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Jahresrückblick 2015

29. December 2015

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Musik, Kunst, Mode und Literatur – wir lassen die denkwürdigsten Kulturereignisse des Jahres Revue passieren

1. Das spektakulärste Konzert

Nach zehn Jahren trat die Electronic-Band Kraftwerk am 6. Januar erstmals wieder in der deutschen Hauptstadt auf. Die Band präsentierte ihre 3-D-Konzertreihe „Der Katalog – 1 2 3 4 5 6 7 8“ in der Neuen Nationalgalerie. Elektronische Klänge und 3-D-Projektion verschmolzen mit dem verglasten Bau von Mies van der Rohe. Damit verabschiedete sich der Ausstellungsort gleichzeitig in die Generalsanierung und soll 2020 wieder öffnen.

2. Die stilvollste Adelshochzeit

Als Beatrice Borromeo und Pierre Casiragi sich am 2. August das Ja-Wort gaben, war das ein Fest purer Eleganz. Die selbstbewusste Journalistin, die aus einer der ältesten Adels-Familien Italiens stammt, besiegelte ihre Ehe mit dem Monegassen-Spross auf einer kleinen Insel im Lago Maggiore, die bereits seit Jahrzehnten im borromeoschen Familien-Besitz ist. Das Kleid für die kirchliche Trauung schneiderte ihr Giorgio Armani auf den elfengleichen Leib. Er übersetzte weiße Spitze in seine typisch schlichte und zeitlose Ästhetik. Für subtile Sexyness am Hochzeits-Gala Abend sorgte das Modehaus Valentino – weißer Chiffon, ein tiefes Dekolleté – so strahlte Beatrice an der Seite von Pierre wie eine griechische Göttin.

3. Die beeindruckendste Oscar-Rede Als Schauspielerin Patricia Arquett im Januar 2015 als beste Nebendarstellerin in dem Film „Boyhood“ einen Oscar entgegennahm, nutze sie ihren Auftritt auf der Bühne im Dolby Theatre in Los Angeles dazu, sich für Gleichberechtigung in Hollywood einzusetzen. „Danke … an alle Frauen, die alle Bürger und Steuerzahler dieser Nation geboren haben. Wir haben für die Gleichberechtigung aller Anderen gekämpft. Nun ist es an der Zeit, dass wir in den USA auch ein für allemal gleiche Bezahlung und gleiche Rechte für Frauen haben.“ Meryl Streep und Jennifer Lopez unterstützten diese Forderungen mit tosendem Beifall und „Ja“-Rufen aus den ersten Reihen. 4. Berlins coolster Professor Die Universität der Künste in Berlin durfte in diesem Jahr einen ganz besonderen Gastprofessor in ihren Reihen willkommen heißen. Der chinesische Konzeptkünstler Ai Weiwei hatte im August begonnen, Bewerber für einen Kurs an der UdK auszusieben. 16 Studenten konnten ihn überzeugen. Die Auswahlkriterien sind ebenso außergewöhnlich wie der Künstler selbst. Neben Kenntnissen in Medien, Design und Mode mussten seine Studenten zum Beispiel kochen können oder nachts Auto fahren. Kurz: Ihr Interesse sollte über den Fachbereich hinaus reichen. Den Auftakt seines Lehrplans macht ein künstlerischer Diskurs mit dem Thema Flucht und dem Schicksal von Flüchtlingen.

5. Der außergewöhnlichste Film

Der deutsche Kult-Regisseur Sebastian Schippert („Absolute Giganten“) stellte auf der 65. Berlinale im Februar seinen neusten Film „Victoria“ vor und löste damit einen internationalen Hype aus. In einer einzigen 140-minütigen Kameraeinstellung begleitet er die Spanierin Victoria durchs nächtliche Berlin. Gemeinsam mit einer kleinkriminellen Jungs-Bande zieht sie los und wird wie einst Patricia Franchini in „Außer Atem“ oder Bonnie in „Bonnie und Clyde“ vom Regisseur zur modernen Frauen-Heldin ihrer Zeit stilisiert. Die außergewöhnlich erzählte Berlin-Geschichte begeisterte Kinogänger ebenso wie Kritiker. Der Film wurde mit insgesamt sechs Lolas ausgezeichnet und bekam den Silbernen Bären für die beste Kameraführung.

6. Der überraschendste Modeabschied

Kurz nach seiner letzten Fashion-Show am 2. Oktober in Paris verkündete das Mode-Haus Dior den Abschied seines Kreativ-Chefs Raf Simons. Der Belgier verlieh mit dem Abgang seinem Wunsch Ausdruck, „mich auf andere Interessen in meinem Leben zu konzentrieren“. Nach nur dreieinhalb Jahren als Chef-Designer hatte er die ästhetischen Wurzeln des 1947 von Christian Dior gegründeten Modehauses in die Moderne transportiert. Die ikonischen Formeln wurden mit der für Raf Simons eigenen Sachlichkeit zu revolutionären Kollektionen. Doch ebenso genial wie schüchtern soll Simons dem Druck, sich als öffentliche Person in Szene zu setzten, nicht mehr standgehalten haben.

7. Das meist diskutierte Buch

Das Erscheinen der Dystopie „Unterwerfung“ des französischen Schriftstellers Michel Houellebecq fiel auf das Datum eines grausamen Attentats: der Terror-Anschlag auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo, bei dem 12 Menschen ums Leben kamen. Sein Roman, der Frankreich im Jahre 2022 als islamistisch regierten Staat beschreibt, setzt sich mit den drastischen Folgen des Extremismus auseinander. Durch die Ereignisse bekam das Thema des Buches besonders aktuelle Brisanz. In Deutschland erschien es in einer Auflage von 270.000 Exemplaren und rangierte über mehrere Monate auf Platz eins diverser Bestsellerlisten.

Autorin: Christine Korte

Tags: #2015, #Kultur