Mode

Wer sind eigentlich die Le Tans?

17. November 2015

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Aus einem Wortspiel erschuf Olympia Le-Tan einen Trend, zu deren ersten Trägerinnen Stars wie Tilda Swinton, Natalie Portman, Michelle Williams und Clémence Poésie gehören: die Büchertasche, inspiriert von Taschenbüchern. In den neunziger Jahren bereits von Colette-Gründerin Sarah Lerfel entdeckt, wurden die handgefertigten, naturgetreu nach Motiven von Büchererstausgaben bestickten Taschen von Olympia Le-Tan, die damals noch als Stylistin für Chanel arbeitete, in kürzester Zeit zum Hype. Weil sie damals mit der Produktion nicht mehr hinterherkam, fiel das Projekt erst einmal in einen Dornröschenschlaf. Rund zehn Jahre später griff Le-Tan die Minaudières erneut auf, die gleich ein zweites Mal zu It-Bags avancierten.

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©PR

Olympia Le-Tan ist jedoch noch mehr als „nur“ eine Modedesignerin. Das 2009 gegründete Accessoirelabel ist nämlich das Ergebnis von generationsübergreifenden Passionen innerhalb einer Familie: Von der Großmutter erbte Olympia, die in London geboren wurde und in Paris auswuchs, das Talent, mit dem sie die Buchcover so virtuos nachempfinden sollte. Die Liebe für den Stil der fünfziger und sechziger Jahre übernahm sie von ihrer Mutter (die Musik dazu spielte Olympia übrigens jahrelang als DJane im Pariser Club Le Baron). Mit ihrem Vater Pierre Le-Tan, der zu den berühmtesten Illustratoren Frankreichs zählt, teilt sie wiederum die Liebe zur Literatur. Neben einer umfangreichen Bibliothek beherbergt Pierre Le-Tans Apartment am Place du Palais Bourbon eine nicht minder vielfältige Kunstsammlung, über die er mit einem Schmunzeln sagt: „Wäre ich kein Sammler, ich wäre ein Spieler. Ich liebe den Auktionsraum, dessen Aufregung.“ Eine Sammlerin und eine Spielerin ist seine Tochter gewissermaßen ebenfalls geworden.

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Olympia mit ihrem Vater Pierre Le-Tan, ©PR

Ihre Karriere startete Olympia Le-Tan bei Chanel unter der Leitung von Karl Lagerfeld und wechselte anschließend zu Balmain, wo sie eng mit Gilles Dufour zusammenarbeitete. Als dieser 2001 sein eigenes, gleichnamiges Modehaus gründete, folgte sie ihm. Acht Jahre später wurde schließlich das Accessoirebrand Olympia Le-Tan geboren, für das die Autodidaktin seither ihre handgefertigten, streng limitierten Buch-Clutches in einem Studio gleich neben ihrer Wohnung herstellen lässt. Die Cover von Büchern wie J.D. Salingers „The Catcher in the Rye“ oder Umberto Ecos „Diario minimo“ werden hier zu tragbaren Modekunstwerken, die von ihren Kundinnen als genau solche geschätzt werden. Denn die Erfahrung hat Olympia Le-Tan gelehrt: Wer ihre Büchertaschen kauft, der will keine unlimitierte Trendtasche und keine Chloé oder Céline, sondern ein Original, für das schon mal zwei Tage Stickarbeit nötig ist.

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Olympia Le-Tan Pret-à-Porter Spring Summer 2016, ©PR

Seit 2012 hat die Designerin ihre Kollektionen um Kleidung erweitert, die – es verwundert kaum – ebenfalls von ihrer Familiengeschichte erzählen. Designt wird, was man zu den Taschen tragen kann und was Olympia selbst gefällt. Und das sind die Drucke ihres Vaters, die er für das Label entwirft, sowie Stilelemente, die ihr Aufwachsen zwischen London und Paris referieren. Ein Familienalbum der modischen Art.

 

Autorin: Teresa Köster