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Kolumne: Dog Days at the Office

Von , 29. January 2016

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Nun haben wir drei Hunde im Büro. Prozentual gesehen entsprechen wir damit einer Größenordnung, die in deutschen Kleinstädten schonmal zu Bürgerprotesten führen kann. Jedenfalls, wenn es um syrische Flüchtlinge geht. Hier bei uns gibt es zum Glück wenig Widerstand, den eigentlichen Kampf müssen die drei Hunde unter sich ausfechten.
Kelly, eine Dackel-Dame, die sich forever allein auf weiter Flur wähnte und nun, leicht beleidigt, mit harter Konkurrenz klar kommen muss. Bereits abgehängt in Sachen „oh-wie-süss“ wurde sie letzte Woche von unserem Neuzugang Lou, einem Boston-Terrier-Welpen. Und was den beherzten Auftritt gegenüber Kurieren und anderen verdächtigen Eindringlingen angeht, hat sie seit heute tatkräftige Unterstützung von Henri, Kurzform für Henriette, übrigens, einer Dackel-Pinscher-Mischung.


Ich bin davon überzeugt, dass Hunde der Arbeits-Atmosphäre nützen. Klar, was soll ich sonst sagen. Kelly ist schliesslich schon der vierte Hund, den ich Redaktionen zumute. Meine erste Hündin hiess Jagger und kam aus dem Tierheim. Sie war Mitbewohnerin in insgesamt drei verschiedenen Wohngemeinschaften, schlief unter dem Tresen, wenn ich kellnern musste und erlebte aber auch den Übergang von Studium zu Berufswelt – irgendwann lag sie dann unter meinem Schreibtisch bei STERN. Dann bei TEMPO, bei der ELLE, zuletzt bei Cosmopolitan. Jagger war zu jedem nett, der keine Katze war, ihre hohe soziale Kompetenz sorgte für unconditional Love – sogar bei Geschäftsführern, die grundsätzlich auf Hundeverbot pochten.

Jagger
Jagger

Als nächstes kam ein Toy-Pudel in unser Leben. Ich weiss, was Sie jetzt denken, und es stimmt alles. Immerhin: Selbst diese dauergewellte Egomane hatte vereinzelt Verehrer unter den Kolleginnen. Allerdings auch echte Feinde, besonders unter den Männern. Also zog Monti nach fünf Jahren um zu meiner Mutter, die für ihn ihren Garten neu gestalten liess und überhaupt ihren gesamten Lebensstil änderte. Monti machte im Gegenzug seinem Ruf als Witwen-Tröster noch viele Jahre alle Ehre.
Sein Nachfolger Louis war ein bildschöner Fox-Terrrier, in den sich mein Mann vor einem Pariser Schaufenster verliebt hatte. Wie bei mir und meinen Céline-Taschen, einigten wir uns auf eine dreitägige Bedenkzeit, danach flog Louis, ausgerüstet mit einem kleinen karierten Halsband, zurück nach Zürich mit uns. Auch er schätzte das Redaktions-Leben, und auch die meisten Kollegen bei der annabelle mochten den eher ruhigen, eleganten Hund. Besonders verliebt war Louis ausgerechnet in eine Kollegin, die Hunde partout nicht ausstehen konnte – aber nachdem der Terrier ein Jahr lang beharrlich zu ihren Füßen gelegen und sie angeschmachtet hatte, war der Bann gebrochen. Von da an folgte Louis seiner Connie während des Büro-Tages auf Schritt und Tritt – ein weiteres Beispiel für die psychologischen Kräfte, die so ein Vierbeiner mobilisieren kann.

Monti, Lisa Feldmann und Louis
Monti, Lisa Feldmann und Louis

Sie sind nicht wirklich überzeugt davon, dass ein Hund ins Büro gehört, runzeln die Stirn, murmeln etwas von „natürlichem Lebensraum“ und möglichen allergischen Reaktionen?
Ich kenne jetzt schon zwei junge Kolleginnen, die ihren Hund zur Bedingung gemacht haben, als sie ihren Vertrag unterschrieben. Und eine, die via Facebook die Hunde-Verträglichkeit eines Unternehmens recherchiert, bevor sie einen potentiellen Arbeitgeber zum ersten Gespräch trifft. Eine andere hat sich wegen ihres neuen vierbeinigen Lebensgefährten entschlossen, lieber gleich ganz frei zu arbeiten.
Wir halten es mit Yves Saint Laurent, Marc Jacobs, Valentino Garavani, Stella McCartney oder Matthew Williamson und freuen uns, dass inmitten allzu menschlicher Aufregung und Ambition, eine Art „Petting-Zoo-To-Go“ existiert, wie es Tom Ford mal genannt hat.

Tags: #Kolumne, #Lisa Feldmann