen Lagerfeld jetzt den Mythos Chanel immer wieder neu erfindet – wurde zunächst sein neuester Kurzfilm über Mademoiselle Chanel vorgeführt. Diesmal in den Hauptrollen: Geraldine Chaplin und Kristen Stewart. Beide saßen neben dem Meister, leicht fröstelnd, der Film wurde Open Air präsentiert.
Danach, Filmstudio „No° 5“, dann die große Überraschung: Karl Lagerfeld hatte sein Paris nachbauen lassen! Cafés, Bistros, Bäckereien, Blumengeschäfte, ein Boulevard der Dämmerung zwischen fahl ausgeleuchteten Kulissen, die im Laufe des Abends zum Leben erweckt werden sollten. Es wurde gegessen und getrunken, wer wollte, ließ sich zur Erinnerung einen Blumenstrauß binden, nahm die noch Ofen-warmen Macarons oder ein köstliches Eis.

Dieses Paris, das in all unseren Köpfen verbunden ist mit Romantik und Lebenslust – vor allem in der Nacht. Dieses Paris, dass durch die Attentate vom 13. November 2015 zum Symbol wurde für einen Angriff auf all unsere kulturellen Grundwerte. Vor genau solchen Restaurants, auf Menschen wie uns. Die miteinander den Moment feiern wollen, im Gespräch, mit Musik und Wein, inspiriert von den Attraktionen einer großen Stadt.
Nicht nur ich habe mich an diesem Abend gefragt: Wie konnte Karl Lagerfeld das ahnen? Dass sein Paris, das noch in derselben Nacht via Blogs und Posts in die ganze Welt geschickt wurde, dieses Statement genau jetzt braucht!
Und die Mode? Genauso typisch wie überraschend. Eben NICHT sentimental oder klassisch-redundant, was ja bei einer Kollektion, die erdacht wurde, um die handwerklichen Fähigkeiten von Nähern und Schneidern, Stofflieferanten oder Spitzenklöpplern zu demonstrieren, sogar hätte erwartet werden könnte!
Stattdessen: Ultra-moderne Looks, Mädchen, welche die Pariserin von Heute neu definierten. Ein wenig off, edgy, sexy, stark, unbeugsam, nicht zu zähmen. Provokant, dabei ohne jede Absicht, verführen zu wollen. Eine Attitüde des lässigen Selbstverständnisses. Vive La Liberté!
Als ich, schon zurück im Hotel, meine Bilder und Videos auf dem iPhone anschaue, fällt mir dieser Satz wieder ein, den wir alle in den letzten Wochen geschrieben, gesagt, gepostet haben: „Je Suis Paris“. Karl Lagerfeld und Chanel haben diesem Satz eine Bilderwelt geschenkt. Auf dass er für immer in unseren Herzen weiterlebt.