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Héroïnes: Soul-Künstlerin Izzy Bizu

Von , 23. May 2016

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Die britische Soul-Sängerin Izzy Bizu im Gespräch über äthiopische Gesang-Battles, pubertäre japanische Haikus und den Traum von einer Umarmung mit Marvin Gaye

Mit Adele nahm sie ihren Aufschwung, es folgten Emeli Sandé und Lianne La Havas – seit nun geraumer Zeit schwappt die britische Neo-Soul-Welle zuverlässig in unsere Gefilde und verspricht musikalischen Nachwuchs vom Feinsten. In diesem Jahr Izzy Bizu. Zwei Jahre ist es her, dass der charismatische Lockenkopf aus Londons Südwesten einen Open Mic-Wettbewerb gewann. Es folgten Support-Touren mit Sam Smith, Foxes und Rudimental sowie zwei Solo-Auftritte auf dem Glastonbury Festival. Und eine Brits Critics Choice Award 2015-Nominierung – für britische Newcomer-Musiker so etwas wie ein Golden-Ticket zum internationalen Durchbruch. Und tatsächlich, 2016 könnte Izzy Bizus Jahr werden: Bereits Monate vor Release ihres Debut-Albums „A Moment of Madness“ – angekündigt für Juni – haben die monatlichen Spotify Streaming-Sessions der 22-Jährigen die Millionen-Marke längst geknackt. Auch die hiesigen Radiosender spielen ihre erste Single-Auskopplung „White Tiger“ seit Wochen rauf und runter. Keine allzu abwegige Vermutung also, dass der eine oder andere schon einmal zu Izzys federleichtem Soul-Pop mit dem Fuß gewippt hat. An diesem Mittwoch darf’s dann weniger verhalten zugehen – da wird uns die Sängerin mit einem Konzert im Berliner Bi Nuu beehren. Wir trafen Izzy vorab in der Hauptstadt zum Interview und sprachen mit ihr über äthiopische Gesang-Battles, pubertäre japanische Haikus und den Traum von einer Umarmung mit Marvin Gaye.

Auf unserer Facebook-Page verlosen wir 1×2 Gästeliste-Plätze für das Konzert von Izzy Bizu am 25. April im Berliner Bi Nuu. 

Mit welcher Musik bist du aufgewachsen?

Musik hat bei uns Zuhause schon immer eine große Rolle gespielt, obwohl meine Eltern selbst keine machen. Mein Vater ist Ingenieur, meine Mutter eine begnadete Interior-Designerin äthiopischer Herkunft. Ich erinnere mich daran, dass mein Vater früher oft Schallplatten aufgelegt hat, zum Beispiel Ella Fitzgerald, Marvin Gaye, Ray Charles und Billie Holiday. Ich habe unser Wohnzimmer dann regelmäßig in meine kleine Playback-Show-Bühne verwandelt. Meine erste CD war übrigens Craig David. Ich war sieben Jahre alt und konnte all seine Songs auswendig. Tja, fail!

Beeinflussen dich deine äthiopischen Wurzeln in deiner Musik?

Als Jugendliche bin ich häufig mit meiner Mutter in ihr äthiopisches Heimatdorf gereist. Abends haben wir an traditionellen Jam Sessions teilgenommen, bei denen die Einwohner miteinander singen und tanzen. Die Szenerie ähnelt dem klassischen Rap Battle: Die Menschen bilden einen Kreis, in dessen Mitte ein Mädchen steht und dem Publikum singend Beleidigungen an den Kopf wirft. Natürlich immer mit einem kleinen Augenzwinkern. Wer ihr nicht die Stirn bieten kann, muss zahlen. Eigentlich sind die Äthiopier sehr entspannte Menschen, nichts bringt sie aus der Ruhe. Aber während dieser Sessions laufen sie zu Höchstformen auf. Dann liegt eine ganz besondere Energie in der Luft. Diese Nächte haben mich sehr inspiriert.

Wie würdest du deinen Musik-Stil beschreiben?

Früher habe ich sehr viel akustische Gitarrenmusik gemacht und dazu gesungen. Heute arbeite ich mit einer ganzen Band zusammen. Nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Studio – die Songs besitzen also einen starken Live-Charakter. Meinen Stil würde ich als Soul mit mal mehr mal weniger starken Indie-Einflüssen bezeichnen. Meine Musik fühlt sich warm an. Wie eine innige, lange Umarmung.

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Apropos innige Umarmung. Wer ist der Duett-Partner deiner Träume?

Marvin Gaye. Er war einfach unglaublich sexy. Und natürlich sehr talentiert! Für mich ist er der größte Soul-Künstler aller Zeiten. Leider bin ich etwas zu spät dran für ein Duett.

Und woher rührt deine Vorliebe für Indie?

Ich höre viel und gerne laut aufgedrehten Indie-Rock, zum Beispiel von Tame Impala oder Black Keys. Ihre Lyrics sind immer on point. Aber ich mag auch ruhigere Künstler. Zur Zeit bin ich ein großer Fan von Lapsley. Vor ein paar Tagen habe ich sie live gesehen und war wirklich beeindruckt. Normalerweise begeistern mich männliche Stimmen mehr. Zum Beispiel James Vincent McMorrow, ein irischer Singer Folk-Songwriter. Er ist relativ unbekannt, macht aber großartige Musik. Leider erinnert das Mc in seinem Namen irgendwie an McDonalds. Er sollte ihn vielleicht ändern lassen, haha.

Dieses eine Album, das dich am stärksten geprägt hat?

Ganz klar: Frank von Amy Winehouse. Eines meiner absoluten Lieblingsalben. Amy war eine so ehrliche Person, hat sich nicht darum gekümmert, was andere über sie gesagt haben. Sie hatte ihren eigenen Kopf. Und das hat sich ganz klar in ihren Texten widergespiegelt. Sie hat nichts schön geredet und die Dinge beim Namen genannt. Das hat mir unglaublich imponiert. Es ist unfassbar schade, wie es mit ihr zu Ende gegangen ist. Die Schattenseiten des Ruhms…

Auch du singst viel von Liebe und Herzschmerz. Sind deine Texte autobiografisch?

Ja, das kann man so sagen. Meine Songs handeln vor allem von Beziehungen und der eigenen Selbstfindung. Oft kommt es vor, dass man sich in einer Liebesbeziehung gänzlich verliert und dabei komplett vergisst, wer man selbst eigentlich ist. Aus Liebe tut man die verrücktesten Dinge – in guter und in schlechter Hinsicht. In meinen Texten behandle ich diese Turbulenzen, die man in sich spürt, wenn man verliebt ist.

Im Juni erscheint „A Moment of Madness“. Was erwartet uns?

Es handelt von allem: von der ersten großen Liebe, Trennungen, von meinen Freunden und meiner Familie. Mal sind die Songs fröhlich, mal melancholisch. Man könnte das Album schon fast als bipolar attestieren. Es ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle. So wie das Erwachsenwerden eben.

Dein Lieblings-Song aus dem Album?

Momentan ist es „Naive Soul“. Ich glaube, es würde uns allen ganz gut tun, sich etwas unvoreingenommener und kopfloser in das Leben zu stürzen. Erinnerst du dich an den Moment, in dem du zuletzt etwas komplett Neues ausprobiert hast? An dein Kribbeln im Bauch und die kindliche Begeisterung? Genau von diesem Gefühl handelt der Song.

Wann hast du dieses Gefühl zuletzt verspürt?

Vor ein paar Wochen. Ich war nachts mit einer Freundin aus. Eigentlich hatte ich gar keine Lust darauf, mich unter die Leute zu mischen, geschweige denn mit irgendjemandem zu reden. Auf der Tanzfläche sprach mich dann plötzlich ein Mädchen an – sie hatte eine ganz besondere Ausstrahlung. Ich habe mich auf Anhieb blendend mit ihr verstanden. Wir haben dann bis 10 Uhr morgens mit ein paar Freunden von ihr auf ihrer Terrasse getanzt. Wir hatten so viel Spaß. Es hat quasi zwischen komplett Fremden gefunkt! Früher hätte ich mich so etwas nie getraut, heute schreibe ich Songs darüber. Ha.

Wie schreibt man eigentlich einen Song?

Ich schreibe einfach Dinge auf, die mir in den Kopf kommen. Das habe ich schon immer gemacht. Zu Schulzeiten habe ich viele Gedichte verfasst. Damals war ich total verrückt nach japanischen Kurzgedichten, auch Haikus genannt. Die meisten meiner Gedichte handelten von den typischen Teenager-Problemen. Heute darf man sie wahrscheinlich niemandem mehr vorlesen… Jetzt schreibe ich eben Songs. In vielen Situationen fällt es mir leichter, meine Gedanken auf einem Blatt Papier niederzuschreiben, als sie direkt auszusprechen. Oft kommen mir die besten Text-Ideen, wenn ich mehrere Stunden im Zug oder im Tour-Bus sitze. Man schaut aus dem Fenster, hat seine Ruhe und kann stundenlang über das Leben philosophieren.

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Bist du also eine verträumte Person?

Meine Freunde würden dies wahrscheinlich bestätigen. Letzte Nacht war ich mit einer großen Gruppe an Freunden unterwegs. Alle haben sich gefragt, warum ich den ganzen Abend so auffällig leise bin. Sie haben sich beinahe Sorgen gemacht. Dabei habe ich mich weder müde noch sonderlich melancholisch gefühlt. Ich musste einfach intensiv über Dinge nachdenken, die mich zur Zeit beschäftigen. Ja, ich bin ein wahrer Meister darin, meine Umwelt komplett auszublenden und es mir in meinem Kopf gemütlich zu machen.

Wie wichtig ist es, im Moment zu leben?

Wichtig. Früher habe ich viel dem Vergangenen nachgehangen. Mich Illusionen hingegeben. Aber das macht dich auf Dauer verrückt. Man muss wirklich aufpassen, dass einen das eigene Gedächtnis nicht austrickst. Erinnerungen wirken oft schöner, als sie es wirklich waren. Heute versuche ich, mich in meinen Gedanken mehr auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren.

In diesem Monat startet deine erste große Live-Tour. Welcher Gedanke lässt dich vor Aufregung nicht schlafen?

Oh, da gibt es tatsächlich etwas. Ich wünschte, ich könnte mein Publikum einmal dazu animieren, gemeinsam mit mir auf der Bühne zu singen und zu tanzen. Ich will das unbedingt ausprobieren, habe aber wirklich Angst davor. Was für eine peinliche Vorstellung, wenn am Ende niemand zu mir auf die Bühne steigt – während ich motivierend klatschend im Scheinwerferlicht stehe und zunehmend verzweifelter „Los, kommt schon!“ ins Mikrofon rufe. Haha, das wäre mein schlimmster Albtraum! Würdest du zu mir hochkommen?

Zeit ist um! Danke für das Interview!