Mode

Interview mit Patricia Manfield

29. January 2016

©instagram.com/patriciamanfield
©instagram.com/patriciamanfield

Gemeinsam mit ihrem Freund Giotto Calendoli betreibt Patricia Manfield, Wahlmailänderin mit russischen Wurzeln, den Blog Theatelier.me und begeistert damit monatlich eine halbe Million Leser

Im Rahmen der Berliner Fashion Week kam die Modebloggerin zum Talk der Online-Platform „Zalon“ in die deutsche Hauptstadt, um an der Seite von Facehunter Yvan Rodic über den Status des Streetstyles zu reden. Wir trafen die 23-Jährige im Anschluss zum Interview und haben mit ihr über Streetstyle, einen erfolgreichen Blog und die Zukunft der Szene gesprochen.

Was entgegnest du Menschen, die behaupten, dass sich Streetstyle durch seine Kommerzialisierung abgeschafft hat?

Das denke ich nicht. Ich studiere Business an der Marangoni in Mailand, eine Universität für Mode und Design. Während meines Studiums habe ich gelernt, dass sich Kreativität und Geschäft nicht ausschließen – Mode konnte Kunst und Kommerz schon immer gut verbinden.

Wie transportierst du das auf deine Streetstyle-Looks? Man kann nicht als Blogger bestehen, wenn man nur kopiert, was man auf dem Laufsteg oder auf anderen Blogs sieht. Man muss seinen eigenen Stil entwickeln, der kurzzeitige Trends übersteht. Natürlich werde ich auch dafür bezahlt, dass ich bestimmte Brands trage, das ist der Business-Aspekt. Trotzdem ist es wichtig daraus etwas Eigenes zu kreieren und das ist die Kunst. Für mich unterliegen die Fashion-Week-Looks auch nicht nur dem Kommerz. Ich kleide mich einfach für einen bestimmten Anlass – ein bisschen so als hätte ich jeden Tag wieder ein Date mit meinem Freund. Aber genauso zeige ich meinen Lesern, was ich jeden Tag zur Uni anziehe. Du sprichst von einem eigenen Stil. Was macht deinen aus? Ich kombiniere meine Garderobe mit der von meinem Freund. Ich mag die Aussage der Herrenschneiderei, sie ist definiert durch einfache Schnitte. An einer Frau kann das wirklich sexy wirken.

Siehst du dich selbst als Modekurator und wie machst du deinen Lesern deine Outfits zugänglich?

Ich benutze dazu keine bestimmten Tools. Ich erwähne ganz klassisch die Brands und verlinke sie zudem. Ich sehe meine Aufgabe eher darin, für meine Leser zu recherchieren. Ich kenne die Kollektionen der Designer sehr gut und stelle sie in meinem eigenen Kontext und mixe sie mit anderen Teilen, die für jedermann tragbar sind. T-Shirts und Jeans zum Beispiel bringen mich durch den Alltag und damit spiele ich dann – die Gucci-Tasche mit der Biene möchte ich unbedingt kaufen, um damit ein Statement zu setzten. Außerdem arbeite ich nicht nur mit Highfashion, es ist für mich sehr wichtig immer wieder neue und junge Designer zu entdecken.

Welche Designer sind das?

Ich trage diesen Winter zum Beispiel am liebsten Oversized-Coats. Mein Freund Giotto macht tolle Mäntel extra für mich. Er hat sich dabei von Kleidern aus den 30er Jahren inspirieren lassen, die er von seinem Großvater geerbt hat. Damals ging man ja noch zum Schneider, das wollte er weiterführen. Deshalb heißt seine Brand Grandpa – vorerst macht er das aber noch nicht auf kommerzieller Basis. Meine Neu-Entdeckung ist die Marke Vetements. Da gibt es zum Beispiel tolle neue Jeans-Cuts. Außerdem liebe ich Ralph Lauren und Céline, Marken, die den Simple-Chic und klassische Herrenschneiderei verkörpern, für die ich stehe.

Wo shoppst du Online? Ich liebe Zalando, weil ich dort meine Lieblingsbasics kriege. Vor allem bieten sie eine große Auswahl an Sneakern. Bei Nasty Gal und Reformation – beide Onlinestores kommen aus L.A. – finde ich Sachen für den Hippie-Chic, auf den ich zurzeit stehe. Was macht für dich neben der Mode sonst noch einen erfolgreichen Blog aus? Das Bloggen darf niemals Selbstzweck sein. Es muss sich aus deinen Leidenschaften entwickeln. Und das ist es, was ich meinen jüngeren Fans mitgeben möchte: Testet euch aus, findet heraus, was euch interessiert. Für mich ist es zum Beispiel Musik und meine Schule. Das drücke ich dann übers Netz aus. Gerade nehme ich ein Album auf, es ist Pop mit einer edgy Seite. Ich verfolge meine Musik, aber jeder muss herausfinden, welches Projekt für ihn wichtig ist. Und nur dann hat man auch etwas zu sagen.

Wie sieht für dich die Zukunft des Bloggens aus? 

Es muss ganzheitlicher werden. Blogs sollten neben Mode auch Reisen und Persönlichkeiten abdecken und damit mehr in Richtung Online-Magazin gehen – aber aus einer subjektiven Sichtweise.

Text: Christine Korte