Lifestyle

Your Space: Yoga neu gedacht

Von , 3. June 2016

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©Your Space

Michaela Aue und Sophie Weiser – die Gründerinnen des temporären Berliner Yoga-Raums Your Space – erklären, wie man seinem “Hirnteenager” eine Auszeit gönnt

Yoga und Meditation gehören seit Jahren fest zu unserem „Lifestyle“ und gerade Großstätter suchen darin Entspannung oder hoffen, ein neues Lebensgefühl zu finden. Der Markt an Yogastudios und Meditations-Apps boomt und man verliert durch die Masse schnell den Überblick und vergisst die ursprüngliche Idee des Yogas überhaupt. Denn diese ist weniger moderner Lifestyle, als jahrtausendalte Tradition.
Das neue Konzept von Yogalehrerin Michaela Aue und Meditationsexpertin Sophie Weiser in Berlin ist vielversprechend und alles andere als eine x-beliebige Yogaschule. Bis Ende Juni kann man in der Your Space Meditationskurse besuchen, Austausch mit anderen finden und vor allem eins: Versuchen, sich einfach mal wohlzufühlen.

Wie oft meditiert ihr? Wie oft praktiziert ihr Yoga?

Michaela Aue: Ich meditiere jeden Tag 10 bis 20 Minuten am Morgen machen oft schon einen großen Unterschied. Yoga habe ich früher jeden Tag praktiziert. Momentan ist es eher 3-4 mal die Woche.

Sophie Weiser: Mittlerweile meditiere ich jeden Morgen eine Stunde bevor ich überhaupt mein Telefon anmache und bin jedes Mal erstaunt, wie sehr das meinen Tag positiv beeinflusst. Was Bewegung angeht, entscheide ich mich immer morgens zwischen Pilates und Yoga,  je nach Tagesform.

Schafft ihr es dann auch, eure Mediation mit in den Alltag zu nehmen?

MA: Jein. Seitdem ich regelmäßig meditiere, bin ich insgesamt ausgeglichener und lasse mich nicht mehr so schnell aus der Ruhe bringen. Der Trick ist einfach achtsam mit sich selber zu sein. Wenn es stressig wird, halte ich einen Moment inne und versuche in meinen Körper hinein zu hören. Was stresst mich genau, wo kommt dieser Stress her und wie kann ich diesen Moment auflösen. Nach ein paar Atemzügen, wird es im Kopf dann meistens leiser und mein Körper gibt mir die richtigen Impulse. Oder ich rufe direkt Sophie an und wir machen eine Herz-Meditation-Session am Telefon oder bei uns im Your Space.

SW: Es gibt auch schon wunderbar kleine Techniken, die einem dabei helfen, mehr Bewusstsein in seinen Alltag zulassen. Wenn du dir beispielsweise einfach etwas auf die Hand schreibst und du dir jedes Mal, wenn du das siehst, vollkommen über den Jetzt-Moment bewusst wirst, dann ist das schon ein sehr guter Anfang. Der Geist ist ein „wütender Teenager“ und zickt gerne mal rum. Aber ein Bewusstsein dafür zu entwickeln und dem „Teenager“ die Aufmerksamkeit zu entziehen, hilft ungemein.

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©Your Space

Was ist eure Antwort, wenn Leute euch kritisch entgegnen, dass Yoga nur ein Trend oder Lifestyle, sei?

MA: Ich sehe das nicht als Kritik. Die Tradition des Yoga begann doch vor so vielen tausenden von Jahren. Es geht hier nicht nur um ein neuartiges Fitness-Programm. Was uns stört am Hype um Yoga, ist im Zweifel der übertriebene Fokus auf den perfekten Yogaposen und die ständige Wertung verschiedener Lebensmodelle, anstatt sich einfach auf sich und das Motto „live and let live“ zu besinnen.

SW: Yoga als System, bestehend aus Asanas (Yoga Posen), Pranayama (Atemarbeit) und Meditation, lässt dich die Stille in dir selbst wiederfinden, öffnet dein Herz und verbindet dich mit etwas das sich unglaublich schön nach „zu Hause ankommen“ anfühlt. Genau das vermissen viele von uns wahrscheinlich, ohne es überhaupt zu wissen. So lange Yoga dir hilft weicher und positiver zu werden, ist es mir ziemlich egal was die Leute sagen.

Meditations- und Entspannungs-Apps sind hoch im Kurs. Was hältst du davon? Schon mal die ein oder andere ausprobiert?

MA: Bislang habe ich nur Headspace ausprobiert und die App fand ich ziemlich gut (Anm. der Redaktion: Michaelas Testbericht ist in der aktuellen Mai/Juni-Ausgabe von L’Officiel erschienen). Ansonsten, muss jeder für sich selbst herausfinden, was für ihn funktioniert. Gott sei Dank sind wir alle unterschiedlich und so mag für den einen Meditation per App funktionieren, für den anderen nur in der Gruppe und für den nächsten nur alleine zu Hause.

SW: Es gibt da den Spruch: es gibt so viele Wege wie es Mönche gibt. Für mich funktionieren Apps nicht wirklich. Aber ich war eben auch schon öfters für ein paar Monate in Meditationsschulen und habe an meiner eigenen Praxis gefeilt, dazu fehlt vielen die Zeit.

Aber man muss man nicht erst nach Tibet reisen, um richtig und entspannen zu können?

SW: Mooji (A.d.R.: jamaikanischer Satsang-Lehrer und Guru) sagt das ganz gut: „You don’t have to go to India to find peace, you don’t have to go to the Himalaya to find peace, you don’t have to go to the Caribbean to find peace and happiness because it is right here where you are.“ 

Bis Ende Juni gibt es die Your Space, ein temporärer Yoga-Raum. Wie genau kam es zu dieser Idee?

MA: Wir wollten vor allem einen Raum für „Mindfulness“ und den Austausch an unterschiedlichem Wissen ins Leben rufen – Your Space auch als Ort an dem man sich trifft und kennenlernt. Es gibt so viele Yogastudios in dieser Stadt, mit denen wir gar nicht in Konkurrenz treten wollen. Vielmehr als Yoga wollen wir der Meditation, verschiedenen Workshops und Zeremonien einen Platz schenken. Wie es zu dieser Idee kam, war eine Zusammenfügung glücklicher Tatsachen. Sophie und ich waren Ende letzten Jahres beide auf Reisen. Nach meiner Rückkehr war Berlin dann wie eine komplett neue Stadt für mich; ich hatte keinen Job und war auch unsicher, ob ich eigentlich bleiben wollte. Da habe ich einen Freund von mir, Slater Bradley, in seinem Künstler-Studio besucht. Ich war sofort verliebt in den Raum, denn es war diese Mischung aus Berlin in den 90er Jahren und New York. Er gab uns die Möglichkeit, den sein Studio dann temporär zu mieten und hier sind wir nun.

Ich mag den Namen. Was hat es damit auf sich?

MA: Es ist „dein“ Raum, du machst ihn und alles was dort passiert zu deinem Eigen. Wir schaffen dir sozusagen ein Angebot oder eine Anleitung und was du am Ende daraus machst, bleibt ganz allein dir überlassen. Unser großer Herzenswunsch ist auch eine Community aufzubauen, die sich gegenseitig unterstützt und hilft.

Und noch eine passende Schlussfrage: Was bedeutet Entspannung?

MA: Entspannung bedeutet für mich raus aus meinen Kopf und rein in meinen Körper. Im Moment sein, ohne Sorgen oder Ängste.

SW: Für mich bedeutet Entspannung, wenn mein „Hirnteenager“ sich eine Auszeit nimmt. Das wie und wo ist da ziemlich egal. Einfach nur Stille im Kopf.

Danke für das entspannende Interview!

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Your Space
Prenzlauer Allee 26
2 Hinterhof, 3 Etage
10405 Berlin

Die aktuellen Kursangebote gibt es auf der Website: www.yourspaceberlin.com