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Sophie Auster hat uns rumgekriegt!

2. December 2015

Sophie Auster ©Ullrich Maurer
Sophie Auster ©Ullrich Maurer

Am vergangenen Freitag präsentierte die Songwriterin und Schauspielerin Sophie Auster Lieder ihres neuen Albums „Dogs and Men“ in der Kantine des Berghains in Berlin

Als Sophie Auster auf die kleine Bühne der Berghain Kantine trat, war es so als wäre die moderne Version von Audrey Hepburn erschienen. Ihr zartgliedriger Körper steckte in einem gemusterten Brokat-Anzug mit weit geschnittenem Jackett und Zigaretten-Pants. Die vornehme Eleganz wich sofort der Attitüde einer kämpferischen Frau, als sie die Lyrics ihres ersten Songs anstimmte. Sie wirbelte ihre langen braunen Haare durch die Luft, schloss die großen Rehaugen, um mit rauchig-tiefer Stimme „I’m gonna get you, I’m gonna get you, boy“ ins Mikrofon zu hauchen, während ihre Band sie mit Sounds im Stil des 80er-Funks begleitete.

Schlechte Manieren („Bad Manners“) heißt der Songtitel eines Klage-Liedes an einen Mann, der sie für eine andere Frau verlassen hat. Zwar wird der Tochter des angesehen amerikanischen Schriftstellers Paul Auster und der gefeierten Schriftstellerin Siri Hustvedt in Interviews eine vornehme Zurückhaltung nachgesagt, auf der Bühne scheint sie diese aber komplett zu verlieren. Ganz so als wolle sie sich mit ihrem neusten Album „Dogs and Man“ von den Wurzeln ihres intellektuellen New Yorker Elternhauses lösen. Während ihr erstes Album, in dem sie unter anderem Texte ihres Vaters und Gedichte französischer Surrealisten wie Guillaume Apollinaire und Philippe Soupault mit Musik unterlegte, noch in Zusammenarbeit mit Paul Auster entstand, trat sie jetzt als autarke Künstlerin ins Rampenlicht.

Weniger intellektuell kommt das neue Album daher, dafür aber umso authentischer. Man nimmt der 28-Jährigen in ihrer Performance ab, dass sie für die Liebe eines Mannes ihre guten Manieren über Bord schmeißt, um ihn anzuflehen, er möge zu ihr zurückkehren. Ebenso ungefestigt wie ihre Gefühle ist auch ihr Musikstil: als wolle sie sich austesten statt setteln. So wechselte sie musikalisch zwischen Funk, Rock’n’Roll und Rhythm & Blues. Das balladenhafte „I am going down“ wirkte wie die emotionale Fortführung zum kämpferischen Funk von „Bad Manners“. Hier besingt sie in düsteren Tönen das Ende einer Liebe und den damit verbundenen Schmerz. Mit „Little Bird“ – einer bluesigen Nummer – suhlt sie in Einsamkeit und Trauer, die bekanntlich auf gebrochene Herzen folgen.

Dass ihre rauchige Stimme, die sie bereits im Alter von acht Jahre ausbilden ließ, sowohl der musikalischen als auch der emotionalen Bandbreite ihres neuen Albums gewachsen ist, musste sie nach ihrem Debüt mit 18 nicht mehr unter Beweis stellen. An diesem Abend überzeugte Sophie Auster ein ganzes Publikum davon, dass sie in der Branche als eigenständige Musikerin bestehen kann, die einen Spielraum für Weiterentwicklung lässt. Auch die „Boys“ brachte sie wie mit dem Einstiegs-Song versprochen zum Schmelzen, sogar Wim Wenders stand während des gesamten Auftrittes wie gebannt am Bühnenrand.

Sophie Auster – „Dogs and Men“ – VÖ 14.08.2015 – Outloud Music Inc. / Sony Red

Autorin: Christine Korte