Lifestyle

Silvester!

Von , 31. December 2015

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Lisa Feldmann – Mein Leben als Chefredakteurin

Im Falle Silvester teilt sich die Welt in genau zwei Gruppen. Die Silvester-Freunde und die Silvester-ist-mir-doch-sowas-von-egal-Typen. Ich gehöre einer Untergruppe der zweiten Gattung an: Silvester wäre mir egal, wäre da nicht ein Mann an meiner Seite, dem Silvester mehr bedeutet als Weihnachten, Ostern und der eigene Geburtstag zusammen. Das muss an seinen Berliner Genen liegen, keine Stadt der Welt ballert sich so von Herzen die Seele aus dem Leib um Mitternacht, kein Späti, der nicht schon seit Tagen mit riesigen Bannern den Verkauf von Raketen und Knallfröschen aller Art anpriese. Also bin ich, sozusagen mittelbar, auch ein Silvester-Freund. Wobei, „Freund sein“ in diesem Fall – mehr noch als bei „Freund sein“ von zum Beispiel: anderen Menschen – richtig anstrengend werden kann.
Nehmen wir nur mal dieses Jahr. Wir sind zum Glück eingeladen, meine Lieblings-Konstellation, bei Freunden, mit Freunden, um in großer Runde in das neue Jahr hinein zu essen und zu trinken, zu singen und Feuer zu werken, zu tanzen, eben: zu feiern. Schöner geht´s ja gar nicht. Aus dieser Ecke ist also keine Gefahr im Verzug. Niemand kann in letzter Sekunde absagen, krank werden, ausfallen und damit das große Ganze gefährden, wie es in Jahren mit intimer geplanten Runden leicht passieren kann (besonders drastisch ist mir ein Jahr in Erinnerung, als buchstäblich 24 Stunden vor der Stunde Null eine Freundin ausfiel, damit ihr Freund ebenfalls absagte und wir schließlich allein in unserer Wohnung saßen).
Schief gehen können auch Feldwebel-artig durchgeplante große Runden, bei denen man am teuer angemieteten Tisch im richtigen Restaurant am falschen Ende landet und sich mit Leuten langweilt, denen man im Laufe des Jahres zu Recht ausgewichen ist. Ebenfalls ärgerlich sind oft auch Reisen an Orte, die besonders feierliche Bedingungen suggerieren, wie New York oder Paris. Wo man dann aber nie sicher sein kann, wirklich am richtigen Ort zu sein, vielleicht wäre es ja woanders viel stimmungsvoller gewesen? Oder das gemeinsam angemietete Haus am Meer in Dänemark, wo nach drei Tagen Dauerregen die Stimmung pünktlich zu Beginn des neuen Jahres auf dem Tiefpunkt angekommen ist. Kann alles nicht passieren dieses Jahr.
Die unvermeidliche Prise Silvester-Paranoia bekommen wir dennoch frei Haus. Inzwischen planen ja noch zwei erwachsene Kinder (mit besagten Genen ihres Vaters) ihr Silvester. Und deren Pläne ändern sich gerade quasi im Stunden-Rhythmus, immer abhängig von beteiligten Freunden, die plötzlich keinen Flug mehr bekommen können, anderen, die sich noch rasch von ihrer Freundin trennen, wieder anderen, die ein Magen-Darm-Virus niederstreckt. Hektische Anrufe, Gruppen-Alarm auf Whats-App, schlechte Laune beim Frühstück, aufgekratzte Stimmung am Nachmittag, als sich endlich Lösungen anbahnen.
Jetzt, langsam, kehrt Ruhe ein. Während auf der Straße bereits die Feuerwerkskörper-Kontingente einer veritablen Kleinstadt abgefackelt werden. Ich fange an, mich auf den Abend zu freuen. Wir schmücken den Weihnachtsbaum noch einmal, diesmal mit Schokoladen-Anhängern, das haben meine Eltern immer gemacht, bevor der Baum im neuen Jahr dann endgültig abgetakelt wurde. Die Schokolade gehört zum ersten Morgen-Café im neuen Jahr, eine Tradition, die mein Mann begeistert übernommen hat. Vielleicht auch, weil dabei nun einfach gar nichts schief gehen kann.

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