Mode

Interview: Ace & Tate Gründer Mark de Lange

Von , 5. May 2016

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Mark de Lange ©Ace & Tate

“Wir wollen der Brille zu einem neuen Image verhelfen.”

Der Gründer des Amsterdamer Eyewear-Labels über die Brille als unterschätztes Modeaccessoire, den Ace & Tate Creative Fund und die Fähigkeit, zu lernen, einfach mal die Klappe zu halten

Der Brillenkauf – kein wirklich sexy Thema. Nicht selten wird der Besuch beim Optiker zu einem unangenehmen Unterfangen: Konzentration ist hier alles und man ist auf der Hut, sich ja nicht über den Tisch ziehen zu lassen. Wochen später erreicht uns dann das eher mittelschöne Modell inklusive Sichtgläser – und horrender Rechnung obendrauf.
Dass das auch anders geht, beweist das Beispiel Ace & Tate. Seit gut drei Jahren mischt das Amsterdamer Eyewear-Label die alt eingesessene Brillen-Industrie gehörig auf. Seine ebenso banale wie geniale Strategie: Gutes Design und hohe Qualität zu akzeptablen, transparenten Preisen. Okay, schon mal gehört, aber wie funktioniert’s wirklich?
Design, Herstellung und Verkauf der Brillen liegen bei Ace & Tate selbst, alle überflüssigen Steps in der Produktions- und Distributionskette werden gestrichen. Verkauft das Label in erster Linie Online, hat sich Ace & Tate mittlerweile auch in die physische Welt vorgewagt – mit Pop-Up Stores und Filialen, die eher an Galerie als an Gleitsicht erinnern.
Für Gründer Mark de Lange und sein Team ist Kreativität und Design aber mehr als nur gut aussehende Marketing-Strategie: Gerade hat Ace & Tate seinen Creative Fund lanciert – ein Förderungsprogramm, das Nachwuchs-Künstlern und Kollektiven mit vielversprechenden Ideen finanziell und beratend unter die Arme greift.
Wir trafen Mark zum Launch des Creative Funds in Amsterdam und sprachen mit ihm über die Brille als unterschätztes Modeaccessoire, Ace & Tates Beitrag an die kreative Community und die Fähigkeit, zu lernen, einfach mal die Klappe zu halten.

Was ist die Idee hinter Ace & Tate?

Wir wollen der Brille zu einem neuen Image verhelfen. Wir verstehen sie nicht ausschließlich als medizinische Notwendigkeit, sondern als Modeaccessoire, das man gerne trägt. Ich habe es nie verstanden, warum man sich für verschiedene Anlässe unterschiedliche Outfits zulegt, dabei aber immer die gleiche Brille tragen muss. Ich meine, jeder von uns besitzt mehr Paar Schuhe als Brillen, oder? Wir wollen, dass unsere Kunden je nach Laune, Jahreszeit oder Anlass ein anderes Brillen-Modell wählen können.

Was hat dich zur Gründung von Ace & Tate inspiriert?

Im Jahr 2011 brachte ich von einer New York Reise ein kostspieliges, aber ausgesprochen schönes Brillengestell mit. Die neuen Gläser wollte ich in Holland einsetzen lassen. Mein Vorhaben entpuppte sich als ein riesiges, nerviges Theater. Es war absolut überteuert und dauerte ewig – am Ende überstiegen die Kosten für das Einsetzen der Gläser sogar den Preis des Gestells. Also fragte ich mich, ob man das nicht anders lösen könne. Zwei Jahre später habe ich Ace & Tate gegründet. Wir bieten unseren Kunden einen einfachen und transparenten Bestellweg. Außerdem halsen wir ihnen keine unnötigen oder versteckten Kosten auf. Bei uns kostet jede Brille 98 Euro. Inklusive Versand und Umtausch.

Wie sieht euer Design- und Fertigungsprozess aus?

Die Bereiche Design, Branding und Kundenservice decken wir komplett Inhouse ab. Mittlerweile sind wir 45 Personen im Amsterdamer Headquarter und 60 Personen in den Stores. Es ist verrückt, wie schnell wir seit 2013 gewachsen sind. In unserem Design-Team arbeiten wir zu fünft an den Modellen – meine Wenigkeit inbegriffen, wobei ich eher eine beratende Rolle einnehme. Die Brillengestelle lassen wir in Italien produzieren, wo wir mit verschiedenen Fertigungsbetrieben kooperieren. Unsere bis jetzt längste Geschäftsbeziehung führen wir seit ungefähr drei Jahren mit einer wunderschönen, familiengeführten Werkstätte im Norden Italiens, genauer gesagt in den Dolomiten. Uns ist ein enger, familiärer Kontakt mit den Manufakturen sehr wichtig.

Ace & Tate assoziiert man eher mit gutem Design als mit klassischem Brillen-Business. Ist das Teil eures Konzepts?

Es war von Anfang an unsere Idee, eine kreative Marke zu schaffen und nicht bloß ein Unternehmen zu sein, das Brillen verkauft. Wir wollen neben unserer Brillen-Kollektion Projekte mit kreativen Menschen realisieren, die uns als Team interessieren, für deren Designs wir persönlich brennen. Unsere Pop-Up Shop Kollaborationen mit lokalen Design-Brands, wie beispielsweise mit New Tendency in Berlin oder Mirko Borsche in München, erwachsen aus unserer geteilten Leidenschaft für gutes Design. Unsere Shop-Idee ist, dass die Kunden nicht ein 0815 Brillengeschäft betreten, sondern einen Ort, der sie inspiriert.

Kommst du beruflich selbst aus der Design-Richtung?

Nein, ganz und gar nicht. Meinen ersten Job hatte ich bei einem Investment-Unternehmen. Dann habe ich für einen privaten Investor gearbeitet. Ich wollte mich schon immer selbstständig machen – aber nur mit einer Idee, hinter der ich zu hundert Prozent stehe. Meine Familie kommt aus dem Schuh-Business, als Kind habe ich viel Zeit in Schuh-Manufakturen verbracht. Daher war klar, dass ich ebenfalls etwas machen möchte, das mit Handwerk und Kreativität zu tun hat.

Apropos Kreativität. Was hat es mit dem Ace & Tate Creative Fund auf sich?

Wir haben ja bereits des Öfteren mit verschiedenen Künstlern zusammengearbeitet. Neben ihren kommerziell orientierten Projekten hatten viele von ihnen großartige kreative Ideen, die sie gerne umgesetzt hätten. Jedoch fehlten ihnen die Mittel, um diese persönlichen Herzensprojekte zu realisieren. Das hat mich beschäftigt. Warum sollen wir als Unternehmen, das so viel Unterstützung von der Kreativszene bekommen hat, nicht etwas an eben diese zurückgeben?

Wer kann sich bewerben?

Jeder, der eine kreative Idee hat und diese umsetzen möchte. Dabei spielt es absolut keine Rolle, aus welchem Land der Bewerber kommt, in welchem Bereich er künstlerisch tätig ist oder welche Projekte er bereits realisiert hat. Unter allen Teilnehmern entscheidet unser Creative Board – darunter der Berliner Grafikdesigner Mario Lombardo, It’s Nice That Gründer Will Hudson und das Amsterdamer Film-Duo Lernert & Sander – welche Künstler gefördert werden sollen.

Und wie sieht die Förderung konkret aus?

Zunächst unterstützt der Creative Fund die Künstler auf finanzieller Seite, nämlich mit einem Zuschuss für ihr konkretes Projekt. Außerdem steht das Creative Board den Künstlern bei Fragen rund um die Produktion stets beratend zur Seite. Darüber hinaus werden wir mithilfe unserer Kommunikationskanäle und Media-Partner dafür sorgen, dass ein breiteres Publikum auf die Künstler aufmerksam wird. Uns ist also an einer langfristigen Unterstützung gelegen.

Du warst 32, als du Ace & Tate gelauncht hast. Was ist dein Rat an junge Gründer?

Was ich in dem ganzen Gründungsprozess gelernt habe, ist, dass man sein Ding durchziehen und seiner Ursprungsidee treu bleiben sollte. Gleichzeitig muss man aber auch dazu fähig sein, den Zeitpunkt zu erkennen, an dem man einfach mal die Klappe halten und die Ratschläge Anderer befolgen sollte. Natürlich weiss man selbst am besten, wie man sich die Umsetzung seiner Idee vorgestellt hat. Aber es gibt Menschen, die sich mit einigen Dingen besser auskennen, als man selbst. Das war meine größte Lehre.

Woher rühren eigentlich die Namen der Brillen-Modelle? Sind das Namen von Freunden?

Die meisten Brillen wurden nach Musikern benannt, die wir persönlich sehr schätzen. Das Modell „Hudson“ besitzt beispielsweise einen sehr berühmten Namensvetter, nämlich Saul Hudson aka. Slash von Guns N’ Roses. Ich bin ein riesiger Guns N’ Roses Fan. „Neil“ ist wiederum Neil Young gewidmet. Ich würde nicht sagen, dass diese ganzen Modelle direkt von den Musikern inspiriert sind. Vielmehr zollen sie ihnen Tribut.

Danke für das Gespräch!