Lifestyle

Weihnachtsgeschenke

Von , 24. December 2015

Lisa-Lofficiel

Lisa Feldmann – Mein Leben als Chefredakteurin

Weihnachten. Ich gehöre zu den Menschen, die davon überzeugt sind, dass diesem Wort ein Zauber inne wohnt. Genauer gesagt: Ich liebe alle damit verbundenen Rituale! Weihnachtsfilme schauen, immer dieselben, alle Jahre wieder. Kekse backen und vor allem essen. Den Baum schmücken, die gesamte Wohnung in eine Außenstelle gängiger Warenhäuser für Lichterketten, Tannenzweig-Girlanden und Goldsterne verwandeln.
Und Geschenke einkaufen! Am liebsten kurz vor dem Heiligen Abend, wenn sich durch jede westliche Großstadt Massen von Menschen schieben. Nie habe ich verstanden, dass es Menschen gibt, die das nervt und die deswegen schon Wochen vorher mit dem Shopping anfangen, um auf Nachfragen triumphierend verkünden zu können, dass sie schon „alles haben.“ Was fangen die nur an mit ihrer Zeit, wenn wir anderen durch überhitzte Kaufhaus-Etagen hasten, uns in Kassenschlangen die Beine in den Bauch stehen, mit Buchhändlern um letzte Exemplare von Bestsellern verhandeln? Auch die Sorge, man könne nichts finden für die Lieben, die man beschenken möchte, weil die ja schon „alles haben“, verstehe ich nicht. Wie kann das sein? Niemand hat schließlich „alles“.
Und dass mit Weihnachtsgeschenken akute Defizite ausgeglichen werden müssen, ist doch kein Gesetz! Auf einem Super-Acht-Film aus den Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts, den mein Schwiegervater von seiner Familie am Heiligen Abend gedreht hat, packt eine der Großmütter unter herzlicher Anteilnahme von Enkeln und Kindern eine lindgrüne Toiletten-Umrandungs-Matte aus, offenbar ein Geschenk ihrer aufmerksamen Schwiegertochter, bei der sie sich vor laufender Kamera strahlend bedankt (übrigens mimisch, Ton hatten die Filme meines Schweigervaters erst in den Achtzigerjahren, bis dahin war die gesamte Familie angehalten, ihre Gefühle mit Grimassen und rollenden Augen oder Zähne fletschend auszudrücken). Vielleicht hatte sie gerade ihr Badezimmer neu kacheln lassen und das alte Exemplar passte farblich nicht mehr so recht? Oder sie hatte unlängst die schicke Matte im Gäste-Bad ihres Sohnes lobend erwähnt? Vielleicht war meine Schwiegermutter aber auch einfach beim Bummel durchs KaDeWe darüber gestolpert.
So wie ich gestern über… Oops – das werde ich hier doch nicht verraten! Schließlich weiß man nie, wer heutzutage plötzlich Zeit hat, meine Kolumne zu lesen. Irgendwer in der Familie gehört ja mit Sicherheit zu den Menschen, die schon längst alle Geschenke haben. Und deswegen jetzt nicht weiß, wie er die Zeit totschlangen soll…