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Redaktionsschluss: Ausgabe No°2

8. January 2016

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©Hannah Newbery

Lisa Feldmann – Mein Leben als Chefredakteurin

Closing. Die Woche, das letzte Wochenende, die allerletzte Nacht, wenn das Heft fertig werden muss. Weil es am kommenden Morgen in Druck geht. Und dann wirklich nix mehr geht, gar nix. In dieser sehr speziellen Zeitzone befinden wir uns gerade. Eine Redaktion im Ausnahmezustand, sozusagen, gäbe es denn Zustände, die eine Regel vorgäben. Nicht der Fall bei uns, das würde hier jeder zu Protokoll geben, nope, normal ist hier nichts und niemand.
Wir sind bisher erst mit einer Print-Ausgabe auf dem Markt, noch kennen uns nur Insider, Magazin-Junkies, Mode-Opfer, eingebürgerte Franzosen, Kollegen, Freundinnen, Freunde, ein paar Konkurrenten werden auch herein geschaut haben. Und die meisten von Ihnen, online hat sich das Heft schnell einer gewissen Popularität erfreut. In Berlin war die erste „L´Officiel“ schon vor Weihnachten gefühlt ausverkauft, vielleicht hatten hier die schwer zu erregenden Kiosk-Verkäufer aber auch besonders wenig geordert.
Diese zweite, eben diese, die wir gerade „schliessen“, erscheint Mitte Februar, handelt von Frühlings-Gefühlen und Sommer-Sehnsüchten, draussen fällt der erste Schnee dieses Winters. Auf meinem Tisch steht eine Kanne Tee, daran lässt sich gut festhalten, wenn man über Headlines brütet, nochmal steile Thesen diskutiert, Seitenpläne baut und wieder umbaut. Auf unseren Balkons versammeln sich die Raucher immer häufiger, in der Grafik sitzen wir abwechselnd neben der Art-Direktorin, kämpfen um Zeilen, Bilder, Aufmacher und Untertitel. Gerade ist die Contributor-Seite dran, das Cover soll heute Nacht aus New York kommen, finale Designs aus der kreativen Außenstation, was dann morgen wieder für neue Aufregung sorgt.
Ich starre auf die Mini-Wand, denke über mein Editorial-Thema nach. Wie fasst man zwei Monate zusammen in weniger als 3000 Zeichen? Nebenan lacht jemand laut, zwei Handys klingen gegeneinander an, vor meinem Fenster rieselt weiter leise der Schnee. Ich kann mir kein schöneres Leben vorstellen.

Tags: #Kolumne, #Lisa Feldmann