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Von Dichten bis Disco: The Get Down

Von , 22. August 2016

© Netflix
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Der Regisseur Baz Luhrmann zeigt New York, als es noch unzähmbar war und neue Musik und Mode entstehen konnten

Wo ist es hin, dieses New York? Wo sind seine Makel, das Marode, die Geschichten vom Ab- und Aufstieg – das, was all die Lieder, Bücher und Filme versprechen? Das fragt man sich im glitzernden Manhattan von heute: wo das Auge hinreicht, es blickt auf Freiluft-Shoppingcenter und Selfie-Sticks.
Der Regisseur Baz Luhrmann hat dieses alte New York zurückgeholt. In der neuen Netflix-Serie The Get Down lässt der Australier, der mit Filmen wie Moulin Rouge, Romeo & Julia und Der große Gatsby bereits gezeigt hat, dass er ein Liebhaber des Prunkkinos ist, es wie gewohnt krachen. Er feiert das brennende New York der Siebzigerjahre als Geburtsstunde des Hip-Hop – nur Chaos kann Kunst hervorbringen.

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Unterstützung bekam Luhrmann bei der Umsetzung von Rapper Nas, der Hip-Hop-Legende Grandmaster Flash, dem Pulitzer-Preisträger Stephen Adly Guirgis sowie zahlreichen Hip-Hop- und Graffiti-Experten. Das Ergebnis: die teuerste Netflix-Serie aller Zeiten – Authentizität ist eben nicht ganz billig.
Im Mittelpunkt der Serie steht der junge Dichter Ezekiel (Justice Smith), der 1977 in der Bronx zum Hip-Hop-Star aufsteigt und dabei von einem aufstrebenden DJ (Shameik Moore) unterstützt wird. Doch der Waisenjunge Ezekiel hat nicht nur musikalische Ambitionen: seine Nachbarin Mylene (Herizen Guardiola) gefällt ihm mindestens genauso gut wie das Rappen. Mylene möchte wiederum Discosängerin werden. Der Soundtrack –man erahne es schon – könnte also nicht besser sein.

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Und dann wäre da noch die Mode. Luhrmanns Ehefrau, die bekannte Kostümdesignerin Catherine Martin und die Stylistin Jeriana San Juan haben sich ordentlich ins Zeug gelegt, um den Stil der damaligen Zeit in der Serie abzubilden. Sportswear-Elemente wie Tracksuits, Puma-Sneaker und Shirts aus Frotté treffen auf enge Hemden, Schlaghosen und schillernden Goldschmuck – sofort hat man die Bilder der aktuellen Gucci-Kollektion im Kopf. Die Siebzigerjahre, so scheint es, sind etwas, das immer wieder Sehnsucht erweckt und gerne zitiert wird, im Film als auch in der Mode.

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Vielleicht ist es die Faszination für eine Zeit, mit der man noch Aufbruch und Freiheit verbindet. Als man eben nicht alle Fassaden renoviert waren und an jeder Ecke ein veganes Café aufmachte. Als man noch überall rauchen durfte.
Ob es damals tatsächlich so amüsant war, mit den Straßengangs in der Bronx abzuhängen, das bleibt natürlich offen. Schön darstellen tut Luhrmann es in The Get Down zumindest – er mischt seine Bilder mit echten, körnigen Aufnahmen von damals.

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Und im Prinzip ist es auch egal: in der Mode und im Film ist die Abbildung von der Sehnsucht nach einer aufregenden Vergangenheit oft stärker, als es die Realität jemals war.
Das kann man sich dann auch sagen, wenn man über New Yorks Straßen schreitet und sich fragt, wie Manhattan mal ein solches Moloch gewesen sein kann. Ansehen kann man es sich ja zumindest am Abend auf Netflix.

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