Mode

Interview: Modefotograf Matin Zad

Von , 12. February 2016

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©Mckenzie James

Der kanadische Fotograf Matin Zad hat für unsere zweite Ausgabe den Titel und die große Modestrecke in New York fotografiert. Hier spricht Bildredakteurin Hannah Newbery mit Matin über seine Arbeit

Matin und ich kennen uns schon eine ganze Weile. Ich habe ihn 2009, ein Jahr nach meinem Umzug nach New York, durch gemeinsame Freunde kennengelernt. Das waren noch Zeiten, in denen wir einfach glücklich in New York herumgesprungen sind und die Stadt als immer währende Kulisse für Shoots und Schabernack genutzt haben. Als wir dann kurz vor Weihnachten einen Fotografen für die große Modestrecke unserer zweiten Ausgabe gesucht haben, ist mir sofort Matin in den Sinn gekommen – ich bin so glücklich, dass es geklappt hat!

Matin, wie war das Shoot für L’Officiel in New York?

Es war toll! Es ist die längste Strecke, die ich je fotografiert habe, also war ich natürlich voller Freude und Nervosität zugleich. Das Team war großartig und unheimlich kreativ – ich glaube, dies zeigt sich auch in den Bildern. Ich freu mich schon auf unser nächstes Shooting!

Du bist 2010 von Toronto nach New York gezogen. Wie erging es dir die letzten Jahre im Big Apple, vom Studium bis zu deiner Arbeit als Freelancer?

Mein erstes Jahr in New York war wirklich hart – ich hatte nicht wirklich eine Gemeinschaft, zu der ich mich zugehörig fühlte. 2012 beschloss ich dann, an der SVA (School of Visual Arts) Fotografie zu studieren – das hat mir unglaublich geholfen, mich in New York besser einzuleben. Ich genieße meine Arbeit als Freelancer sehr. Es ist schön, wenn man die Freiheit besitzt, seine Arbeitszeit selbst einteilen zu können.

Wolltest du schon immer Fotograf werden?

Nicht wirklich. Im Kindesalter wollte ich Modedesigner werden und habe aus den alten Strumpfhosen meiner Mutter Kleider für Barbies entworfen. Glücklicherweise habe ich den Prozess dokumentiert und arbeite gerade an einem Buch, das genau diese Bilder zeigt. Zunächst habe ich Kunstmanagement studiert, Gott weiß warum. Erst während einer langen Reise durch China, wo ich meine erste DSLR-Kamera kaufte und die Locals fotografierte, entdeckte ich mein Talent und meine Liebe für die Fotografie.

Kurz vor Ende deines Studiums hast du die Bottega Veneta New Exposure Competition gewonnen. Würdest du die Auszeichnung als deinen Durchbruch bezeichnen?

Damals hatte ich mich mit den Bildern einer Levi’s Kampagne beworben, die ich davor fotografiert hatte. Nach meiner erfolgreichen Teilnahme am Wettbewerb durfte ich eine Spring/Summer-Kampagne für Bottega Veneta fotografieren. Das war bereichernd – jedoch würde ich dies nicht als meinen großen Durchbruch bezeichnen. Die Ausstellung und Bekanntmachung der Gewinner war aber toll und wurde von Leuten überreicht, die ich sehr bewundere.

Ich habe die Entwicklung deiner Fotografie über die Jahre beobachtet. Deine Kampagne für Duckie Brown empfand ich als einen Wendepunkt deiner Karriere.

An der SVA wurden wir dem CFDA (Council of Fashion Designers of America) und einigen Designern vorgestellt. Daraufhin wurde ich von Duckie Brown angefragt, eine Fashion Week Kampagne für sie zu fotografieren – eine einmalige Gelegenheit, meine Arbeit einem größeren Publikum zu zeigen. Dieses Projekt hat mich sehr in meinem eigenen Stil bekräftigt. Ich arbeite oft mit Blumen als Requisiten, wie man in der Levi’s Kampagne oder auch der Duckie Brown Kampagne sehen kann.

Dein Stil ist ruhig, minimal und elegant. Wie du gerade sagtest, benutzt du häufig Requisiten, die zu einer Tiefe der Bilder beitragen – wie auf unserem jetzigen Cover. Du inszenierst deine Models auf eine interessante Art und Weise, lässt sie ungewöhnliche Formen einnehmen, dies macht deine Arbeit wiedererkennbar. Kannst du beschreiben, wie sich dein Stil entwickelt hat?

Das freut mich zu hören. Meine ersten Arbeiten waren sehr präzise, steril und voller Requisiten. Seit ich an meinem letzten Buch arbeite – Straßenfotografie mit dem iPhone fotografiert – habe ich immer größeren Gefallen an dieser spontaneren Art des Arbeitens gefunden, denn sie ist nicht so streng stilistisch oder referentiell. Es ist nicht mein Ziel, ein zusammenhängendes Oeuvre zu kreieren. Natürlich zeugt es von Stärke und Reife meiner Arbeit, wenn sie einen hohen Wiedererkennungswert besitzt, aber ich möchte noch mit vielen anderen Stilen experimentieren.

Seit deinem Abschluss hast du mit vielen namhaften Publikationen gearbeitet. Einige davon sind T Magazine, British Journal of Photography, Women’s Wear Daily, AnOther Magazine und CR Fashion Book. Was würdest du jungen Fotografen empfehlen, die am Anfang ihrer Karriere stehen?

Ich denke oft darüber nach und die einzige Antwort, die ich geben kann, ist, dass man einfach weitermachen und gute Bilder kreieren muss. Sind deine Werke originell, dann werden sie mit Sicherheit auch entdeckt. Besonders wichtig: Gib dir Mühe, Kontakte zu schließen und zeig den Redakteuren, mit denen du arbeiten möchtest, deine Arbeit!

An welchen anderen Projekten arbeitest du gerade?

Während der letzten zwei Jahren habe ich Instagram genutzt, um eine fortlaufende Serie von über hundert Repräsentationen und Neuinterpretationen von Luxusmarken, die ich im Alltag sehe, zu produzieren. Ich habe ein Faible für Modewerbungen und suche im Alltag nach Momenten, die an eine spezifische Marke erinnern. Das kann ein Laufsteg-Look sein, eine Kampagne oder einfach eine Person, der mich an eine Issey Miyake-Frau oder einen Yohji-Mann erinnert. Jedes Bild ist mit einem einzigen Hashtag versehen – der Name des Designers oder Labels. Eine Auswahl von 45 Bildern wurde gerade in meinem Buch #Fashion Volume 1 veröffentlicht, das bei Crosspoint NYC mit einer Auflage von 500 Exemplaren verlegt wurde und es unter anderem bei Motto in Berlin zu kaufen gibt.

#isseymiyake

Ein von @matinzad gepostetes Foto am

English Version:

The Canadian Photographer Matin Zad shot our cover and main fashion spread for our second issue in New York. Here, our Photo Editor speaks to him about his work.

Matin and I have known each other for quite some time now. About a year after I had moved to New York in 2009, I met him through mutual friends. We were happy kids floating around the city, using the city as a perpetual backdrop for our shoots and shenanigans. I am so excited to have him on board for this shoot with L’Officiel Germany!

Matin, how was it shooting for L’Officiel in New York?

It was wonderful! It was the longest story I’ve shot, so I was both excited and nervous. The creative team was very strong and i think it has reflected in the images. I can’t wait to do it again!

How have your past years in New York been? From leaving Toronto and moving to NYC in 2010, to your studies, graduating in 2013, and then starting to work freelance?

My first year in New York was really hard – not having a community that I could insert myself into. The decision to go to SVA for photography in 2012 helped me feel more at home in the city. Working freelance has been good for the most part. It’s nice to be able to choose my own hours and allocate my time to specific things I’m interested in.

Did you harbour the dream of becoming a photographer from a young age?

Not really. When I was a pre-teen, I wanted to be a fashion designer and often designed clothes for barbies using my mothers old pantyhose. Luckily, I documented this and now I am in the process of making a book of these images. I first went to college for arts management for god knows what reason, and it wasn’t until an extended trip to China when I bought my first DSLR camera and realized my talent and love of photography, taking photos of the local people there.

You won the Bottega Veneta New Exposure Competition shortly before graduating, do you feel this helped you breaking into the freelance photography market? 

I shot a Levi’s campaign, with which I applied to the competition. I did shoot a SS campaign image for Bottega Veneta some months after winning the competition, but honestly I didn’t feel like it gave me a lot of exposure. The exhibition and announcement were great though and presented by people I admire.

Having watched your photography develop over the years, I felt like your Duckie Brown campaign marked a turning point in your work.

We were introduced to CFDA Designers at SVA, Duckie Brown approached me asking if I would shoot a campaign for them for fashion week. This gave me a lot of exposure and definitely affirmed my style of shooting. I work with floral props a lot, like in the Levi’s and then the Duckie Brown campaign.

Your style is calm, minimal, and elegant. Like you just mentioned, you often use many small props, that bring more depth to the image, like on the current cover you shot for L’Officiel. The way you frame your images and direct your subjects in front of the camera to use their bodies to create unusual shapes, makes your work very recognizable. Can you talk a little about how your style developed?

I’m glad to hear that. I think my work started very precise, sterile and prop heavy and since working on my last book which was a series of street iPhone photos, I became interested in a more spontaneous way of working that isn’t so stylistically driven or referential. To be honest, I’m not interested in creating a singular body of work. Although I think its a strength and a sign of maturity for my work to be recognizable, there are other things I want to do and other mediums I would like to experiment with.

Since graduating, you have worked with numerous prestigious publications, T Magazine, British Journal of Photography, Women’s Wear Daily, AnOther Magazine, CR Fashion Book, just to name a few. What would you recommend upcoming photographer to do, to carve out similar experiences for themselves.  

I often think about this, but the only answer worth thinking about it is to keep making really good work. if it’s original, it will get noticed. Make an effort to show your work to editors you want to work with.

What other projects are you working on?

I just published a book called #Fashion Volume 1. Over the past two years, I’ve been using Instagram to produce an ongoing series of more than a hundred representations and reinterpretations of luxury brands I see in everyday life. The idea was born out of my love for fashion advertising. I look for moments that allude to specific designer brands — a runway look, an ad campaign or just someone who reminds me of a Issey Miyake woman or a Yohji man. Each image is accompanied with a single hashtag of a designer or label name. 45 select images from the series are now available in book format, published by Crosspoint NYC in an edition of 500 copies. You can find it in Berlin at the Motto bookstore.

Ausgabe 2 (März/April 2016) Editorial: Matin Zad (Fotos), Stella Grenspan (Styling), Hannah Newbery (Produktion), Braydon Nelson | Julian Watson Agency (Hair), Emi Kaneko | D+V Management (Make-up), Mila Taylor-Young (Set Design), Evelien Joos (Casting)