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Top 5: Berlinale Filmtipps

Von , 5. February 2016

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Chi-Raq ©Parrish Lewis

So viele Filme, so wenig Zeit – das sind die fünf Must-Sees der 66. Berliner Filmfestspiele, die vom 11. bis zum 21. Februar 2016 stattfinden

Mich würde mal interessieren, wie viele der knapp 400 Berlinale-Filme man in elf Tagen eigentlich gucken kann. Ich finde, das wäre doch ein sehr schönes Experiment, zumal wir durchs Netflix Binge-Watching schon bestens vorbereitet sind – und im Gegensatz zum Kater-Serien-Sonntag noch nicht mal körperlich zerstört (wobei die Berlinale-Parties vielleicht doch das altvertraute Wummern im Kopf hervorrufen könnten).

Für all diejenigen, die sich leider keinen Urlaub für dieses Experiment nehmen konnten, stellen wir hier unsere fünf Lieblings-Filme vor. Mal sehen, welche Filme die Jury, in der neben Präsidentin Meryl Streep auch Stars wie Lars Eidinger, Brigitte Lacombe und Clive Owen sitzen, mit dem goldenen und den silbernen Bären auszeichnet. Unsere L’Officiel-Bären gehen jedenfalls an:

A Lullaby to the Sorrowful Mystery
©Bradley Liew

A Lullaby to the Sorrowful Mystery

Ein Wahnsinnsfilm – mit acht Stunden Spieldauer sogar der längste in der 66-jährigen Geschichte der Berliner Filmfestspiele. Heißt: Roter Teppich am 18.2. schon um 9 Uhr morgens für “A Lullaby to the Sorrowful Mystery”, Lav Diaz’ Film über den Kolonialismus. Ein komplexes Thema, das eben seine Erzählzeit braucht. Der „Geister Film“, wie ihn Festivaldirektor Dieter Kosslick in einem Interview nennt, zeigt das Aufeinanderprallen des strengen Katholizismus der Spanier mit der Spiritualität der Filipinos bis hin zum Unabhängigkeitskampf Ende des 19. Jahrhunderts. Wer jetzt meint, ist doch alles lange her, der denke an Kolonialismus als eine frühe Ursache von Migration und schon sind wir wieder im Hier und Jetzt.

Saint Amour
©Roger Arpajou

Saint Amour

Die Franzosen haben diese Saison einen richtigen Lauf: Alleine vier französische Filme sind im Berlinale-Hauptprogramm, das weckt Erinnerungen an die Nouvelle Vague – nur eben in Farbe. Unter den französischen Bären-Anwärtern ist auch „Saint Amour“ von Benoît Delépine und Gustave Kervernmit mit Gérard Depardieu und der gleichen Crew wie bei „Mammuth“ (2010), die mindestens genauso verrückt ist.

Chi-Raq

Mitglieder der US-amerikanischen Hip-Hop-Szene können sich bei dem Titel schon denken, worum es geht. Für alle anderen: „Chi-Raq“ steht für Chicago, dessen berüchtigte South Side als Mord-Hauptstadt der USA gilt. Regisseur Spike Lee, einer der Wortführer des Oscar-Protests, hat mit seinem Film eine amüsante Hip-Hop Oper über Waffen und Gewalt in der Black Community in den USA geschaffen – eine Variante von „Lysistrata“, der klassischen Komödie des griechischen Dichters Aristophanes.

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©Berlinale

Cartas da guerra

„Dieser Krieg hier macht uns alle zu Insekten, die ums Überleben kämpfen.“ In seiner portugiesischen Bestseller-Adaption “Cartas da guerra” zeigt Regisseur Ivo M. Ferreira die Traumata des Krieges – und dies noch viel eindringlicher als es die Nachrichten wohl jemals könnten. Das Portrait eines jungen Lazarettarztes im Angolakrieg ist so aufwühlend, dass man danach gar nicht anders kann, als über die Ursachen von Migration und Vertreibung nachzudenken – eine Debatte, die dem Film ein hohes Maß an Aktualität verleiht.

Fuocoammare

Der italienische Dokumentarfilmer Gianfranco Rosi wohnt seit einigen Jahren auf Lampedusa, einer kleinen Insel im Mittelmeer, die zur Metapher für die Fluchtbewegung nach Europa und die Schicksale hunderttausender Emigranten wurde. In seinem Film “Fuocoammare”, der ohne Kommentar auskommt, zeigt Rosi, wie zwei Parallelwelten auf der Insel existieren: denn die Einwohner und die Männer, Frauen und Kinder, welche in viel zu kleinen Booten und altersschwachen Schiffen aus Afrika überzusetzen versuchen, kommen trotz engstem Raum auf der Insel kaum miteinander in Berührung.