Mode

MBFWB: Fashion ist dicker als Wasser

Von , 5. July 2016

mbfwb-scalamari-instagram-review/

“Frühjahr Sommer Mode 2017, ick hör dir trapsen” – hieß es vergangene Woche auf der Berlin Fashion Week. Dank der zu Hause gelassenen Zynismus-Clutch und des Vorurteils-Koffers, konnte ich meine objektivste Rundumsicht der Modewoche auf dem L’Officiel Instagram Kanal mit euch teilen. Eine freundliche Übernahme:

Dienstag 10.15 uhr in Berlin Mitte: Die Auftakt-Show versammelt erstmals seit den Winter-Präsentationen wieder die bucklige Fashion-Verwandtschaft unter einem Hut. Ein nestwarmes Beisammensein mit Eskalationspotential. Hassliebe und frisch gewaschene Haare liegen in der Luft. Sonne knallt halbhart auf Presse- Blogger- und Celebrity-Köpfe. Die Morgenkühle verhindert gerade noch so den kreisrunden Schweißrand unter der Gast-Achsel. Gleich werden die Models mit den Kreationen von Hien Le durch den Garten im Kronprinzenpalais trapsen. Letzte Saison ausgesetzt, gibt er sich nun wieder die Ehre.

Nach der ersten großen Bussi-Bussi Begrüßungsrunde, checkt jeder nochmal fluchs die Lage, den Bauch und die Garderobe des Anderen, und bevor die Hacken ganz im Gras versinken, wird auf den Blumenbeet umsäumten Bierbänken platzgenommen. Die gelben Kräne der Stadtschlossbaustelle nebenan betrachten das Spektakel von oben.  

Der Beat setzt ein. Aus den Boxen strömt der Mix von I am Kim Kong und steife Besucherrücken beginnen zu wippen. Der Look der ersten Show ist gewohnt clean geschneidert, dafür mit Farbe gespickt. Interessante Details: Plissierte Unterröcke, Crop-Tops, Teva Sandalen und das alles vollkommen genderneutral. Fünf Minuten später ist es auch schon wieder vorbei. Le flitzt hinter der Backstage Sichtschutz-Wand hervor und schnell wieder zurück. Applaus und Jubelpfiffe. Das war’s. Die Runde löst sich flashmobartig auf, das erste Häkchen im Kalender ist gesetzt. Check.

Weitere Pflichttermine an diesem Tag: Dawid Tomaszewski, Malaika Raiss sowie die Präsentation von Lala Berlin am Abend in einem Penthouse über den Dächern des Kurfürstendamm. Eine fette Aussicht und Sonnenuntergangs-Drinks lassen jedes #nofilter Herz höher schlagen. Mit Dachterrassen fängt man eben Mäuse. Hier kann ich dann übrigens auch endlich den ersten handfesten Skandal provozieren: der #Makatschgrabsch. Wurde Zeit. Ein erfolgreicher Tag eins.

Durch die beiden nächsten Tage cruise ich auf Maxis Gepäckträger von Show zu Show. Das Fahrrad erweist sich nämlich als sinnvollstes und schnellstes Fortbewegungsmittel durch die Baustellenhölle Mitte. Zwischen Bierbikes und Touristengruppen pirschen sich die Streetstyle Fotografen an die wohl überlegt Bekleideten, und andersrum.

Und was zu tun ist, wenn man um 17.58 Uhr vor dem Berliner Modesalon steht und hier um 18.00 Uhr eigentlich Feierabend ist, weiß ich jetzt auch: Durchrennen. Und: Rennen ist würdelos und Pünktlichkeit eine Tugend, auch in Berlin.  

Noch so ein Dachmagnet war am nächsten Abend die L’Officiel Party auf der Terrasse des Hotel de Rome. Die Menschlein klebten entspannt an ihren Wodkacocktails und sich gegenseitig das ein oder andere Sonnenuntergangsbild in die Fotogalerie ihrer Herzen. Ganz klar: Die Menschen sind so viel besser drauf während der S/S- als zur A/W-Woche. 

Weitere Highlights waren unter Anderem die Kreationen William Fans, mit denen er mein junges Katzenmama-Herz ergreifen konnte – und natürlich die dazugehörigen Beauty-Looks. Odeehs Show-Location und ihren Designs konnte allerdings trotzdem niemand das Wasser reichen.

Meinen persönlichen Fashion-Herz-Moment erlebte ich allerdings erst am Ende des letzten offiziellen Präsentationstages und zwar abseits der MBFWB Agenda: Ein untersetzter, adrett gekleideter Mann mit Schnurrbart, Weste und Hut, der unweit meines Rückzugsortes Qua Phe (bester Viatnamesischer Eiskaffee der Stadt) und fernab des Trubels in einem Bollerwagen seine an die hundert Flaschen zum Container brachte.

“Das ist Fashion”, dachte ich mir, sprang auf mein Bike und fuhr mit wehendem Haar in den letzten Fashion Week Sonnenuntergang für diese Saison.   Fazit: Ich gebs ja zu, auch wenn ich vorher immer gern meckere – mit der Fashion Week verhält sich das am Ende genau so wie mit der staubigen Tante auf dem Familienfest. Irgendwie freut man sich ja dann doch sie wiederzusehen, ihre alten Kamellen zu hören, zu sehen, was sie Neues im Nähkästchen hat und sich dann einen mit ihr reinzustellen.    Es war mir eine große Freude und gar nicht so schlimm. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. Bis bald.   

– In Kooperation mit Samsung –