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Héroï­nes: Golshifteh Farahani

Von , 27. May 2016

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In Jim Jarmuschs Cannes-Wettbewerbsfilm Paterson übernimmt sie die weibliche Hauptrolle – in ihrem Heimatland Iran kämpfte Golshifteh Farahani jahrelang für ihre künstlerische Meinungsfreiheit und gegen die Unterdrückung von Frauen. Ein Portrait einer Kämpferin

Es fällt schwer, eine Review über die Top 10-Filme in Cannes zu schreiben, wenn das wahre Leben unglaublicher und emotionaler scheint, als jede Drehbuchzeile, die man sich nur ausdenken kann.
Zum Beispiel die Geschichte von Golshifteh Farahani. Aus einer iranischen Schauspielerfamilie stammend, arbeitete die Paterson-Hauptdarstellerin schon früh mit den berühmtesten Regisseuren ihres Landes zusammen und stieg bald zur erfolgreichsten Schauspielerin in ihrer Heimat auf. Gleichzeitig trat sie in einem korrupten Staat unermüdlich für die Rechte ihres Berufsstands und ihrer persönlichen Unabhängigkeit als Frau ein. Die Reaktion darauf: “Unser Wunsch wäre, dass ihr alle das Land verlasst. Iran braucht keine Künstler.“ Worte, die das Ministerium für Innere Sicherheit einmal an die heute 32-Jährige richtete.

Mit ihrem Erfolg im Iran kamen auch die ausländischen Rollenangebote. 2008 nahm sie eine Nebenrolle in Ridley Scotts Thriller Body of Lies an. Als erste iranische Schauspielerin spielte sie nach Ende der iranischen Revolution 1979 in einer internationalen Produktion mit. Ein Meilenstein. Sie schrieb Geschichte. Mit dem Film gelang Farahani dann auch der endgültige Durchbruch – seitdem stehen ihr die Türen Hollywoods weit offen.

In ihrem Heimatland geschah allerdings das Gegenteil. Body of Lies lief gerade an, da machte man Farahani schon den Prozess, warf ihr vor, dass die iranische Regierung in dem Streifen zu schlecht wegkomme. Ihr wurde Ausreiseverbot erteilt. Kurze Zeit später unterstellte man ihr eine Kollaboration mit der CIA – durch die Mithilfe der Schauspielerin würde das Ansehen des Islams zerstört, so der diesmalige Vorwurf. Nach einem jahrelangen Kampf und aus Angst um die eigene Sicherheit, musste Golshifteh Farahani schließlich ihr Heimatland und ihre Familie verlassen. Nur noch selten versucht die Schauspielerin sich politisch zu äußern – zu groß ist die Gefahr für ihre Familie und sie selbst. Seit acht Jahren lebt sie nun in Frankreich und zahlt damit den hohen Preis der Fremde für die Freiheit.

Kommenden Sonntag erscheint eine Kurz-Reportage über Golshifteh Farahani in der Sendung „Metropolis“, dem ARTE – Kulturmagazin