Lifestyle

Beauty-Postkarte aus Sizilien

Von , 11. May 2016

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© Christoph Mack

Sizilianische Orange und deutsche Birke: Naturkosmetik verspricht sanfte Wirkung durch Pflanzenkraft. Ist auch welche drin?

Sizilien, so dachte ich, sei trocken und staubig. Ich hatte nicht vermutet, dass dort pflegende Kosmetik hergestellt wird. Kaum hat das Taxi die Peripherie Palermos hinter sich gelassen, weht durch das offene Fenster eine frische von Kräuterdüften und Salzluft erfüllte Brise. Aus dem Autoradio tönt Eros Ramazzottis Più bella cosa. Mir ist heiß.
Der Fahrer – ein gut gelaunter Sonnenbrillenträger – lässt das Lenkrad los und zieht einen imaginären Vorhang auf: »Welcome to Verdura!«

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© Christoph Mack

Da – an der südwestlichen Küste zwischen dem Tal der Tempel in Agrigent und dem Fischerdorf Sciacca – liegt es in seiner ganzen Pracht: das Verdura Resort. 230 Hektar Golfplatz, Oliven- und Orangenhaine, gesäumt von einem wilden Küstenabschnitt. Struppige Rosmarinhecken, Granatapfelbäume. Hier lässt man es wachsen! Selbst die Architektur geht vor dieser wunderschönen und friedlichen Landschaft ehrfürchtig in die Knie. Die Gebäude der Hotelanlage erinnern in ihrer Zurückhaltung an sandfarbene Bauklötze. Sie fallen nicht weiter auf.
»Unsere Hotels sollen in ihrer Gestaltung an die Umgebung und die verschiedenen Standorte angepasst sein«, erklärt Irene Forte. Die Tochter des Firmengründers ist in dem Familienunternehmen Rocco Forte Hotels für die Entwicklung der Marke zuständig.

Irene hatte auch die Idee zu einer hauseigenen Pflegelinie. Das liegt nahe, hat man hier doch alles vor der Hoteltür. Was draußen gedeiht, wird auf dem italienischen Festland in Trento zu der Pflegelinie »Forte Organics« verarbeitet: Orangen, die beleben, Oliven, die schützen, Granatäpfel, die straffen, und Mandeln mit Peelingeffekt.

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© Christoph Mack

»Forte Organics« wird in den Spas der weltweit zehn Rocco Forte Hotels angeboten. Auf der Terrasse mit Meerblick sprechen Irene und ich bei ungezuckertem Kräutertee und Fenchelsalat ohne Öl und Salz als Amuse-Gueule über die kommenden Tage. Ernährungsprogramm, Body-Composition-Analyse, Healthy-Cooking-Kurs, Massage und Treatments mit den hauseigenen Produkten, das ganze »Forte Health«-Programm.
Klingt super, leider steht auch Sport auf dem Plan. Als Marcello, der Fitnesstrainer, am nächsten Tag 20 Sit-ups von mir sehen will, verliert er schnell die Geduld: »Dschulia, you hawa to rrrialaise, how matcha you arra not strrronga.« Glücklicherweise werden wir von Kosmetikerin Ana unterbrochen, die mich zum Treatment abholt. Das findet, zu meiner Freude, im Liegen statt. Ich werde geschrubbt und eingeölt. Auch mit geschlossenen Augen kann ich die »Forte Organics«-Produkte erkennen: Der »Citrus Toner« riecht nach Orangen, die mit Mandelöl angereicherte Augenpflege nach Mandeln. Die Extrakte aus Pflanzen und Früchten, die in den Produkten landen, sind aus dem Biogarten.

Was bringen Ringelblume und Hamamelis in der Lotion, wenn sie am Rand einer Schnellstraße gewachsen sind?

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© Christoph Mack

Dann doch lieber der Griff zu der umfangreich getesteten Chemievariante. Doch Naturkosmetik liegt im Trend – sogar große Konzerne sind auf den grünen Zweig gekommen. Die Vorsilben »Natur«, »Bio« oder »Organic« werden rasch vergeben. Sie besagen aber lediglich, dass Pflanzenanteile enthalten sind. Der Prozentsatz, die Herkunft und Verarbeitungsmethoden dieser angeblich natürlichen Inhaltsstoffe bleiben oft unklar. Vor dem Drogerieregal, aber auch bei teureren Adressen gilt lieber ein zweites Mal hinschauen und die Zutatenliste genau studieren. Denn nur weil Natur draufsteht, ist nicht immer auch Natur drin.

Christina Roth, Inhaberin von Greenglam, einem der zurzeit angesagtesten Onlineshoppingportale für Naturkosmetik: »Eine schnelle Art der Unterscheidung zwischen echter und falscher Naturkosmetik gibt es nicht. Zwar kann man sich auf Zertifizierungen wie die von BDIH oder Ecocert verlassen, viele kleine biologische Marken tragen jedoch kein Siegel. Trotzdem kann man sie als Naturkosmetik bezeichnen.« Neben einer genauen Recherche oder dem Rat eines Experten muss man daher auch weiterhin seinem Gefühl folgen.

Hier auf der Liege – der Blick schweift ins Grüne, zarter Duft von Aprikosen liegt in der Luft – vertraue ich gern auf mein Bauchgefühl. Die sizilianische Naturkosmetik wirkt nicht nur natürlich, sie fühlt sich auch so an.

Dieser Artikel ist in der zweiten L’Officiel Ausgabe erschienen.