Mode

Interview: Stuart Weitzman

Von , 14. July 2016

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Schuhdesigner Stuart Weitzman

“Gigis Füße sind noch immer in Ordnung. Giseles Füße sind huh… und Kates Füße… nun ja.”

Schuhdesigner Stuart Weitzman über spanisches Wetter, Ping Pong als Inspirationsquelle, Ronaldos Lockvogel-Qualitäten, Celebrity-Füße und die Beine von Taylor Swift

“Your shoes look great! Are they comfortable?” Wer schon einmal auf diese Weise von einem freundlichen, etwas neugierigen älteren Herren in den Straßen Manhattans angehalten und zur Komfort-Skala seiner Stuart Weitzman Heels befragt worden ist – vermutlich war es der Designer höchstpersönlich. Denn: Der 74-Jährige New Yorker nimmt nicht nur den kreativen Prozess sowie die Beaufsichtigung seiner Produktion in Spanien, sondern gerne auch mal die Marktforschung in die eigenen Hände (Actually, I stop girls all the time!). Seit nun mehr als 30 Jahren hat sich Stuart Weitzman den weiblichen Füßen dieser Welt verpflichtet. Seine schwindelerregend hohen, dafür aber gut gepolsterten High Heels werden nicht nur auf dem Asphalt, sondern vor allem auf dem roten Teppich geschätzt: Alleine bei den diesjährigen Oscars flanierten nicht weniger als 16 Schauspielerinnen in seinem legendären Nudist High Heel durch das Dolby Theatre. Wir haben uns mit Stuart Weitzman in seiner Schuh-Manufaktur in dem Valencianischen Örtchen Elda getroffen, eine Partie Ping Pong gespielt, Patatas Bravas gegessen und uns über Taylor Swifts Beine, Ronaldos Lockvogel-Qualitäten und die Füße von Kate Moss unterhalten.

Sie verbringen die meiste Zeit des Jahres in Elda. Gehen Sie jeden Morgen in die Manufaktur?
Natürlich, deshalb lebe ich ja hier. Wir haben die Produktion in den Siebzigern nach Elda verlagert und betreiben hier mittlerweile elf Manufakturen. Es ist ein hervorragender Standort, denn hier gibt es gutes Leder – perfekt für einen ungeduldigen Menschen wie mich. In New York oder Mailand müsste ich ewig warten, bis ich einen fertigen Schuh in der Hand halten könnte. Hier setze ich meine Ideen direkt um. Und schauen Sie sich nur das spanische Wetter an!

Das Wetter ist wirklich herrlich.
Dachte ich es mir doch, dass es Ihnen hier auch gefällt. In Spanien lässt sich eine richtige Invasion der Deutschen beobachten. Mallorca, Marbella, Barcelona – überall haben sie ihre Häuser. Das Klima ist einfach großartig. Ich sage es mal so: Ich hätte mir ein schlechteres Fleckchen Erde aussuchen können. Zum Beispiel Pirmasens.

In Ihren Manufakturen beschäftigen Sie ca. ein Viertel der Bevölkerung des Ortes. Kürzlich wurden Sie von Ihren Arbeitern als „Eldas liebster Stiefsohn“ geehrt. Müssen Sie hier noch für Ihren Tapas Teller zahlen?
Oh ja, das muss ich. Aber es ist ein schönes Gefühl, zu wissen, dass man etwas Gutes für den Ort geleistet hat. Einige meiner Angestellten arbeiten bereits in der dritten Generation für mich. Ich bin ihnen sehr dankbar für ihre Unterstützung und ihre gute Arbeit.

Wie nutzen Sie denn das gute Wetter in Ihrer Freizeit?
Ich spiele sehr viel Tennis. Die Spanier sind verrückt danach. Als Rafael Nadal gegen Roger Federer gewann, sind die Menschen hier förmlich ausgetickt. In jedem Ort gibt es Tennisplätze – alleine in diesem kleinen Dorf 30 Stück! Außerdem bin ich ein großer Ping Pong Fan. Deshalb habe ich in den Manufakturen und in meinem Büro Tischtennis-Platten aufstellen lassen. Vorgestern habe ich sogar an den Weltmeisterschaften teilgenommen und wissen Sie was? Ich wurde tatsächlich von einem Spieler aus Essen bezwungen. Ein kleiner Lebensrat: Machen Sie viel Sport, egal welchen. Das hält ewig jung! Ich bin 74 und fühle mich wie ein junger Bursche. Meine Freunde in New York machen gar keinen Sport und naja…

Sie sind ein Tennis- und Ping Pong-Fanatiker – und Sie designen High Heels. Haben Sie etwa ein Faible für dieses klackende Geräusch?
Da ist tatsächlich etwas dran. Ich liebe dieses Ball-Geräusch. Und es hat schon etwas, wenn eine Frau in High Heels über den Asphalt stolziert. Auch wenn ein Kenner an diesem lauten „Klack, klack“ erkennt, dass die Schuhe billig produziert wurden – nämlich mit harten Plastik-Sohlen. Wir verwenden sehr hochwertiges Gummi, daher machen meine High Heels leider so gut wie gar keine Geräusche. Wirklich ein bisschen schade. Aber es ist witzig, dass Sie mein Faible für Ping Pong mit High Heels verknüpfen. Anlässlich der Meisterschaften habe ich einen Schuh designt, dessen Absatz aus drei Ping Pong Bällen besteht.

Was inspiriert Sie neben Ping Pong?
Frauen. Frauen, denen ich begegne.

Welchen Schuh würden Sie nach unserem Gespräch zeichnen?
Vielleicht einen schönen Sneaker, mit dem man casual und cool zugleich aussieht.

Ausgezeichnete Wahl für Berliner Frauen. In Berlin scheint es fast so, als wären High Heels verboten. Wie können wir das ändern?
Ach, das ist schon in Ordnung. Flats sind toll! Eine meiner Musen ist Audrey Hepburn. Sie hat immerzu flache Mokassins getragen, nur in Ausnahmefällen einen kleinen Absatz. Jackie Kennedy übrigens auch. Und warum? Frauen wie diese sind von Natur aus selbstbewusst, sie brauchen den Heel nicht für ihr Ego. Ein Schuh verrät viel über die Persönlichkeit einer Frau. Er erzählt dir, woher sie kommt und wohin sie gehen will.

Was erzählt uns denn ihr bekannter Highland Boot?
Das hängt vom Styling ab. Man kann mit ihm sehr vulgär rüberkommen, wie Julia Roberts als Bordsteinschwalbe in Pretty Woman – oder eben so cool wie Kate Moss. Die hat vorsichtshalber noch eine Jeans drunter gezogen.

Gibt es ein Alter, in dem man die Finger von den Dingern lassen sollte?
Nein. Das Wichtigste bei diesen Stiefeln sind die Beine. Haben Sie Jane Fondas letztes Video gesehen? Sie ist topfit. Jane könnte sie hervorragend tragen.

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Legendär: Der “Highland” Boot und der “Nudist” High Heel (oben bzw. unten links) von Stuart Weitzman

Selbst schon einmal High Heels anprobiert?

Natürlich.

Und, haben Sie es geschafft, darin zu laufen?
Nein, denn die Dinger waren super unbequem.

Wieviele Zentimeter waren das?
Oh, das ist über 30 Jahre her! Aber ich meine, es waren ungefähr neuneinhalb Zentimeter. Ich war mit Freunden in einem Pub, wir haben herumgealbert und ich habe aus Spaß die High Heels einer Freundin anprobiert – damals war es technisch noch nicht möglich, höhere Absätze anzufertigen. Nach ein paar Schritten sind meine Zehen fast abgestorben, meine Fußsohle hat höllisch gebrannt. Im selben Jahr gab es außerdem den großen U-Bahn Streik in New York. Da wusste ich: Ich will hohe aber bequeme Schuhe designen, in denen man laufen kann.

Was für Schuhe tragen Sie denn gerade?
(Stuart W. zeigt auf seine Füße) Dieses Modell hier ist von Tod’s, eine Kopie des klassischen Converse Chuck Taylor. Sie haben den Sneaker aus Leder und mit einer hochwertigen Außensohle gefertigt. Von innen habe ich den Schuh mit einer weichen Latex-Sohle ausgelegt, die ich auch für meine High Heels verwende. Übrigens nicht zu verwechseln mit Petrolium-Gummi. Mein Latex stammt von einem malaysischen Kautschukbaum.

Warum designen Sie eigentlich keine Schuhe für Männer?
Schauen Sie sich uns doch an. Wir tragen keine Absätze, keine Plateaus, keine Schuhe mit Swarovski-Steinchen. Die meisten Männer sind total unmodisch und kaufen vielleicht ein bis zwei Paar Schuhe im Jahr. Aber ich setze große Hoffnungen auf die Gay Community. Homosexuelle Männer besitzen ein viel größeres Mode-Verständnis und investieren gerne in ausgefallene Schuhe. Sie setzen die Trends. Vielleicht sollte ich doch einmal darüber nachdenken…

Wer wäre Ihr Testimonial?
Sehr gute Frage. Für meine erste High Heels-Kollektion habe ich damals Kate Moss engagiert. Sie war die perfekte Wahl. Für meine erste Herren-Linie müsste ich mir also etwas ähnlich gutes überlegen. Hmmm. (Stuart W. denkt nach) Es sollte ein cooler Athlet sein. Kein Rocksänger oder Rapper. Nicht so jemand wie Kanye West zum Beispiel.

Thigh-high and sky-high. Introducing HIGHLAND as worn by #KateMoss #FW13 #boots #SHOP by texting HIGHLAND to 55855

Ein von Stuart Weitzman (@stuartweitzman) gepostetes Foto am

Wie wär’s denn mit einem coolen spanischen Tennisprofi?
Ich würde am ehesten an Fußball denken. Vielleicht jemand wie Ronaldo? Den finden nicht nur wir Männer gut, sondern vor allem auch die Frauen. Bei Männern ist die Shopping-Psychologie nämlich ganz einfach: Wir wollen für Frauen gut aussehen. Wenn der Frauenheld Ronaldo coole Schuhe trägt, denken wir, dass wir diese Schuhe auch brauchen, um bei den Frauen zu landen. Bei Frauen ist das anders, oder? Ich habe das Gefühl, Frauen möchten mit ihren Outfits vor allem Frauen beeindrucken. Wenn deine Freundinnen zu dir sagen: „Wow, toller Rock, woher hast du den?“, zählt das doch mehr, als wenn ein Mann dir ein Kompliment für deinen Rock macht, richtig?

Schon. Aber High Heels würde ich beispielsweise nicht für meine Freundinnen tragen. Herr Weitzman, warum tragen Frauen High Heels?
Ich glaube, dass Frauen hohe Absätze als Erweiterung ihrer Persönlichkeit nutzen. High Heels können dazu beitragen, dass du dich stärker und selbstbewusster fühlst. Und sie können eine Message senden. Ich erinnere mich noch ganz genau an mein allererstes Date. Ich wollte mit einem Mädchen aus der High School ausgehen. Als ich sie Zuhause abholte, trug sie ein Paar hoher Pumps aus rotem Lackleder…

Okay. Das ist eine Message.
Ja, oder? Ich war so froh, dass sie endlich zugesagt hatte. Also wollte ich an diesem Abend der perfekte Gentleman sein. Aber dieses Paar Schuhe machte es mir tatsächlich etwas schwer. Sie schienen mir förmlich etwas zuzurufen. Neben Sexiness können High Heels aber auch Macht ausstrahlen. Im Film Disclosure trägt Demi Moore als CEO einer Firma in jeder einzelnen Filmszene elf Zentimeter hohe Absätze. Michael Douglas sieht dagegen aus wie ein armer kleiner Zwerg. Da ist ganz klar, wer hier der Boss ist.

Was halten Sie denn als Mann von Plateau-Schuhen?
Ich mag diese übertrieben hohen Plateaus nicht. Sie sind übrigens wirklich gefährlich. Mit diesen Dingern kann man sich die Beine brechen. In einer Welt, in der jeder jeden verklagt, bleibe ich mit meinen Modellen lieber im unteren Zentimeterbereich.

Eines ihrer Keilabsatz-Modelle trägt den Namen Single. Warum? Wird seine Trägerin auf ewig Single bleiben?
Interessante Interpretation. Meine Idee war eigentlich, dass dieses Modell der perfekte Schuh für verheiratete Frauen ist.

Das müssen Sie mir genauer erklären.
Ich finde, man sieht ihm einfach an, dass er zu einer verheirateten Frau gehört. Er sendet so eine solide, bodenständige Message. Ich glaube, unabhängige Single-Frauen würden eher zu einem ausgefalleneren, gewagteren Modell greifen. Sie wollen mehr aus der Masse herausstechen, als verheiratete Frauen. Diesen Eindruck habe ich jedenfalls immer, wenn ich auf Partys oder Hochzeiten die weiblichen Gäste beobachte.

Was ich mich schon immer gefragt habe: Wie viel Kilo kann so ein Stiletto-Heel eigentlich tragen?
Seit wir unsere Stilettos aus Titanium fertigen, gab es keine einzige Reklamation aufgrund eines abgebrochenen Absatzes. Dieses Metall ist äußerst stabil, es wird niemals verbiegen oder brechen. Dem Gewicht der Trägerin sind also so gut wie keine Grenzen mehr gesetzt.

Ursprünglich haben Sie eine Karriere an der Wall Street angestrebt. Wie kam es, dass Sie als Schuh-Designer endeten?
Mein Vater und mein älterer Bruder hatten eine gemeinsame Schuh-Manufaktur, Seymour Shoes. Mein Vater kümmerte sich um die Designs, mein Bruder um die Produktion. Ich ging noch zur Schule als mein Vater starb. Irgendwann bat mich mein Bruder, für ihn einen Schuh zu zeichnen. Also malte ich einen Pump mit großer Blüten-Applikation. Als ich eines Tages völlig nichtsahnend die 5th Avenue entlanglief, entdeckte ich meinen Schuh im Schaufenster von Bergdorf Goodmans Delman Shoe Salon. Ich nahm all meinen Mut zusammen, ging in den Store und erzählte der Managerin, dass ich eben diesen Seymour Pump designt hatte. Wahrscheinlich glaubte sie diesem 18-jährigen Bengel kein Wort. Jedenfalls erzählte sie mir, dass sie soeben eine Re-Order in Auftrag gegeben hatte. Ich war völlig aus dem Häuschen. Von da an schickte ich meinem Bruder täglich neue Zeichnungen und flehte ihn an, in den Sommerferien in der Manufaktur arbeiten zu dürfen. So fing alles an. Studiert habe ich dann trotzdem zunächst Business.

Und zwar mit einem anderen Business-Mann namens Donald Trump.
Wissen Sie, die zwei Themen, über die ich nicht gerne mit Fremden spreche, sind Religion und Politik.

Na gut, reden wir über andere Promis. Wer ordert die meisten Schuhe bei Ihnen?
Den Rekord hält Taylor Swift. Für ihre letzte Tour benötigte sie zwölf paar Schuhe, pro Outfit ein neues Modell. Diese Outfits werden gehütet wie ein Staatsgeheimnis. Um die Sketches vorab zu Gesicht zu bekommen, musste ich sogar eine Geheimhaltungsklausel unterzeichnen. Irgendwann kam sie dann auf die Idee, dass es doch schön sei, wenn die Tänzer auch Schuhe bekämen. Also haben wir sechzig extra Paare angefertigt. Ihr Lieblingsmodell war übrigens der schwarze Overknee-Stiefel mit Strumpfgürtel. Was sagt man auf Deutsch gleich dazu?

Strapse. Wird bei Stars eigentlich persönlich Maß genommen?
Gelegentlich. Für die Overknees musste ich zum Beispiel Taylors Beine vermessen.

Gibt schlimmere Jobs, oder?
In so einer Situation muss man natürlich professionell bleiben und natürlich bin ich ein professioneller Geschäftsmann. Aber es ist eine schöne Geschichte. Sie wollte zwischen Stiefel und Hot Pants nur vier Zentimeter Haut zeigen. Also mussten wir den Schaft um ganze zehn Zentimeter verlängern. Die Strapse hat sie unter der Hose getragen und die Stiefel daran befestigt. Für den Sex Appeal.

Und, wie lang sind ihre Beine?
86 Zentimeter. Ich weiß gar nicht, ob das so lang ist. Wie lang sind Ihre?

Länger natürlich. Wer hat denn die längsten Beine im Business?
Gisele hat die längsten Beine, die ich je gesehen habe. Sie besteht förmlich nur aus Beinen. Für unsere Kampagne mussten wir damals alle Stiefel länger machen, damit sie an ihr normal aussahen.

Und wer hat die schönsten Füße?
Eigentlich haben sie alle keine schönen Füße. Models und Stars tragen immer die falschen Schuhe. Diese engen, hohen Heels machen die Füße kaputt. Generell kann man sagen, dass die Jüngeren die schöneren Füße haben. Gigis Füße sind noch immer in Ordnung. Giseles Füße sind huh… und Kates Füße… nun ja.

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In Stuart Weitzmans spanischer Schuh-Manufaktur hat sich das Who is Who der Celebrity-Füße versammelt, starring: Beyoncé, Rihanna, Jennifer Lopez, Kate Middleton, Kate Moss, Gisele Bündchen und Taylor Swift

Sie designen High Heels. Fühlen Sie sich schuldig?
Ich vermute, ich bin nicht ganz unschuldig. Aber am Ende ist es ihre persönliche Entscheidung, meine Schuhe zu tragen. Ich gebe den Damen ja nur, was sie wollen. Das ist übrigens meine Philosophie. Außerdem würde ich nie einen Schuh auf den Markt bringen, den meine rechte Hand Barbara ungemütlich findet. Seit über 30 Jahren trägt sie all meine Prototypen Probe und hat das letzte Wort. Ihre Devise: Komfort vor Schönheit.

Warum designen Sie dann keine Turnschuhe?
Ich habe sogar schon einige Sneakers designt, um die wird nur nicht so ein Wirbel gemacht. Tatsächlich machen die hohen Schuhe nur 15 Prozent meines Business aus. Wir verkaufen ungefähr viermal so viel flache Schuhe, in denen man entspannt laufen kann. Im Herzen bin ich Unternehmer, ich denke also sehr praktisch. Aber ich muss auch für die feschen Schauspielerinnen designen. High Heels sind schließlich das, was ihr Magazine zeigen wollt.

Ärgern Sie sich eigentlich manchmal über schlimme Red Carpet-Outfits, die Ihre Schuhe versauen?
Wissen Sie was mich ärgert? Wenn die Roben die Schuhe komplett verdecken. Es ist wirklich frustrierend, besonders wenn man die Schuhe für einen Event extra angefertigt hat. Außerdem fragen die Interviewer auf dem roten Teppich nie nach den Schuhen. Außer vielleicht Joan Rivers. Aber von den meisten werden sie einfach ignoriert. Das war übrigens auch der Grund für die Kreation meines Million-Dollar-Schuhs, den Laura Harring 2002 bei den Oscars trug. Bei 464 funkelnden Diamanten konnte niemand mehr wegschauen. Der High Heel wurde zum meistfotografierten Objekt des Abends.

In Filmen werden Schuhe auch eher vernachlässigt behandelt, oder? Jeder weiß, was für eine Uhr James Bond trägt. Aber was für Schuhe hat der eigentlich an?
Gute Frage. Wenn du nicht gerade Schuhe für Cinderella designst, sieht es für dich als Schuhdesigner eher mau aus. In den meisten Filmen wollen sie eh die Standard-Modelle, Pumps, Flats oder einfache Stiefel. Damit fällt man nicht wirklich auf. Einmal habe ich die Schuhe für Das Phantom der Oper entworfen – ein geknöpftes Modell mit viktorianischem Absatz. Irgendwo im Abspann des Films stand dann mein Name. Blöd nur, dass die Leute das Kino immer direkt nach dem Film verlassen.

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Gigi Hadid in der F/W16-Kampagne von Stuart Weitzman ©Foto: Mario Testino

Sie haben Ihr Unternehmen kürzlich an Coach verkauft. Hatten Ihre Töchter keine Ambitionen ins Schuh-Business einzusteigen?
Ich habe sie nie gefragt. Mich hat auch nie jemand darum gebeten, das zu machen, was ich heute mache. Sie haben beide ihre eigenen Ziele verfolgt. Und zwar leidenschaftlich: Meine eine Tochter ist Filmkritikerin, die andere Singer-Songwriter. Sie machen ihr Ding. Ich finde das großartig. Wissen Sie, ich bin mit meiner Manufaktur schon lange in Spanien, weit weg von New York. Meine Töchter sind damit aufgewachsen, dass ihr Vater oft nicht Zuhause war. Vielleicht hatten sie daher nicht den intrinsischen Wunsch, Teil des Schuh-Business zu werden. Also wollte ich sie auch nicht dazu ermutigen. Man muss es wirklich lieben.

Angenommen Sie wären kein Schuhdesigner. Was wäre Ihr Job?
Ich würde wahrscheinlich wirklich an der Wall Street arbeiten. Ich bin so froh, dass sich mein Karriereweg geändert hat. Wäre ich zur Börse gegangen, hätte ich heute einen Job. Jetzt lebe ich mein Hobby. Ich kann wirklich von Glück sprechen, dass mein Bruder mich damals fragte, für ihn einen Schuh zu zeichnen.