Lifestyle

Schau mal übern Laufstegrand

Von , 3. July 2017

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Hotel du Petit Moulin, gestaltet von Christian Lacroix, Paris

Von Kunstsammlung bis Hotel – welche Nebenprojekte gibt es von unseren Lieblingsdesignern abseits der Mode zu bestaunen? Schauen wir mal über den Laufstegrand

Die Entwürfe, Schnitte und Formen, Kollektionen, Zwischenkollektionen und Kollaborationen von Modedesignern verfolgen wir, von Saison zu Saison, akribisch. Doch gibt es seit einigen Jahren von den meisten Designern deutlich mehr zu sehen als reinen Runway und Retrospektive. Von Kunstsammlungen bis zu Hotels überschneidet sich das Feld der Mode immer mehr mit anderen Bereichen. Ob nun aus kommerziellen oder kreativen Gründen sei zunächst dahingestellt. Einen beeindruckenden Blick sind sie zweifellos wert. Unsere Lieblinge gibt es hier:

Foundation Louis Vuitton, Paris

Geld, Macht und Mode. Worte, die in Paris ziemlich gut zusammen funktionieren. So eröffnete der Konzern LVHM unter Mogul Bernard Arnault 2014 ein Kunstmuseum im Bois de Boulogne in Paris. Kulturelles und finanzielles Kapital vereinen sich hier gleichermaßen und das Gefühl, ein mächtiges Statement setzen zu wollen anstatt einem wahrhaftigen Kunstinteresse nachzugehen, bleibt dann doch hängen. Stararchitekt Frank O’Gehry konzipierte das Museum übrigens in seinem unverkennbaren Stil. Wir raten: Hingehen, anschauen und beeindrucken statt inspirieren lassen.
Foundation Louis Vuitton, 8 Avenue du Mahatma Gandhi, Paris

Hotel du Petit Moulin, Christian Lacroix, Paris

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“It brings to mind a dolls house, or those cross sections of buildings you might see in 20th-century encyclopedias, with very different atmospheres from one floor to the next.”

Das komplette Gegenteil findet man in Christian Lacroixs Projekt. Der französische Exzentriker verwirklichte sich in der Interior-Gestaltung einer kleinen Bäckerei, die zu einem Boutique-Hotel umgebaut wurde. Die Zimmer, alle individuell vom Designer gestaltet, stellen einen ungewöhnlichen Einblick in sein verrückt, verwirrend und grandioses Werk da. An einer kleinen Straßenecke im Marais platziert, übersieht man das alte, denkmalgeschützte Gebäude beinahe und gerade Lacroixs Geschmack, der weder an Trend noch Zeitgeist gebunden ist, macht diesen Ort so sehenswert.

Wem die Wände für einen erholsamen Schlaf zu bunt sind, der sollte trotzdem einen Blick in das faszinierende und charmante Hotel werfen und zumindest einen Drink an der überbunten Bar zu nehmen – Inspiration und Overkill vereinen sich dort nämlich perfekt.
Hotel du Petit Moulin, 29 Rue de Poitou, Paris
ab etwa 200 Euro pro Nacht

 Fondazione Prada, Mailand

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Dass sich die konzeptionelle Miuccia Prada als Nebenprojekt nicht unbedingt einem Hotel widmet macht Sinn. Und dennoch: mit einem Museum im klassischen Sinn hat die Fondazione Prada nichts zu tun.

Drei Kilo Blattgold, 24 Karat. 2015 wurde nach siebenjähriger Bauzeit die Sammlung zeitgenössischer Kunst in Mailand eröffnet. Die alte Destillerie steht für das Sammlerpaar Miuccia Prada und ihren Mann Patrizio Bertelli die seit beinahe 25 Jahren eine eigene Kunststiftung betreiben. Mittlerweile alles andere mehr als ein Geheimtipp, pilgern kunstinteressierte Prada-Anhänger sowie renommierte Kuratoren und Galeristen gleichermaßen in Mailands Fabrikenviertel, um die wechselnden Ausstellungen in Rem Kohlhaas goldenen Bau zu bestaunen.
Fondazione Prada, Largo Isarco, 2, Mailand

The Versace Mansion aka Hotel Casa Casuarina, Miami

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Nach Gianni Versaces Tod wurde sein über 35 Millionen teures Haus in Miami in ein Hotel umgebaut. Interior und Stil sind zum großen Teil übernommen worden. Soll heißen: kaum einer kann sich eine Übernachtung in Giannis Schlafzimmer leisten, wobei man dem um 1930 errichteten Haus, das mit Versaces 90s Prunk und Protz in unsere Augen schon fast brennt, definitiv einen Besuch abstatten sollte. Am besten gleich mit genug Filmrollen im Gepäck!
Casa Casuarina, 1116 Ocean Dr, Miami Beach, FL 33139, USA
ab etwa 1000 Euro pro Nacht

Cristóbal Balenciaga Museoa, Guetaria, Spanien

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„A good fashion designer has to be an architect for shape, a painter for the colour, a musician for the harmony and a philosopher for the size.“

Zugegebenermaßen fällt diese Institution ein wenig aus unserer Liste heraus. Denn erst lange nach Balenciagas Tod und ohne jeglichen direkten Einfluss des Designers selbst, wurde das Museum errichtet. Das Projekt ist allerdings so gut, dass wir gerne die Regel brechen.
Das Museoa Cristobal Balenciaga zeigt seit 2011 die wichtigsten Kollektion des Designers und spiegelt sein unermütliches Schaffen inhaltlich wie architektonisch wieder. Ein schwarzer, prägnanter und doch so simpler Bau in Balenciagas spanischer Heimatstadt Guetaria. Der Gedanke, dass es der größte Couturier selbst nicht anders konzipiert hätte, bleibt haften. Die Idee entfernt sich also schnell von einer gewöhnlichen Retrospektive und verwandelt sich in ein einmaliges Denkmal.
Cristóbal Balenciaga Museoa, Aldamar Parkea, 6. 20808 Getaria – Gipuzkoa