Mode

Fashion Forward: H&M Conscious Exclusive

Von , 8. April 2016

HEADER_HM
©H&M

Auf nach Paris! Dort hat gerade die Ausstellung “Fashion Forward – Three Centuries of Fashion“ eröffnet. Passend dazu ist die vom Musée des Arts Decoratifs inspirierte H&M Conscious Exclusive Collection ab sofort in ausgewählten Stores erhältlich

Am Mittwoch versammelte sich die internationale Modeszene rund um Julia Restoin Roitfeld, Caroline de Maigret und Jean Paul Gaultier im Pariser Musée des Arts Decoratifs, um die Eröffnung von “Fashion Forward – Three Centuries of Fashion“ zu feiern. Die Idee für die Ausstellung entstand aus einer Kooperation zwischen dem traditionsreichen Museum, der Kuratorin Pamela Golbin und dem schwedischen Modehaus H&M. Präsentiert werden die wertvollen Designs unter der künstlerischen Leitung von dem französischen Bühnenbildner Jérôme Kaplan und dem britischen Choreographen Christopher Wheeldon – und das noch bis zum 14. August diesen Jahres.

Auf mehreren hundert Quadratmetern führen sie die Besucher auf eine chronologische Reise durch die Evolution von 300 Jahren Modegeschichte, von 1715 bis ins Jahr 2015. Von rund 150.000 Archiv-Designs wurden die eindrucksvollsten Silhouetten aus drei Jahrhunderten Frauen-, Kinder- und Herrenmode ausgewählt – das Spektrum reicht von Fischbein-Korsagen, Reifröcken und dem ikonischen Cul de Paris über Haute Couture Auftragsarbeiten von Elsa Schiaparelli, Madeleine Vionnet, Cristobal Balenciaga, Gabrielle Chanel oder Christian Dior bis hin zu den Highlights aus knapp 65 Jahren Ready-to-Wear.

 Dabei veranschaulichen die ausgestellten Stücke nicht nur die Evolution von Design, Techniken und Materialien in der Mode, sondern machen auch auf eindrucksvolle Weise die Veränderung der Lebensweisen einer Gesellschaft über die Jahrhunderte hinweg erfahrbar. Gleichzeitig zeichnen die bühnenartigen Ensembles – darunter szenische Zuber-Tapeten oder Strohmosaik-Paravane von Jean-Michel Frank – die Co-Entwicklung der dekorativen Kunst nach und reflektieren im Zusammenspiel mit den ausgestellten Designs ihre enge Verwandtschaft zur Mode.

Zu den ausgestellten Ready-to-Wear Designs zählen herausragende Kreationen der großen präsentierenden Modehäuser sowie Kollektionsteile aus der H&M-Kollaboration mit Karl Lagerfeld und das Key-Piece der diesjährigen Conscious Exclusive Collection: Ein vom 18. Jahrhundert inspirierter, kragenloser Mantel. Für seine aktuelle nachhaltigere Kollektion schickte H&M sein Designteam auf einen Inspirations-Spaziergang durch die Modearchive des Pariser Musée des Arts Décoratifs. Dabei herausgekommen sind mode- und kunsthistorisch inspirierte Prints und Silhouetten, die sich in fließenden Kaftanen mit aufwendigen Trompe-l’oeil-Prints, modellierten Röcken und Malerblusen wiederfinden. Dem nachhaltigen Ansatz der Kollektion entsprechend, wurden die Entwürfe unter der Verwendung nachhaltigerer Materialien umgesetzt.

Bei unserem Ausstellungsbesuch trafen wir H&M Creative Advisor Ann-Sofie Johansson und sprachen mit ihr über die aktuelle Conscious Exclusive Collection und das Nachhaltigkeits-Konzept des schwedischen Mode-Giganten:

Für die neue Kollektion haben sich die Designer von den Archiven des Musée des Arts Decoratifs inspirieren lassen. Wie kann man sich das vorstellen?

Unsere Designer haben für eineinhalb Tage Zugang zu den Archiven des Museums bekommen, in denen sich 300 Jahre Modegeschichte und Textilien befinden. Ich war leider nicht mit dabei, aber sie erzählten mir, dass es wahnsinnig inspirierend war. Sie sagten, sie hätten sich wochenlang dort aufhalten können. Nach ihrem Ausflug kamen sie mit allerhand Zeichnungen zurück – leider durften viele der Designs nicht fotografiert werden, da sie zu fragil waren.

Was ist die Grundidee hinter der Conscious Exclusive Linie?

Sie handelt von zeitlosem, aber gleichzeitig modernem Design. Außerdem geht es bei dieser Kollektion nicht darum, Trends abzubilden, sondern Teile zu entwerfen, die eine lange Zeit halten. Mit den Designs wollen wir zeigen, dass man heute schöne Dinge anhand nachhaltigerer Materialien produzieren kann. Damit ist die Kollektion ein wichtiger Teil unseres Nachhaltigkeit-Konzepts.

Wie genau geht H&M das Thema Nachhaltigkeit an?

Nachhaltigkeit ist ein Konzept, das einen sehr großen Teil unserer Unternehmensphilosophie ausmacht. Wir engagieren uns in vielerlei Hinsicht nachhaltig. H&M ist beispielsweise der weltweit größte Einkäufer von organischer Baumwolle, recyceltem Polyester und aus Holz-Zellstoff gewonnenen Tencel-Fasern. Bis 2020 wollen wir in unserer Verwendung von Baumwolle ausschließlich auf nachhaltigere Quellen setzen. Bereits jetzt werden 20 Prozent all unserer produzierten Teile unter der Verwendung nachhaltigerer Materialien hergestellt. Meiner Meinung nach ist eine Orientierung in Richtung Nachhaltigkeit die einzige Option, wenn man heutzutage als Unternehmen überleben will. Es ist der Weg in die Zukunft.

Welche nachhaltigen Materialien habt ihr für die aktuelle Kollektion genutzt?

Mit jeder neuen Conscious Exclusive Collection lernen wir dazu, entwickeln nachhaltige Verfahren und entdecken neue Materialien, die wir verwenden können. In diesem Jahr ist es uns gelungen, die für die Stickereien benötigten Glasperlen zu fünfzig Prozent aus recyceltem Glas herzustellen. Das mag vielleicht nicht revolutionär klingen, ist aber tatsächlich ein Schritt in die richtige Richtung. Für die Kleidungsstücke haben wir auf Bio-Baumwolle und recyceltes Polyester zurückgegriffen. Außerdem haben wir als erstes Modeunternehmen Denimite verwendet, zum Beispiel für unsere Ohrringe. Denimite wird aus recyceltem Denim hergestellt – die Jeans werden geschreddert und dann mit Bio-Resin vermischt. So entstehen marmorartige Platten, die überraschenderweise federleicht sind. Wir sind aus Zufall auf die amerikanische Firma gestoßen, die Denimite herstellt. Eine unserer Entwicklerinnen hat im Netz nach neuen nachhaltigen Materialien gesucht, die man für die Kollektion verwenden könnte.

Was ist dein Lieblingsteil der Kollektion?

Der Jacquard-Mantel, der in dieser Ausstellung gezeigt wird. Er ist von einem Reitmantel aus dem 18. Jahrhundert inspiriert und wurde aus recyceltem Polyester – genauer gesagt aus recycelten Plastikflaschen – hergestellt. Außerdem liebe ich das mit Glasperlen bestickte Seidenkleid, das an die Art déco Epoche erinnert.

Die Ausstellung repräsentiert eine 300-jährige Modegeschichte – wofür soll H&M in hundert Jahren stehen?

Uns gibt es seit 1947, das ist eine relativ lange Zeit. Leider besitzen wir kein Archiv mit Designs von damals, was ziemlich schade ist. Ich hoffe, wir werden auch in hundert Jahren noch Teil der Modegeschichte sein. Ich wünsche mir, dass wir bis dahin unser gesamtes Sortiment aus recycelten Materialien herstellen können. Heute ist dies bei vielen Stoffen, zum Beispiel Jeans, häufig nur zu zwanzig Prozent möglich. Die Fasern der recycelten Materialien sind zu brüchig, so dass sie mit anderen Stoffen vermischt werden müssen. Was das Thema Nachhaltigkeit betrifft, haben wir also noch viele Jahre der Innovation vor uns. Und ich hoffe, dass sie mit großen Schritten voranschreitet.

Vielen Dank für das Gespräch!