Lifestyle

Zürich Connection

Von , 16. December 2015

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Lisa Feldmann – Mein Leben als Chefredakteurin

Ein kluger Zürcher Freund von mir hat einmal gesagt: „Wenn ich in Kloten lande, unter mir die ordentlich abgesteckten Felder und getrimmten Wälder sehe, dann weiss ich: Ich bin Zuhause. Aber es kommt sehr darauf an, woher ich gerade komme, ob das ein gutes oder ein schlechtes Gefühl ist.“
Ich konnte dem Satz viele Jahre völlig zustimmen. Manchmal, wenn ich aus New York zurückkam in die Schweiz, war ich ein wenig deprimiert beim Anblick dieser ach so geordneten Verhältnisse. Kam ich jedoch aus Indien zurück oder von dem afrikanischen Lamu-Archipel (den ich sehr liebe), einmal auch nach einem sehr verkaterten Wochenende in Berlin, dann war ich irgendwie froh, wieder hier zu sein: In der Ruhe, der Entspannung, in der wohltuenden Unaufgeregtheit dieses Landes, das in den letzten 25 Jahren meine Heimat geworden ist.
Letzte Woche war ich wieder in Zürich, für einige geschäftliche Termine, aber eigentlich, um meine Freunde wiederzusehen, die ich momentan, wo ich soviel Zeit in Berlin verbringe, oft schmerzlich vermisse. Ihre Geradlinigkeit, ihren guten Geschmack, ihre bedingungslose Loyalität. Ich schlafe meist bei einer Freundin und ihren beiden Kindern, inzwischen gehören noch drei Katzen zur Familie. Sie räumt für mich ihr Schlafzimmer, nicht ohne meine Lieblings-Schokolade aufs Kopfkissen zu legen, das iPad liegt ebenfalls bereit, mit ihrem Netflix-Account, auf dass ich zum Einschlafen noch rasch in eine neue wichtige Serie hineinschauen kann. Beim Abendessen spielt sie mir den neuesten Techno-Sound vor, um den ihre Tochter neuerdings unser aller Repertoire erweitert. Sie wohnt am weniger poschen Zürichsee-Ufer, vor ihrer Tür grast eine Schafherde, ich schlafe tatsächlich zum Gebimmel ihrer Halsglocken ein.

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Am nächsten Abend treffen wir uns mit einer ganzen Gang von Kollegen-Freunden in einer der typischen Hang-Outs im Langstrassen-Quartier, so eine Art Meatpacking District von Zürich. Bei den Preisen auf der Speisekarte reagiere ich inzwischen wie alle deutschen Touristen („Wie bitte? Ein kleines Glas Wein für 12 Franken?“), unsere Gespräche drehen sich um Filme und Fernsehserien, Adeles neues Album, die letzte Kollektion von Céline und unsere Jobs in den Medien. Schweizer sind immer top informiert, meine Freunde sind öfter in Paris, Mailand, London als ich, alle waren natürlich schon in Vietnam, Costa Rica, Belize oder Havana und jeder von ihnen spricht mindestens drei Sprachen. Total normal hier, gut ausgebildet zu sein, weit gereist, stylisch.
Wir stehen bibbernd in der Kälte mit unseren Zigaretten, morgen früh wird dennoch jeder joggen, rudern, trainieren gehen. So ist das nunmal. Wir ziehen noch weiter, ein anderer Freund hat eine neue Bar aufgemacht, wir stellen uns vor, wie wir hier im nächsten Sommer die EM schauen werden zusammen, wie so oft in den letzten Jahren.
Ich fliege schweren Herzens ab am nächsten Morgen. Als in einer letzten Kurve unter mir der Rheinfall von Schaffhausen zu sehen ist, muss ich kurz schlucken. Bye Bye, Zürich. See You Soon.

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Tags: #Kolumne, #Lisa Feldmann, #Zürich