Mode

Hedi Slimane verlässt Saint Laurent

Von , 1. April 2016

Hedi-Slimane-Lofficiel
instagram.com/lofficielitalia

Hedi Slimane hat Saint Laurent verlassen. Der Mann, der genug Talent hatte, das Label völlig neu zu positionieren und damit auch kommerziell große Erfolge feierte, ließ keinen Zweifel daran, dass er mehr wollte, als einen „Footprint“ zu hinterlassen

Er wollte eine junge Generation für sich gewinnen, die keine Beziehung zum Über-Gründer Yves Saint Laurent mit sich herumtrug. Auf dass er absehbar gleichgesetzt werden würde mit dem französischen Modehaus.
Gleich zu Beginn seines Engagements, übernahm er die Gesamtleitung, sozusagen die Überwachung des heiligen Grals einer Marke, die er quasi neu erfand.
Er kürzte kurzerhand den Vornamen des Gründers aus dem Logo, auf das dies nur noch für Make-up oder Duft-Kreationen verwendet werden durfte; jedes andere Accessoire, bis hin zu den Wasserflaschen, die Backstage die Models erfrischten, trug das vom ihm gestaltete Logo Saint Laurent Paris.
Er übernahm die kreative Leitung aller Werbe-Kampagnen, castete Models, suchte Locations, schoss schließlich auch die Fotos im Stil seiner künstlerischen Arbeiten aus den Jahren zuvor.
Und: Er verlegte die Content-Zentrale von Saint Laurent nach Los Angeles.
Dabei ging es ihm nicht darum, möglichst viel Zeit an seinem privaten Wohnsitz zu verbringen, wie etwa Gianni Versace und Tomas Maier in Miami oder eben Yves Saint Laurent in Marokko – er befand viel mehr, dass Los Angeles für seine Designs inspirierender sei. Dass das Label Saint Laurent, so wie er es verstand, an die gerade wieder hip werdende Westküste der USA gehörte und nicht nach Saint Germain in Paris.
Immer schon eher Marketing-Genie als Mode-Designer, schaffte Hedi Slimane so einen Turn-Around, wie er in der Modewelt eher selten vorkommt.
Wie gut er das kann, hatte er zuerst bei Louis Vuitton bewiesen: Man sagt, die legendäre Kampagne, mit der die angestaubte Koffer-Firma Mitte der Neunzigerjahre wiederbelebt wurde, sei von ihm; damals hatte er angeregt, moderne Kreative auf die klassischen Designs loszulassen, das berühmte Logo fand sich auf DJ-Koffern (von Helmut Lang), der so genannten Bum-Bag von Vivienne Westwood, aber auch Karl Lagerfeld steuerte eine personifizierte Version des Reisekoffers bei. Und über Nacht war The Logo Bag back.
Es folgte ein erstes Engagement bei YSL – die Männerkollektion konnte eine Modernisierung vertragen, kein Problem für den damals 28-Jährigen. Im Prinzip erfand er damals bereits den für ihn typischen Stil.
Und schon damals, so sagt man, hätte er gern auch die Frauenkollektion übernommen – an Selbstbewusstsein mangelte es ihm ohnehin nie – jedoch: So weit war man im Hause YSL damals noch nicht.
Also Dior. Damals traf ich ihn zum ersten Mal zum Interview. Ein leiser, feingliedriger Mann, sehr höflich, sehr freundlich. Wir hatten gemeinsame Bekannte in Berlin, das er damals zu seinem Zweit-Wohnsitz erkoren hatte, kannten dieselben Clubs, dieselben Künstler. Hätte er mehr zu sagen gehabt bei Dior, das sprach er freimütig auf mein Bandgerät, hätte er das gesamte Haus Dior nach Berlin verlegt. Schade eigentlich, dass er damals noch nicht so einflussreich war wie später bei Yves Saint Laurent.
Seine Shows bei Dior waren spektakulär besetzt, er castete die Jungs von der Straße, Nachtleben-Credibility war ihm wichtiger als ein muskulöser Oberkörper. Sein Design stand jetzt fest. Er kreierte einen völlig neuen Männertypus, das neue Jahrtausend konnte beginnen. Und Karl Lagerfeld, damals sein größter Fan, verlor seinen Jeans zu Ehren Gewicht. Im wörtlichen Sinn.
Auch bei Dior wollte er mehr, als man bereit war ihm zu geben. Also ging er, widmete sich von nun an der Kunst. Auch dies mit der Smartness des Galeristen, weniger der Kreativität des Künstlers. Als ich ihn in Zürich zu seiner Ausstellungseröffnung traf und wir über sein Portrait von Courtney Love sprachen, zuckte er die Schultern, „Aber sie ist doch wirklich schon eine Ikone. Wer hätte sie nicht gern über dem Bett hängen!“
Seit heute ist der Vertrag abgelaufen, der Hedi Slimane mit einem der größten französischen Modehäuser verbunden hat. Man darf gespannt sein, wie es dort jetzt weiter geht. Wieder in Paris? Und unter welchem Namen?
Und: Wird der Mann, der mal gesagt hat, ein Label unter eigenem Namen zu haben, bedeute ihm nichts, tatsächlich als nächstes zu Chanel gehen, wie gemunkelt wird?
Es bleibt spannend.