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Interview: Daniel Brühl über Unterwäsche

Von , 14. December 2015

Daniel Brühl bei der Intimissimi Shop-Eröffnung in München ©PR
Daniel Brühl bei der Intimissimi Shop-Eröffnung in München ©PR

Wir trafen den Schauspieler zum Gespräch über Spitze, Feinripp und Männer in Frauenkleidern

Als in der vergangenen Woche die Einladung zur Intimissimi Shop-Eröffnung in München bei uns einflatterte, staunten wir nicht schlecht – als Star des Abends wurde angekündigt: Daniel Brühl. Wir haben nicht lang gefackelt und den Schauspieler zwischen Negligées und Büstenhaltern zu einem kleinen Interview gebeten.

Daniel, du bist ja gerade zum GQ Mann des Jahres gewählt worden. Hast du dich schon immer für Spitzenunterwäsche interessiert oder gehört das zu deinem Vertrag?

Also, ich habe nichts dagegen. Als ich eingeladen wurde habe ich sofort zugesagt, weil ich nicht gedacht hätte, dass dieser Hersteller auch was für den Mann macht! Das T-Shirt das ich gerade trage ist tatsächlich von Intimissimi. Das habe ich mir vor zwei Jahren in Sienna gekauft, als ich dort gedreht habe und mein kompletter Koffer verschwunden ist und ich nichts mehr zum Anziehen hatte. Irgendein Italiener meinte zu mir ich sollte mal zu Intimissimi gehen. Zunächst dachte ich, ich sei im falschen Laden gelandet, weil da natürlich nur Unterwäsche hing. Aber die hatten auch Männer T-Shirts! Deswegen ist mir die Marke in Erinnerung geblieben. Und ja. Die machen sehr schöne Unterwäsche, vor allem für die Frau natürlich. Aber ich bin jetzt nicht der Spitzenunterwäsche-Experte.

Glaubst du, dass Frauen ihre Unterwäsche eher für sich selbst kaufen oder für den Mann?

Beides würde ich sagen, oder? Weiß ich nicht. Beides!

Schon mal Unterwäsche verschenkt?

Ich hab mich das ehrlich gesagt nie so wirklich getraut, weil ich dachte, es wäre schon blöd dann hinterher falsch zu liegen. Und so eine Reaktion damit auszulösen wie „Darauf stehst du also?!“. Das war mir immer zu heikel. Obwohl ich schon gerne Kleidung an Frauen verschenke. Halt, doch, einmal ist es mir tatsächlich gelungen! Da habe ich aus einem sehr schönen Unterwäscheladen in New York auf der Mercer Street in Manhattan was gekauft. Der hat so Vintage-Unterwäsche, die ich total schön fand. Und die hat zum Glück auch der Frau gefallen.

Du kommst ja aus Köln. Selbst schon mal Frauenunterwäsche angezogen?

Noch nie vorgekommen. Also Unterwäsche glaube ich nicht. Es kann schon sein, dass ich mal einen Rock oder sowas angehabt habe. Im Suff auf irgendeiner Karnevalsfeier. Das kann schon sein. An Unterwäsche kann ich mich jetzt nicht erinnern. Obwohl. Also einen BH hatte ich auf jeden Fall schon mal an. Aus Scherz. Aber es war jetzt nie meine Komplett-Montur an Karneval.

Du bist ja neuerdings gut mit Benedict Cumberbatch befreundet – ich habe gelesen, dass du sogar seine Handynummer hast. Könntest du dir denn vorstellen, auch mal so eine Rolle zu spielen wie er im neuen Zoolander, als Transgender Model?

Ich hab den Film noch nicht gesehen, aber ja, das ist ist natürlich eine Sensations-Rolle. Ich kann es kaum erwarten, ihn in der Rolle zu sehen. Also da würd ich nicht nein sagen. Und vor allem bei Zoolander. Das kann ja nur witzig sein.

Marilyn Monroe hat mal gesagt: „Ich kann Nachmittage damit verbringen mich zu betrinken um dann nackt vor dem Spiegel auf und ab zu hüpfen und meine Brüste tanzen zu sehen“. Kannst du dir sowas auch vorstellen?

Dafür sind meine Brüste leider noch nicht groß genug. Aber das wird ja vielleicht noch irgendwann. Wenn ich 50 oder 60 bin.

Aber ist es nicht so, dass sich in der postpatriarchalischen Gesellschaft auch der Mann mal als Lustobjekt inszenieren muss? Wir sind ja heute alle gleichberechtigt.

Also ich würde das jetzt maximal für meine Freundin im Scherz tun. Aber alles was darüber hinausgeht – wirklich nicht! Mich in heißer Unterwäsche irgendwo zu drapieren, wäre glaube ich so ziemlich das Letzte was ich machen würde. Bruno Banani…

Schon mal einen Blick auf die heißen Weihnachtsmodelle für Männer von Intimissimi geworfen?

Genau. Da hab ich Augen gemacht und die direkt mal ins Tütchen gesteckt. Ich glaube, da wird sich auch meine Freundin extrem drüber freuen. Ne, also da sind schon ein paar extravagante Hardcore-Modelle dabei. Hmm, das lasse ich glaube ich.

In welchem Alter hast du denn eigentlich gelernt, wie man einen Büstenhalter mit einer Hand öffnet?

Haha. Du hast endlich mal gute Fragen! Sehr gute Frage. (Daniel denkt nach. Im Hintergrund singt Lana del Rey aus den Lautsprechern des Intimissimi Weihnachtsmarkts: „I heard that you like the bad girls. Honey, is that true?“) Ich war wahrscheinlich ein Spätzünder. Mit 17 oder so?

Uff, mit 17?!

Joa.

Das ist aber ziemlich spät, Daniel. So lang erfolglos dran herum probiert?

Okay, sagen wir 16. Ich hab’s oft probiert!

Und dann hat es irgendwann geklappt! Wow.

Das ist ja auch von Modell zu Modell sehr unterschiedlich, ne? Da gibt es ja wirklich sehr komplizierte Biester. Und es ist ja tatsächlich eine große Aufregung für einen Jungen, wenn das zum ersten Mal ernst wird. Und wie peinlich einem das ist. Vor allem wenn man so drauf ist wie ich damals mit 15 – oder wann das so losgeht, dass man mit Mädchen was hat – und immer so tut, als wäre man schon so erfahren. Aber dann in so einem Moment ganz schnell die Wahrheit ans Licht kommt. Und das Mädchen sofort gemerkt hat, dass man von Tuten und Blasen keine Ahnung hat. Aber spätestens, also spätestens mit 17 wusste ich es dann.

Sehr gut. Was hältst du denn von Feinripp-Unterwäsche bei Frauen?

Finde ich schön.

Findste gut?

Ja.

Und was hältst du von diesem unmöglichen Ding…

Bist du auch aus Köln?

Ne, aus Berlin. Jetzt haste misch total ussem Konzäpt jebracht.

War minge Absischt.

Was sagst du denn zu dem schrecklichen Kleidungsstück namens G-String?

Horror. Fand ich schon immer horrormäßig. Als das vor ein paar Jahren hochkam – natürlich immer in Kombination mit einer schönen Tätowierung – und sich die Frauen dann extra gebückt haben, damit der halbe G rauskommt… und dazu noch so ein wunderschönes Arschgeweih. Also das fand ich schon immer Horror und finde es auch nach wie vor. Und ich glaube das ist ja auch ein bisschen vorbei, ne?

Was reizt dich denn dagegen an Feinripp?

Das ist so altmodisch. Irgendwie finde ich das so.. ich weiß nicht. Ich finde das so schön altmodisch. Da war doch so ein Chris Isaak Video, was uns alle in meiner Generation – ich bin ja 37 – so extrem umgehauen hat. Da war das damals wunderschönste Model Helena Christensen mit dabei. Ich weiß nicht ob es wirklich Feinripp war, was sie da getragen hat, aber es war so etwas wie eine Männerunterhose. So ein ganz altmodisches, ganz einfaches Teil. Da gibt’s doch so ein Video in schwarz-weiß von den beiden an der Palme, so in Slow motion. Wie hieß denn das? I wanna fall in love nanana. (Anm. der Redaktion: Na, Wicked Game!) Ich weiß nicht mehr, wie der Song hieß. Aber das hat uns Jungs damals extrem geprägt. Also da waren wir extrem sexualisiert. Da waren wir glaube ich alle so 14 oder 15.

Stehst du also auf ältere Frauen?

Damals war sie ja… ach ne stimmt. Damals war sie um einiges älter als ich.

Das ist jetzt ja andersrum in. Richard Gere hat zum Beispiel neuerdings eine 32-jährige Freundin.

Ja. Also ich finde das immer sehr befremdlich, wenn Männer nach extrem jungen Frauen Ausschau halten und dann mit ihnen zusammenkommen. Das finde ich extrem schwierig. Ich möchte nicht jedem unterstellen, dass da dem Ganzen nicht auch wirklich ein großartiges Gefühl zu Grunde liegt und so. Aber ab einem bestimmten Zeitunterschied finde ich es dann komisch. Ich hatte eigentlich immer nur ältere Freundinnen. Es ist jetzt das erste Mal, dass ich eine jüngere Freundin habe. Und damals kam ich mich mir dann schon komisch vor, dass ich eine jüngere Freundin habe. Vor 5 Jahren. Davor war ich eigentlich immer mit Älteren zusammen.

Die können einem dann auch zeigen, wie das mit dem BH-Öffnen funktioniert!

Richtig.

Der Mann kauft im Jahr für schätzungsweise 6,20 Euro Unterwäsche. Achtest du darauf, dass du auch verführerische Unterwäsche trägst? Was sagst du denn zu Leo-Muster?

Schwierig. Also ich meine, ein bisschen tiefer in die Tasche greifen als 6,20 Euro müsste man auch schon als Mann. Es muss ja auch einigermaßen okay aussehen für die Frauen, ne? Also da kannst du ja nicht mit irgendsoeinem Schrott-Schlüpfer auftauchen. Aber ich fände es jetzt auch ein wenig befremdlich, wenn sich der Mann zu viele Gedanken darüber machen würde.

Mit Eingriff oder ohne?

Beides gut. Das eine ist sehr praktisch, muss aber nicht sein.

Trägst du im Sommer überhaupt Unterwäsche?

Immer.

Immer?

Immer.

Ich kenne Männer, die sagen, sie machen das im Sommer nie.

Unangenehm.

Viele Männer finden das ja befreiender ohne, habe ich gehört.

Geschmacksache.

Spanier sind ja so ein bisschen Dynastien-verliebt. Wird’s nicht langsam mal Zeit, eine Familie zu gründen?

Also. Also jetzt wird’s allerhöchste Zeit, dass ich das Gespräch abbreche.

Okay halt, eine Frage hab ich noch. Als ich noch jung war, hast du mich mal auf einer Party nach einer Zigarette angeschnorrt. Ich hatte keine und du sagtest, ich solle kurz warten, du würdest irgendwo eine für mich mitschnorren. Ich habe dich nie wieder gesehen. Versprichst du immer, was du nicht halten kannst?

Echt? Wo war das?

Auf dem Berlin Festival.

Frechheit, ich bin echt nicht wiedergekommen? Normalerweise halte ich immer alles, was ich verspreche.

Sehr gut.

Nur das eine Mal wohl nicht.

Ja, das war nicht gerade sehr Gentleman-like für einen GQ-Mann des Jahres in spe.

Ne, überhaupt nicht! Ich weiß nicht, was da mit mir los war. Ich erkenne mich gar nicht wieder. Beim nächsten Mal! Oder willste jetzt eine?

Danke, ich habe. Aber vielen Dank für das Interview.

Gerne!

©PR
Maximiliane Schäffer im Interview mit Daniel Brühl ©PR

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