Lifestyle

Kolumne: Fäshion Week

Von , 19. January 2016

Rene-Storck4

Lisa Feldmann – Mein Leben als Chefredakteurin

Meine erste Show habe ich gleich mal verpasst.
Weil ich knapp zehn Minuten nach offiziellem Beginn ankam. Zunächst stand ich vor dem falschen Palais – wer hätte gedacht, dass Berlin gleich zwei chic renovierte Prinzen-Paläste im so genannten „alten Osten“ zu bieten hat? Noch völlig sorglos balancierte ich über zugefrorene Gehsteige an meinen Bestimmungsort, wurde jedoch „Nein, das lohnt sich nicht mehr, die Show ist gleich vorbei“ vor der Tür abgewimmelt.
Nun muss man wissen, dass ich mir als Schweizerin mit deutschen Wurzeln eine gewisse intelligente Pünktlichkeit zugute halte. Intelligent deshalb, weil ich durchaus unterscheiden kann, welche Variante des Zeit einhalten gerade gefordert ist. Niemals erscheine ich auf die Minute genau zu einem privaten Dinner – ich weiss, dass meine Gastgeber dankbar sind für die zehn Minuten, die man ihnen gewährt für letzte TouchUps – aber auch nicht mehr! Nichtmal eine Minute lasse ich hingegen eine einzelne Freundin im Restaurant warten – ich weiss doch aus eigener Erfahrung, wie unangenehm das ist. Mein Mann? Das ist wieder etwas anderes. Erstens geht der ohnehin gern und oft allein ins Restaurant, und zweitens kennt er mein Zeit-Management: Er weiss, dass ich immer noch so pünktlich auftauche, dass er sich nicht versetzt fühlen muss.
Theater, Oper, Flugzeuge, klar! Kino: Oft eher zu früh! Ich werde nie lernen, den Werbeblock exakt einzuberechnen. Und dann eben Modeschauen. Nach all den Jahren, als meine Fashionweeks vor allem in New York, Paris, Mailand oder London stattfanden, habe ich auch in diesem Bereich ein gewisses Pünktlichkeits-Knowhow entwickelt. Welcher Designer wie viel später anfängt. Wann es sich lohnt, früher aufzubrechen, von Lunches oder Coffeebreaks, weil der Verkehr unberechenbar ist. Und wo es sich lohnt, viel zu früh anzukommen – einfach weil der buzz vor Ort so herrlich unterhaltsam ist.
In Berlin muss ich das alles noch lernen. Zu selten war ich in den letzten Jahren hier unterwegs. René Storck hab ich mir jetzt auf dem Handy meiner Kollegin angeschaut. Und für den Rest des Tages gilt das Lieblingssprichwort meiner Mutter: „Fünf Minuten vor der Zeit ist des Soldaten Pünktlichkeit.“