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Interview: Katrin von The Knots

Von , 22. April 2016

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©PR/The Knots

„Wenn ich ein Tief habe, hilft es mir, zu fragen: Was ist das Schlimmste, das passieren kann?“ – wir haben The Knots-Gründerin Katrin ten Eikelder zum Karriere-Interview gebeten

Wenn ich an Teppiche denke, kommen mir Aladdin und meine Oma ins Gedächtnis. An Vintage-Orientteppiche muss ich erst denken, seitdem ich Katrin ten Eikelder von The Knots auf der Eastpak She Wears Tour getroffen habe. Anlässlich des Weltfrauentages erzählten zehn Frauen, die allesamt ein eigenes Start-up gegründet haben, ihre Unternehmensgeschichte. Katrin meistert seit zwei Jahren The Knots – ein Online-Shop für Teppiche – und das als reine One-Man, besser gesagt One-Woman-Show. Der Anblick ihrer traumhaft schönen Stücke lässt Erinnerungen an das großelterliche Wohnzimmer und Aladdins fliegenden Teppich sofort verblassen. Vielmehr ertappe ich mich dabei, zu überlegen, wo das gute Teil in meinen eigenen vier Wänden hinpassen könnte. Im Interview spricht Katrin über ihren Weg in die Selbstständigkeit und wie sie damit selbst den Türsteher vom King Size ins Staunen gebracht hat.

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Katrin ten Eikelder ©PR/The Knots

Man könnte sagen, Teppiche liegen bei dir im Blut – schon dein Vater besaß ein Teppichgeschäft.

Das stimmt, als kleines Kind habe ich es geliebt, auf den Teppichstapeln in seinem Geschäft herumzuspringen. Mit dem Produkt an sich konnte ich aber nichts anfangen. Erst jetzt, wo ich mein eigenes Business leite, wird mir bewusst, welch tolle Handarbeit und Geschichte hinter all diesen Stücken steckt.

Wann bist du auf die Idee gekommen auch mit Teppichen zu handeln?

Das war vor zwei Jahren. Damals arbeitete ich in New York und beim Schlendern durch die Straßen Brooklyns habe ich immer wieder Vintageteppiche gesehen, die sehr cool im industrial oder shabby chic Umfeld inszeniert waren. Der Anblick wollte mir einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen und ich entschloss, mich selbstständig zu machen, um mit Teppichen zu handeln. Dafür ließ ich alles hinter mir: Meinen Job, die Stadt – und fing neu in Berlin an.

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©PR/The Knots

Hattest du Angst vor diesem radikalen Schritt?

Angst nicht, Respekt vielleicht. Das Gute war, dass ich kaum Zeit hatte, über meinen Sprung ins kalte Wasser nachzudenken, auch nicht darüber, was ich alles zurück gelassen habe. Sobald ich in Berlin war, gab es sofort tausend Herausforderungen und Fragen: Wie startet man ein Unternehmen von Null? Wie bekommt man Menschen auf die Website, wenn sie einmal gelauncht ist? Werde ich davon leben können? Ich habe schnell gelernt, dass viel mehr möglich ist, als man anfangs glaubt und meine Entscheidung nicht einen einzigen Tag bereut. Wenn ich ein Tief habe, hilft es mir, zu fragen: Was ist das schlimmste, das passieren kann?

Teppiche galten lange Zeit als verstaubt und altbacken. Wo kommt die plötzliche Begeisterung für Teppiche her?

Ich glaube, die Menschen sehnen sich wieder verstärkt nach Wohnlichkeit und wissen individuelle handgefertigte Produkte mehr zu schätzen – beides kommt dem Teppich zu Gute. Er verleiht einem Raum einfach das gewisse Etwas, das vielen zu Hause noch fehlt.

Du erzähltest von einer Begegnung mit dem King Size Türsteher Frank Künster, dem es völlig absurd schien, dass eine Frau ohne Persische Wurzeln mit Teppichen handelt. Was hast du ihm entgegnet?

Das weiß ich ehrlich gesagt gar nicht mehr. Aber ich habe ihm meine Visitenkarte gegeben, falls er sich mal einen Eindruck davon verschaffen möchte. Oder eben einen Teppich braucht – man weiß ja nie.

Gibt es Teppiche, die nicht an den Knien reiben?

Ja, natürlich. Super weich sind Berber Teppiche, ganz klassisch im Beni Ourain Design oder auch mit leuchtend bunten Mustern.

Wie sieht der Alltag einer Teppichhändlerin in Berlin aus?

Ich kümmere mich im Moment um alles: Von der Beschaffung über den Vertrieb bis hin zum Online Shop, der Buchhaltung, dem Marketing und Customer Care. Und natürlich reise ich regelmäßig in den Orient, auch im mich inspirieren zu lassen.

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©PR/The Knots

Wie wichtig sind soziale Medien für deinen Erfolg?

Soziale Medien sind ein nicht mehr wegzudenkender Hebel. Mit ihnen kann ich relativ zielgerichtet und ohne regionale Beschränkung Menschen erreichen. Meine Handelspartnerin in Großbritannien habe ich sogar über Instagram kennengelernt.

Du in 30 Jahren?

Hoffentlich glücklich und zufrieden mit dem, was ich beruflich und private tue. Außerdem würde es mich freuen, wenn ich dann anderen Menschen mit meinen Erfahrungen helfen könnte.

Vielen Dank für das Interview.