Lifestyle

Frauen, von denen wir lernen können

Von , 1. August 2016

girlpower-5-frauen-vorbilder
Isabella Blow © Donald McPherson

Girlpower begann lange vor den Spice Girls. Diese fünf Frauenleben inspirieren uns heute noch

Männer haben jede Menge männliche Vorbilder in Filmen und Geschichtsbüchern, dazu können sie sich auf ihr Old Boys Network verlassen. Für Frauen dagegen ist es schon etwas schwieriger, positive Role Models zu finden. Ein paar Ladies kann man sich aber zur Mentorin machen, ohne sie je getroffen zu haben. Durch das Lesen ihrer Biografien. Was wir uns von den inspirierenden Leben von Lee Miller, Isabella Blow, Diana Vreeland, Djuna Barnes und Elsa Schiaparelli abschauen können:

Diana Vreeland

Bildschirmfoto 2016-07-22 um 15.20.26
Portrait of Diana Vreeland by Horst P. Horst: Horst P. Horst, 1979, © Estate of Horst P. Horst / Art + Commerce.

„I don’t believe in anything before penicillin.“ – Diana Vreeland

Aphorismen, kurze Sätze. Emphasen, Ausrufezeichen, rhetorische Fragen. In ihrer Autobiografie D.V. hört man Diana Vreeland, die legendäre Mode-Chefredakteurin, wie sie war. Kompromisslos, entschlossen, draufgängerisch. Alles, was sie sagt, ist absolut. Widerrede zwecklos. So überzeugt von sich selbst zu sein, wie Diana Vreeland ist mein persönliches #selfesteemgoal. Wenn wir es auf halbes Level von Frau Vreeland schaffen, ist das vermutlich das perfekte Maß.
Diana Vreeland: The Eye has to travel (Film) und Diana Vreeland, D.V.

Lee Miller

Lee Miller, Sizilien, Mai 1949 © Lee Miller Archives, England. All rights reserved.
Lee Miller, Sizilien, Mai 1949 © Lee Miller Archives, England. All rights reserved.

“Lieber fotografiere ich selbst, als dass ich fotografiert werde.” – Lee Miller

Elizabeth “Lee” Miller (1907-1977) wurde zuerst als Model und Man Rays Lebenspartnerin, später als Mode- und Reportagefotografin bekannt. Sie schaffte es somit nicht nur, sich aus der Rolle der Muse zu lösen und sich selbst als Künstlerin einen Namen zu machen, sondern auch als Kriegsberichterstatterin im Zweiten Weltkrieg. Ihre weibliche Sicht auf die Dinge, gerade auf die Opfer des Krieges, kann uns lehren, dass das Weibliche eine Hälfte der Geschichte ist, die zu oft nicht erzählt wird. Die Welt ist reicher, wenn beide Hälften zusammenkommen.
Becky E. Conekin: Lee Miller. Fotografin, Muse, Model

Isabella Blow

Isabella Blow © Donald McPherson
Isabella Blow © Donald McPherson

“My role ist to pass intellectual information on to the designer. Anything I that inspires me, I pass it on.” – Isabella Blow

Alexander McQueen sagte einmal auf die Frage, ob Isabella Blow ihn inspiriert habe „Natürlich. Sie ist wie eine Krankheit. Eine tödliche Krankheit. Alles, was sie tut, steckt einen an.“ Wie tragisch sich diese Aussage auch im Suizid beider bewahrheiten sollte, war ihm da sicherlich nicht bewusst. Mit Issie, wie Freunde wie Daphne Guinness, David LaChapelle oder Philip Treacy sie nannten, zu arbeiten, muss schwierig gewesen sein. Ihr Leben, ihre Gefühle, glichen einer Achterbahnfahrt im Dunkeln. Fest steht, dass sie ihre kreative Energie abgegeben hat, bis keine mehr da war, um weiterzuleben – wer weiß, wie viel ärmer die Welt ohne das kreative Genie Isabella Blows heute wäre.
Lauren Goldsein Crow: Isabella Blow. A Life in Fashion

Djuna Barnes

Djuna Barnes © Suhrkamp Verlag
Djuna Barnes © Suhrkamp Verlag

„Life is painful, nasty and short… in my case it has only been painful and nasty.“ 

Aus einer zerrütteten Familie in Brooklyn stammend, ging Djuna Barnes schon früh ihren eigenen Weg. Furchtlosigkeit war sicherlich einer ihrer stärksten Züge. Statt zur Schule zu gehen, verdiente sie ihr Geld als Journalistin im New York der 1910er und scheute vor keinem Selbstversuch zurück. Sie ließ sich von der Feuerwehr aus Hochhäusern retten und, um den Kampf der Suffragetten zu illustrieren, sogar einmal Zwangsernähren – eine schmerzhafte Tortur, die damals bei Hungerstreikenden durchgeführt wurde. In den 20er Jahren ging sie nach Paris und wurde Teil der Lost Generation der Rive Gauche. Ihr Roman Nightwood (dt.: Nachtgewächs, Suhrkamp) von 1936 ist einer der ersten Romane, in dem Homosexualität zwischen Frauen thematisiert wird. Zahlreiche Verlage lehnten es ab, doch schließlich klappte es. Djuna Barnes scherte sich nicht um die Meinung anderer und machte ihr Ding. Das sollten wir auch öfter beherzigen.
Phillip Herring: Djuna: The Life and Work of Djuna Barnes

Elsa Schiaparelli

girlpower-5-frauen-vorbilder
© SCHIAPARELLI

Der Preis für die coolste Entourage geht fraglos an Elsa. Dali, Jean Cocteau, Man Ray, Marcel Duchamps und zahlreiche andere Künstler ihrer Zeit waren Freunde, arbeiteten mit ihr für ihre surrealistsischen Kollektionen zusammen. Ihre Mode war ein Gesamtkunstwerk. Vieles lässt sich von der Modeschöpferin lernen, insbesondere, sich selbst und das Leben nicht zu ernst zu nehmen. Auf der letzten Seite ihrer Autobiografie Shocking Life, nach dem Epilog, hat sie 12 Gebote für Frauen verfasst. Meine persönlichen Glanzlichter:

1. Since most women do not know themselves they should try to do so.
5. Women should listen and ask for competent critisism and advice.
12. And she should pay her bills.

Guter Rat ist eben nicht immer teuer.
Elsa Schiaparelli: Shocking Life. The Autobiography of Elsa Schiaparelli