Mode

Game of Fashion

Von , 26. July 2016

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©pokexfashion.com

Pokémon Go hat die Welt fest im Griff. Nur modisch könnte das Spiel noch interessanter werden. Das Potenzial dazu hat es

Was hat Pokémon mit Mode zu tun? Eigentlich nicht viel, außer dass Pumeluff in seiner Niedlichkeit ein gutes Accessoire abgeben würde, und die sehr amüsante Tumblr-Seite „Fashion and Pokémon“ zeigt, wie gut sich die kämpferischen Tierchen in die Werbekampagnen wichtiger Ready-to-Wear Häuser wie Miu Miu, Louis Vuitton oder Gucci einfügen.
Doch Pokémon Go, die App, die bereits in der ersten Woche so oft heruntergeladen wurde wie noch keine vor ihr, und die gefühlt die ganze Welt in ein hitziges Spielfieber versetzt hat, ist das Mega-Phänomen der Stunde. Natürlich konnte auch das Thema Mode davon nicht unberührt bleiben.

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©Pokémon Go

Verantwortlich dafür sind nicht mal die Pokémons selbst. Sondern die Avatare, die durchaus modische Botschaften senden. Jeder User kann sich zu Beginn seiner Anmeldung seinen persönlichen Avatar gestalten und einkleiden, in dem er aus verschiedenen Optionen wie der Frisur, der Farbe des Rucksacks oder der Sneakers wählt. Wie zahlreiche Tweets beweisen, macht es einigen Fans zur Zeit schwer zu schaffen, dass sie ihren Avatar nicht mehr nachträglich ändern können. Ihnen war wohl zu Beginn des Spiels nicht bewusst, wie stark sie sich später mit ihrem persönlichen Repräsentanten in der Welt von Pokémon Go identifizieren würden – und wie viele Mitspieler ihnen begegnen sollten, vor denen man auch Garderoben-technisch eine gute Figur machen möchte. Wenn „Virtual Reality“ sich ausbreitet, gewinnt unser virtuelles „Ich“ an Bedeutung – und damit auch dessen Look. Ich will nicht nur möglichst viele Pokémons einfangen, ich will dabei auch möglichst cool aussehen.

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©Pokémon Go

Es überrascht also kaum, dass Modemedien von GQ bis zur Teen Vogue schon Styling-Tipps für die Jagd geben. Die Avatare selbst liefern genug Inspiration: Ihr Look spiegelt den dynamischen „Athleisure“-Trend wider, der seit einigen Jahren das Straßenbild in den internationalen Metropolen prägt: Sportswear für den Großstadtdschungel. Kurze Jumpsuits werden zu Yogapants kombiniert, Neonfarben schmücken Hoodies und Rucksäcke, Leggings trägt man unter den Shorts, Fahrradkurier meets Fitness-Trainer meets Skater-Girl. Die Macher von Pokémon Go haben durchaus modischen Spürsinn bewiesen. Der junge Großstädter ist „always on the run“, kauft sich die neuen Riccardo Tisci-Entwürfe für Nike, Performance ist ihm ebenso wichtig wie High Fashion. Fehlt nur noch, dass man ihm eine Flasche mit grünem Smoothie für den nötigen „Energy Boost“ in den Rucksack packt.
Noch sind die Styling-Optionen begrenzt. Ein komplett schwarzes Outfit kann man sich beispielsweise noch nicht zusammenstellen, wie ein User kürzlich auf Twitter beklagte. Man stelle sich nur die Möglichkeiten vor: Wie wäre es zum Beispiel, wenn Vetements Avatar-Looks kreieren würden? Oder wenn man seinem virtuellen Ich ein knalliges MSGM-Sweatshirt anziehen könnte oder einen dekonstruierten Parka von Sacai?

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©Pokémon Go

Der Erfolg von Pokémon Go lässt vermuten, dass sich der Einfluss des Spiels bald auch auf den Laufstegen bemerkbar machen wird. Louis Vuitton ließ bereits in seiner Kampagne für das Frühjahr 2016 die Manga-Heldin eines Videospiels für sich modeln. Eine Aktion der Automarke Mercedes Benz zeigt zudem, welches Marketing-Potenzial in dem Spiel steckt: Durch sogenannte „Lockmodule“ in der Nähe von PokéStops, die Pokémons anziehen, sollen Spieler in Mercedes-Showrooms gelockt werden. Die Idee klingt mehr als nachahmenswert: Warum sollte man nicht Pikachu zum Beispiel in einer Chanel-Boutique fangen und sich dann zur Belohnung die neuesten Taschen-Modelle anschauen können?

Pokémon Go ist natürlich ein Spiel, doch seine Kraft ragt weit ins echte Leben hinein. Und beim Thema Mode ist Geschichte garantiert noch nicht auserzählt. Für Fashion-Labels garantiert das Spiel schließlich Zugang zu einer jungen, konsumaffinen Zielgruppe. Und ob eine Stil-Ikone in der realen oder virtuellen Welt unterwegs ist, ist letztlich egal. Solange der Look stimmt.