Mode

Annelie Schubert: „Mode verstehe ich als Sprache“

Von , 27. April 2016

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Annelie Schubert x Petit Bateau ©PR

Heute kommt die Annelie Schubert x Petit Bateau Capsule Kollektion in die Stores – wir sprachen mit der Modedesignerin und Hyères-Gewinnerin über die Kunst, sich nicht unter Druck zu setzen, das Auflösen von modischen Klischees und ihren alternativen Berufswunsch

Bei dem Wort Festival denkt man in der Regel an zwei Dinge: Filmstars auf dem roten Teppich oder juchzende junge Menschen, die ausgelassen vor einer Bühne tanzen und nebenbei Fotos von ihren Outfits bei Instagram posten. Dass es auch ein Festival für angehende Modedesigner gibt, die dort einer Jury ihre Kollektionen präsentieren, wissen wahrscheinlich die wenigsten. Das Hyères Festival International de Mode et de Photographie – das Sprungbrett schlechthin für internationale Designerkarrieren – ging soeben zu Ende. Im vergangenen Jahr gewann die Deutschfranzösin Annelie Schubert den Grand Prix du Jury Première Vision, überzeugt hatte sie die Jury mit etwas sehr Unkonventionellem: Einer Schürze. Damit ist natürlich nicht der vollgespritzte, ausschließlich beim Kauf mal weiße Lappen aus der eigenen Küche gemeint (auch wenn heutzutage ja so ziemlich alles Trend werden kann) – Annelies Kollektion bestand aus schürzenförmigen, aufwändig drapierten und voluminösen Lagenlooks, die mittlerweile so etwas wie ihre modische Handschrift sind. Nun bringt die Designerin eine vierteilige Capsule Kollektion in Kooperation mit dem französischen Label Petit Bateau heraus – der Ansturm auf Annelie seit Hyères hält an. Umso größer also die Freude, dass sich die gebürtige Göttingerin Zeit nahm, mit uns über ihre Arbeit zu sprechen.

Mit deiner Abschlusskollektion Aprons hast du im vergangenen Jahr die 30. Ausgabe des Internationalen Festivals für Mode und Fotografie in Hyères gewonnen. Was hat sich seitdem für dich verändert?

Ich habe einfach viel mehr zu tun, durch die Auszeichnung haben sich eine Menge sehr schöner Projekte für mich ergeben, wie auch meine Kollektion für Petit Bateau.

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Annelie Schubert ©Amira Fritz

In Hyères werden Karrieren gemacht: Branchengrößen wie die Niederländer von Viktor & Rolf gewannen das Festival, ebenso der Däne Hendrik Vibskov. Setzt dich das unter Druck?

Ich versuche, mich nicht zu vergleichen. Dementsprechend habe ich auch keine Erwartungshaltung an mich, die mich unter Druck setzen könnte. Natürlich spüre ich eine gewisse Verantwortung, aber ich denke, dass ich dieser am besten gerecht werde, wenn ich einfach mein Bestes gebe – und schaue, wohin mich das bringt.

Auf dem Festival sagte Karl Lagerfeld: „Jungdesigner ist ein gefährliches Label. Es gibt keine Jungdesigner. Es gibt nur gute und schlechte Designer!“ Wie siehst du das?

Dem würde ich wohl zustimmen. Der Begriff ist in der Tat ein Stempel, der nichts über das Talent eines Designers aussagt, sondern nur über seine Ausgangsposition.

Neben einem Preisgeld von 15.000 Euro und der Kooperation mit Petit Bateau hattest du auch die Möglichkeit eine Kollektion in den Werkstätten von Chanel zu entwerfen. Wie war es dort zu arbeiten?

Die Zusammenarbeit mit den Métiers d’art von Chanel war großartig. Ich bekam einen Einblick in die Geschichte des Hauses, ihre traditionellen Ateliers und Werkstätten. Zudem hatte ich die Chance, mit Personen der absoluten Spitzenklasse zusammen zu arbeiten, was sehr inspirierend war. Was mir besonders gefallen hat: Während der Zeit dort habe ich alle Freiheiten und Möglichkeiten bekommen, mich auszuprobieren.

Nicht einmal kurz überlegt, mit dem Preisgeld einfach durchzubrennen und die Modebranche hinter dir zu lassen?

Nein, nicht eine Sekunde.

Was ist denn die Idee hinter deinen Entwürfen für Petit Bateau?

Mein Ausgangspunkt in der Kollektion für Petit Bateau waren die klassischen Marinestreifen und Farben, die ich dann durch meine Schnittführung und Drapierung weiter interpretiert habe.

Du hast deutsche als auch französische Wurzeln. Kann man heutzutage noch unterschiedliche modische Vorlieben beider Länder ausmachen?

Nein. Ich sehe eher eine Unabhängigkeit von Nationalitäten in der Mode, gerade in Zeiten der Globalisierung verschwimmen diese Unterschiede und Klischees immer mehr. Wenn, dann lassen sich stilistische Verschiedenheiten höchstens nach einigen Städten ausmachen.

Dabei spielt sicher auch die globale Verbreitung von Trends durch soziale Medien eine Schlüsselrolle. Wie wichtig sind diese für deinen Erfolg?

Ich habe kaum Erfahrung mit sozialen Medien. Natürlich sehe ich ein Potential in ihnen, aber damit werde mich erst später intensiver auseinandersetzen können, wenn ich mehr Zeit habe.

Was würdest du anderen jungen Designern, wie etwa dem diesjährigen Gewinner des Hyères Festivals, Wataru Tominaga, mit auf den Weg geben?

Gerade sehe ich mich noch gar nicht in der Position, Ratschläge zu geben.

Wenn du keine Modedesignerin geworden wärest…

Wäre ich mit einer riesigen Portion mehr Talent gerne Pianistin. Wobei das vielleicht etwas anmaßend ist. Dann wohl doch eher Illustratorin…

Was bedeutet Mode für dich?

Mode verstehe ich als Sprache, mit der wir uns ausdrücken – und als eine sehr Schöne dazu.

Vielen Dank für das Interview.