Mode

Trendwatch: Die Farbe Flaschengrün

17. November 2015

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©Marcio Mardeira

Unübersehbar bei Gucci zentral inszeniert, zieht sich die Farbe Flaschengrün als Leitfaden durch die Kollektionen der Saison F/S 2016

Farbtrends sind subjektiv, meist kurzlebig und schnell prognostiziert. Und doch kann man sich ihnen in der Mode nicht entziehen. Für das kommende Frühjahr steht Flaschengrün ganz oben auf der Farbskala. Der Grund dafür? Die Natur gewinnt immer mehr Einfluss auf unser städtisches Umfeld und genauso konstant wächst die Sehnsucht nach ländlicher Idylle und grünen Oasen inmitten des Großstadtdschungels – eine Tendenz, von der sich die Designer seit einigen Saisons immer wieder neu inspirieren lassen.

Ursprünglich bedeutete Grün einmal so etwas wie wachsen oder sprießen. Bevor Grün zur Farbe wurde, bezeichnete das Wort also den Wachstumsprozess junger Pflanzen. Doch schon bald wurde aus dem Adjektiv die Farbbezeichnung der grünen Gewächse. Mittlerweile haben sich auch im Modebereich unzählige Schattierungen und Grüntöne durchgesetzt. Am populärsten sind wohl Khaki und Mint, Mutige trauen sich auch an das Erbsengrün bei Prada aus der aktuellen Herbstkollektion 2015/16. Flaschengrün zeichnet sich durch seine intensive dunkle Farbigkeit aus. Heller als Tannengrün, leuchtender als Khaki und kräftiger als Erbsengrün. In das Glas von Flaschen kamen die grünen Pigmente übrigens, um den Inhalt, meist Bier und Wein, vor Lichteinstrahlung zu schützen und den Geschmack zu bewahren.

Grün ist auch die Signalfarbe für das Unproblematische, Positive. Also schickte die ewige Optimistin Donatella Versace während der Mailänder Modewoche gleich eine ganze Armee von Models, Kopf bis Fuß in Grün gekleidet, über den Laufsteg. Ob hoch geschlossenes Minikleid, Hosenanzug mit nichts als einem knappen Bandeau darunter oder Ensembles aus Anorak und weiter Hose – alles wurde bei Versace in sattes Flschengrün getunkt. Details wie aufgesetzte Taschen und sportive Riemen und nicht zuletzt das knallige Tarnmuster wecken Assoziationen von Militärkleidung – ein Gedanke, der beim Anblick von dunkelgrüner Kleidung fast unweigerlich aufkommt. Diese Farbe verleiht ihrer Trägerin Authorität und Stärke und lässt sie gleichzeitig emanzipiert und sexy sein.

Rustikaler als bei Versace doch nicht weniger überzeugend, haben Céline und Vetements noch weitere Ansätze des Total Looks zu bieten. Inspiriert von Street- und Workwear zeigen die Designer hier maskulin anmutende Looks mit Details wie Kapuzen und Reißverschlüssen. Perfekt geschneidert für den Alltag in der Metropole aber ebenso tauglich für einen Kurztrip in die Natur.

Auch Alessandro Michele, Designer der Stunde, hat für Gucci gleich mehrere Looks in Grün entworfen. Beim Anblick von transparenten Spitzenkleidern, schillernden Hosenanzügen aus Brokat und damenhaften Kostümen, bestehend aus Faltenrock und Kastenjacke, denkt allerdings niemand mehr an bodenständige Forstbekleidung. Michele ergänzt seine grünen Looks mit femininen Tönen wie Rosa, Hellblau und Rot. Signal: Positiv. Das verspielte Styling – angesteckte Rosenblüten, rosafarbene Krawatten mit glitzernden Marienkäfern darauf, überlange Ohrringe aus Strass – lassen die ewige Army-Assoziation endgültig vergessen.

Dunkles Grün hat an maskuliner Härte eingebüßt und schafft in der Frühjahr- Sommersaison 2016 den Sprung weg von Military-Klischee. Flaschengrün wird spätestens nach dieser Saison zur ernstzunehmenden Konkurrenz für Farbklassiker wie Schwarz, Grau und Navy.

©Marcio Mardeira

 

 

Autorin: Julia Heifer

Tags: #Fashion, #Feature, #Trendwatch