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Kultur-Termine: Die wichtigsten Ausstellungen

Von , 17. February 2016

COLD SHOWER ©Schinkel Pavillon
Anthea Hamilton / Nicholas Byrne, LOVE IV: Cold Shower ©Courtesy the artists

Von unserer veränderten Wahrnehmung im Zeitalter der Digitalisierung, der Umwälzung vorherrschender Denkweisen mittels neu erschlossener Räume oder der Betrachtung von Technologie und Kommerz als Teil der Evolution – diese Ausstellungen eröffnen neue Sichtweisen

In den minimalistischen Räumen der Galerie Sprüth Magers; in den Beton-Kuben der König Galerie, die ursprünglich zwischen 1965 und 1967 als St. Agnes-Kirche nach Entwürfen des Architekten Werner Düttmann erbaut wurde; oder im Schinkel-Pavillon, ein dreistöckiges Oktogon, das 1969 zu DDR-Zeiten von Richard Paulick als Hommage an den Architekten Friedrich Schinkel erbaut wurde und heute als Kunstverein zu Berlins schönsten Ausstellungs-Orten zählt: In diese und weitere interessante Berliner Kunst-Locations haben wir die Modestrecke “Von Hier Aus” verlegt, die in der ersten Print-Ausgabe zu sehen ist. Während wir im Heft die Räumlichkeiten der Galerien nutzten, um dort die Herbst/Winter 2015 Trends zu präsentieren, stellen wir hier ihre aktuellen Kunst-Ausstellungen vor:

Sprüth Magers Berlin

Dreaming Mirrors Dreaming Screens @Sprüth Magers
Installation view, DREAMIN MIRRORS DREAMIN SCREENS, curated by Johannes Fricke Waldthausen / Goodroom, Sprüth Magers

Dreaming Mirrors Dreaming Screens

Wir leben im Zeitalter der Digitalisierung. Das mediale Bild hat unsere Wahrnehmung verändert. In der von Johannes Fricke Waldthausen kuratierten Ausstellung „Dreaming Mirrors Dreaming Screens“ setzen sich 13 Künstler darunter Slater Bradley, Lucy Dodd und Oliver Laric damit auseinander, wie diese Bilder unsere Selbstwahrnehmung beeinflussen. In der Symbiose des Außen und des Inneren entstehen neue Bilder („Screens“) als Übergänge zu anderen Orten; Orte des Transits und des Flüchtigen, Räume der Kontemplation, des sich Verlierens und des in Betrachtung versunkenen Verweilens; Räume ständiger Veränderung bis hin zum vollständigen Verschwinden; bis hin zum Surrealen, zu Traumzuständen und Erfahrungen tiefen Schlafs.

29.01.2016 – 02.04.2016. Sprüth Magers, Oranienburger Straße 18, 10178 Berlin.

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Installation view, David Lamelas ©David Lamelas, Courtesy the artist, Sprüth Magers

David Lamelas

Der Argentinier David Lamelas leistet bereits seit über 50 Jahren Pionierarbeit in der Konzeptkunst. In seiner aktuellen Ausstellung in der Galerie Sprüth Magers betrachtet er anhand einer Auswahl seiner Filmarbeiten und skulpturaler Werke, die zwischen 1966 und 1993 entstanden sind, die Divergenz zwischen Raum und Sprache.

29.01.2016 – 02.04.2016. Sprüth Magers, Oranienburger Straße 18, 10178 Berlin.

König Galerie

Tatiana Trouve ©Galerie König
Installation view Tatiana Trouvé ©Tatjana Trouvé and König Galerie

Tatiana Trouvé – From Alexandrinenstrasse to the Unnamed Path

Die italienische Künstlerin, die ihren Arbeitsmittelpunkt nach Paris verlagert hat, zeigt in der König Galerie bereits ihre zweite Einzelausstellung, die sie in verschiedene Gruppen unterteilt. Cosmos besteht aus drei Möbelstücken, über die Bronzedecken gelegt sind, auf deren Rückseiten sich gemalte, gezeichnete und geschriebene Kosmologien befinden. Mit Wander Lines – Metallstäben – zeichnet die Künstlerin Wege, die sie mit Daten und Orten assoziiert, die eine Rolle in ihrem Leben spielen. Equivalences sind vertikale Stäbe und Drähte, die mit Gewichten verbunden sind, welche durch ein Flaschenzugsystem in Balance gehalten werden. Ghost besteht aus drei Zeichnungen, die eine vergangene Kunstform darstellen sollen. Mit ihrer Arbeit löst Trouvé herkömmliche Gegenstände, Systeme und Kulturen von ihrer eigentlichen Bedeutung und schafft damit neue Räume und Welten. „Ich glaube nicht, dass die Kunst Fragen oder Antworten bereithält. Ich glaube, dass die Kunst Verwirrung stiftet, mit anderen Worten: dass sie uns einlädt unsere Referenzpunkte zu verschieben und so unser Denken zu ändern“, erklärte die Künstlerin jüngst in einem Interview.

06.02.2016 – 28.03.2016. König Galerie,  Alexandrinenstraße 118, 10969 Berlin.

Kiki Kogelnik, "Portrait of an Attractive Man" (1964) ©Galerie König
Kiki Kogelnik, “Portrait of an Attractive Man” (1964) ©Courtesy of Kiki Kogelnik Foundation and König Galerie, Kiki Kogelnik in her studio, New York, 1965, ©Kiki Kogelnik Foundation

Kiki Kogelnik

Die Ausstellung der österreichischen Künstlerin umfasst Malereien und Skulpturen, die Mitte der 1960er Jahre entstanden sind. Kogelnik, die damals gerade nach New York ausgewandert war, befand sich in einer Welt des Umbruchs und damit auch der Unsicherheit. Kalter Krieg, Rassen-Problematik, sexuelle Revolution und die Einführung des Farbfernsehens – mit diesen Themen setzt sie sich in ihren knallig-bunten Werken auseinander und zeichnet so ein soziopolitisches und persönliches Bild einer Welt mit ungewisser Zukunft.

06.02.2016 – 06.03.2016. König Galerie,  Alexandrinenstraße 118, 10969 Berlin.

Schinkel Pavillon

Cold Shower ©Schinkel Pavillon
Anthea Hamilton / Nicholas Byrne, LOVE IV: Cold Shower, installation view Schinkel Pavillon, Berlin (2016), ©Courtesy the artists

LOVE IV: Cold Shower 

Überdimensional aufgeblasene Figuren wie ein Mund mit ausgestreckter Zunge, von den Bereichen der Kunstgeschichte, Popkultur und Souvenirs inspiriert, deren formales Spiel der Vergrößerung sich im achteckigen Raum des Schinkel Pavillons entfaltet: Die Installation „LOVE IV: Cold Shower“ ist aus der Zusammenarbeit der Künstler Anthea Hamilton und Nicholas Byrne entstanden und zeigt Werke, an denen die beiden seit 2012 immer wieder gemeinsam arbeiten. Das Ergebnis: ein verflochtenes System, das die Art und Weise der künstlerischen Zusammenarbeit des Duos widerspiegelt. Die Spannungen, die hier zwischen den dichtgedrängten, luftgefüllten Skulpturen entsteht, kann sich ebenso entladen, das deutet der Titel Cold Shower an: durch eine kalte Dusche, wie bei einem verkrampften Muskel. Die Ausstellung im Schinkel Pavillon ist Teil der Reihe „Porzellan und Vulkan Kunst. Kollaborative Praxis in zeitgenössischer Kunst“, die sich dem Thema des kollektiven Arbeitens als Form zeitgenössischer künstlerischer Praxis widmet.

13.02.2016 – 10.04.2016. Schinkel Pavillon, Oberwallstraße 1, 10117 Berlin.

KOW

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Exhibition view Cast Behind You The Bones Of Your Mother, 2015 © Courtesy of Clemens von Wedemeyer and KOW, Berlin, Photo: Ladislav Zajac / KOW

Clemens von Wedemeyer – Cast Behind You The Bones Of Your Mother

Mit Wedemeyers Ausstellung schließt die Galerie das Jahresprogramm „One Year of Filmmakers“ ab. Der deutsche Filmemacher und Videokünstler setzt sich mit „Cast Behind You The Bones Of Your Mother“ mit dem Kino als einem sozialen Schau- und Kampfplatz auseinander. Dabei betrachtet er nicht nur die reine Projektionsleinwand, sondern schaut dahinter, davor und daneben. Daraus entstehen dokumentarische Rauminszenierungen, architektonische Installationen und Skulpturen.

19.02.2015 – 27.02.2016, KOW, Brunnenstraße 9, 10119 Berlin.

Timur Si-Qin

Timur Si-Quin ©Alex Olson
Timur Si-Quin ©Alex Olson for L’Officiel Germany

Der Künstler Timur Si-Qin mit mongolischen Wurzeln ist in Berlin geboren, in Arizona aufgewachsen und lebt und arbeitet nach Stationen in China wieder in Berlin. Er selbst betrachtet sich als „evolution-nerd“. Das heißt: Der Künstler macht keinen Unterschied zwischen Popkultur, Kommerz und Natur. Er lässt in seinen Werken oft kommerzielle Produkte einfließen, um sie als natürliche Objekte darzustellen. Technologie und Kultur sind für ihn ebenso natürlich entstanden wie Seemuscheln und Termitenhügel. Sein Kunstwerk „Axe Effect“ (2011) macht das zum Beispiel deutlich: Ein Schwert steckt in einem Sockel. Die Klinge ist aus Axe-Tuben, deren Inhalt sich über dem Sockel zu ergießen scheint. Er verbindet ein archaisches Symbol wie das Schwert mit einem kommerziellen Produkt, das der Rezipient als Einheit als etwas Männliches und sexuell Attraktives erkennt. Dabei wertet Si-Qin die kommerziellen Symbole nicht, sondern beschreibt sie als Teil unserer Evolution.

Ausstellungen: 

13.03.2016 – 08.05.2016, Team Gallery LA, Titel: A Place Like This.
06.06.2016  – 19.06.2016, ArtBasel, Galerie Société.
04.06.2016 – 18.09.2016, Berlin Biennale.