Mode

Models Backstage: Hinter den Kulissen der Berlin Fashion Week

Von , 21. January 2016

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Unsere Praktikantin Lea Busch berichtet aus Sicht eines Models, welche Etappen man bis zum finalen Runway-Ticket für die #MBFWB nehmen muss

Eine Fashion Week ohne Models ist wie ein Highheel ohne Absatz – unmöglich. Aber bevor man die sehr jungen Frauen und Männer in den schillernden Designerroben auf dem Laufsteg sieht, machen Models etwas vergleichsweise Unglamoröses: auf Castings gehen. Ich habe das lange getan, seit einem halben Dutzend Jahren gehe ich auf die Show-Castings der Berlin Fashion Week. Eigentlich hatte ich mir überlegt, dass ich mittlerweile lieber von den Modenschauen berichte als sie zu laufen, aber dann kam die Idee auf, etwas über die Castings zu schreiben, weil die ja kaum ein Fashion Week Besucher mitbekommt. Ich bin also noch mal losgezogen, um einen Laufstegjob zu ergattern. Das Schöne daran ist, mein Knie zittern heute nicht mehr vor Aufregung, dafür fühle ich mich aber wie ein Oldtimer, der noch einmal eine Rallye fahren will. Hier kommt mein Casting-Bericht:

1. Warten
Das Casting ist in einem Hotel direkt am Zoologischen Garten. Ich bin pünktlich. Außer mir sind es ganze 250 andere Models auch. Soll ich wieder gehen? Die Verlockung ist groß, denn meine Lust zu warten ist klein. Aber der Bericht muss geschrieben werden, jetzt bin ich schon mal hier und glücklicherweise vorbereitet: Ich habe eine Zeitung dabei, denn zwei Stunden Wartezeit sind leider keine Seltenheit.

2. Vorlaufen
Endlich bin ich dran. Auf meinen mitgebrachten 10 cm Highheels stakse ich in den Hotelraum – die Dinger sind sowas wie Casting-Arbeitskleidung, sau unbequem, aber ohne sie läuft nichts, denn die Designer wollen sehen, ob man sich mit Absätzen lässig fortbewegen kann ohne dabei das ganze Gesicht zu verziehen. Der Raum ist ein großer Konferenzsaal, an dessen Ende ein großer Tisch aufgebaut ist. Dort sitzen der Designer und sein Team. „Und bitte“ heißt es und ich laufe vor ihnen einmal hin und her – dann „danke“ und „die Nächste bitte“. Zwei Stunden Warten für 20 Sekunden Hallo und Tschüss.

3. Warten II
Ich warte wieder, diesmal auf den Anruf meiner Agentur, ob ich den Job bekommen habe. Ich versuche trotz der kurzen Abfertigung nicht pessimistisch zu sein, denn es gibt bei Castings keine Regeln, die einem sagen, ob’s geklappt hat – bei einigen Castings probiert man direkt Kollektionsteile an, bei anderen ist es ein Schnelldurchlauf.

4. Fitting
Es hat wirklich geklappt, ich habe den Job. Am Tag nach dem Casting geht’s zur Anprobe, die wieder im gleichen Hotelraum stattfindet. Diesmal ist er vollgestellt mit Kleiderstangen, aus denen mir das Designteam verschiedene Outfits raussucht. „Süß“ heißt es bei einem Look oder aber „gib den mal der da“ mit Wink auf ein anderes Model neben mir. Vier emsige Schneiderinnen stecken die finale Auswahl von drei Outfits an mir ab, dann ist die Anprobe vorbei und ich kann gehen – in meinen Sneakern tue ich das immer noch am liebsten.