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Lesetipp: Joachim Bessing

Von , 18. November 2015

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Wenn wir jemanden vermissen, trösten wir uns mit Dingen, um mit der Sehnsucht zurechtzukommen. Mit Fetischismus hat das nichts zu tun.

Linus van Pelt erscheint interessanterweise als die am wenigsten neurotische Figur unter den Peanuts. Interessant deshalb, weil er nur in wenigen, extrem grausamen Szenen der Comics ohne sein Schnuffeltuch zu sehen ist. Die Beziehung von Linus und Schnuffeltuch ist sehr eng. In einer Episode, als seine Schwester Lucy eine feierliche Feuerbestattung des Tuches inszeniert, erleidet der hilflose Linus Qualen, die mit dem Schmerz des Vermissens eines geliebten Menschen identisch sind.

Unter Erwachsenen würde Linus als Fetischist bezeichnet. Seine Liebe zu einem Objekt würde als fehlgeleitet empfunden. Zwar ist ungeklärt, wie alt Linus, wie alt Lucy oder Charlie Brown zur Erzählzeit der Comicstrips sind – doch dass sie als Kinder betrachtet werden dürfen, sichert ihnen den Bonus der Unschuldigkeit. Und ein Schnuffeltuch erscheint harmlos, nicht als ein Fetisch, der unterschwellig stets mit der Aura des Perversen verknüpft wird. Charles M. Schulz, der sich die alterslosen Peanuts ausgedacht hatte, erfand auch den hübschen Begriff „security blanket“, als das ein Schnuffeltuch im englischen Sprachraum seitdem bezeichnet wird.

Doch welche Sicherheit bietet Linus sein unverzichtbares Tuch?

 

… das gesamte Essay “Als wär’s ein Teil von dir, my love” von Joachim Bessing lesen Sie auf waahr.de