Lifestyle

Héroï­nes: Lucia Ribisi

1. June 2016

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©Pat Martin

Bereits im vergangenen Sommer hat Lucia Ribisi für uns ein Videotagebuch (Teil 1/Teil 2) ihrer Grand Tour durch Europa gedreht. Mehr als Grund genug, den Teen Artist nun zu unseren wahren Héroï­nes zu zählen

Vor einem Jahr habe ich mein Leben geändert. Ich hatte seit Jahren einen ‘Charakter’ in den sozialen Medien. Ich habe damit aufgehört, weil die Menschen meinten, diese schreckliche Figur, dieses Wannabe-It-Girl und Holywood-Klischee sei ich.” Kein Wunder, denn es war ihr Gesicht, ihr Körper, der sich als dieser Charakter ausgab und sich mit Hello-Kitty-Accessoires schmückte.

Lucia Ribisi wuchs in Hollywood auf, Vater Giovanni ist Schauspieler (Lost Highway, Lost in Translation) und Stammgast in den Klatschspalten. Auch ihre Mutter Mariah O’Brien ist Schauspielerin. Mit 14 begann das Scheidungskind mit den wechselnden Haarfarben auszugehen, sich zu verkleiden und sich mit der Weiblichkeit auf Instagram auseinanderzusetzen, zeigte Fotos ihrer unrasierten Achseln oder ihr Gesicht mit grüner Aloe-Vera-Maske.

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©instagram.com/maiden_honey/

Ihr Bruch mit der öden Instagram-Identität kam, als Lucia aus L.A. floh, Kunst in der Provinz studierte, gärtnerte, las und malte. Prompt wurde eins ihrer Bilder für die S/S 16 Kollektion von Saint Laurent auf den Rücken einer Baby-Teddy-Jacke gestickt, und sie wurde zu den Schauen nach Paris eingeflogen. Eigentlich wollte Lucia nur für ein Wochenende dort bleiben. Daraus wurden dreieinhalb Monate in Europa. Sie spielte in einem Kurzfilm in Polen mit, tanzte in Berlin, lief in Wien durch alle Museen, fuhr mit einem Exfreund nach Prag und besuchte die Biennale in Venedig. „Oft habe ich Unterkunft durch Airbnb bekommen, viele Menschen habe ich in Museen kennengelernt. Und dann in Berliner Clubs. Ich habe kaum Geld für Übernachtungen ausgegeben. Es war zwar unheimlich, aber ich habe gelernt, wie man mit Menschen klarkommt.” Dann suchte sie sich Arbeit auf einem Weingut in der Toskana, wo sie Flaschen in den Keller trug.

„Das war harte Arbeit. In Italien habe ich gelernt, wie einfach und schön das Leben sein kann. Und wie schrecklich L.A. ist. Meine Eltern arbeiten ununterbrochen. Man lässt Mahlzeiten aus, Essen ist unwichtig. Als ich in der Toskana zum ersten Mal in meinem Leben ein richtiges Menü aß, bekam ich Träume.” Ihre Stimme schwankt vom erinnerten Völlegefühl von dem stundenlangen Mehrgänge-Essen: „Ich habe so viel gegessen und bekam dann diese Träume. So lernte ich zu träumen, das habe ich vorher nicht gekonnt. Heute ist Träumen so wichtig für meine Arbeit.”

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©instagram.com/maiden_honey/

Selten trifft man eine so selbstsichere und dennoch entspannte Teenagerin. So nennt sie sich auch Teen Artist. Schon mit 14 wusste sie, dass sie Künstlerin werden wollte und verfolgt diese Karriere seit vier Jahren. „Die Woche in der Toskana war die friedlichste meines ganzen Lebens. Diese Reise habe ich mit nach Hause genommen und sie hat mich verändert. Seit dieser Reise meditiere ich und arbeite viel alleine.” Sie lebt seitdem wieder bei ihren Eltern in Los Angeles und genießt die Freiheit, sich nicht um das Frühstück kümmern zu müssen und ausschlafen zu können.

Mit ihrem Freund Jack nimmt sie derzeit Musik auf, sie singen gemeinsam, er spielt Gitarre. „Low-Fi, etwas folky.” Außerdem schreibt sie für Ultra magazine über Partys in L.A., filmt ein wenig und bereitet eine Einzelausstellung vor mit ihren Skulpturen. Das sind Transgender-Genitalien-Kissen, die primären Geschlechtsorgane sind zu einer bunten Patchworkbettwurst zusammengenäht. Sie sind riesig, über drei mal fünf Meter groß und ziemlich naturalistisch. Sie selbst bezeichnet sie als surrealistisch und sehr lustig.

Autor: Lorenz Schröter

Dieser Artikel ist in der März/April 2016 Ausgabe von L’Officiel erschienen.