Lifestyle

Héroï­nes: Schnipo Schranke

Von , 18. August 2016

©Jenny Schaefer
©Jenny Schaefer

Die Geschichte des Hamburger Pop-Duos Schnipo Schranke begann an einem tristen Wintertag im Innenhof der Musikhochschule zu Frankfurt am Main

Dort standen sich Fritzi Ernst und Daniela Reis vor acht Jahren Zigarette rauchend gegenüber. Fritzi studierte Blockflöte, Daniela Cello – beste Voraussetzungen, eine Karriere als Musiklehrerin oder im klassischen Orchester einzuschlagen. Doch das schien beiden wie der Anfang vom Ende. Acht Stunden täglich Tonleitern trällern, ohne selbst kreativ zu werden – ist vielleicht schön sicher, aber sicher auch nicht schön.
Also gründeten sie ihre eigene Band, spielten Popmusik und ernteten ordentlich Hohn an der Hochschule. Anstatt einzuknicken, stärkten sie sich gegenseitig den Rücken. Erwartungen hatten sie keine, dafür endlich einen Lebenssinn: komponieren, musizieren, ganz frei, nur sie zwei.
Ihre Musik brachte Schnipo Schranke dann über Nacht in sämtliche Feuilletons, welche die krassen Texte bejubelten. Das Video zum Song Pisse (“Warum schmeckt’s / Wenn ich dich küsse / Untenrum nach Pisse?”) wurde gesperrt – bald waren Schnipo-Konzerte ausverkauft.
Dass es so leicht ist, Erfolg zu haben, damit hätten sie nicht gerechnet, auch nicht damit, zu Vertreterinnen eines neuen Feminismus ernannt zu werden. Denn in ihren Texten geht es vorwiegend um Liebe.
Auffallen tun Daniela und Fritzi damit, weil das – außer vielleicht im Hip-Hop – auf diese radikale Weise kaum Frauen tun. Eine Reduktion auf ihre Rolle als Feministinnen finden die beiden nervig, zumal sie in den eigenen Kreisen keine Nachteile für ihr Geschlecht empfinden, es ist für sie nicht relevant.
Wer mal die Monodiät Schnitzel und Pommes mit reichlich Ketchup und Mayo durchgezogen hat, weiß, dass es ein Gericht ist, das einem nicht unbedingt dauerhaft guttut – wie zu viel Liebe manchmal auch.

Am 19. August spielen Schnipo Schranke auf dem MS Dockville Festival in Hamburg. Dieser Artikel ist in der Jui/August 2016-Ausgabe von L’Officiel erschienen