Lifestyle

Alicia Keys über Glück und Heldinnen

7. July 2016

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©Citizens of Humanity

Anlässlich des Release ihres neuen Albums im Spätsommer spricht die New Yorker Sängerin über Familie, persönliche Helden, die aktuelle Flüchtlingskrise und ihren Wunsch, die Welt ein wenig besser zu machen

Deine neuen Songs scheinen sehr romantisch und von New York inspiriert. Soll deine Musik mit diesem Ort assoziiert werden?
Ich liebe diese Aufnahmen und da ich in New York lebe, kann ich mir nur schwer vorstellen, wie es sich für Leute anfühlt, die nicht hier wohnen. Aber mir gefällt es, dass du New York in meiner Musik gespürt hast. Das ist die richtige Energy. „Romantisch“ ist übrigens ein super Wort. Mir wäre es niemals in den Sinn gekommen, mein Album so zu beschreiben, aber es passt echt gut.

Seit du dein letztes Album veröffentlich hast sind vier Jahre vergangen. Woher kam die Idee, gerade jetzt ein neues Album zu produzieren?
Es war nie meine Absicht eine Auszeit zu nehmen. Um ehrlich zu sein, die Musik für mein neues Album ist sehr schnell entstanden, so schnell habe ich davor noch nie Musik geschrieben. Ich kam mit so vielen Ideen ins Studio und wusste genau was ich sagen wollte. Ich wusste welche Themen ich ansprechen möchte und wen ich an meiner Seite haben wollte. Es wurde eine sehr intuitive, akustische und lyrische Reise. Ich glaube wir haben 30 Lieder in 10 Tagen produziert.

Mit wem besprichst du deine Song-Ideen?
Ich habe eine kleine Crew um mich herum, an die ich mich immer wenden kann. Bei meinem letzten Album waren es vier von uns, die zusammen die Musik geschrieben haben. Folglich waren es viel mehr Leute als sonst, da ich normalerweise immer sehr zurückgezogen arbeite. Ablenkung mag ich gar nicht. Doch dieses Mal habe ich es ausnahmsweise genossen, weil das Album all diese kreativen Köpfe zusammen gebracht hat und es mir erlaubt hat über meine Grenzen zu gehen. Die Gruppe bestand aus Mark Batson, Harold Lilly, meinem Mann und mir.

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Was bedeutet “Erfolg” für dich?
Für mich ist Erfolg gleichzustellen mit Glück. Allerdings meine ich mit Glück das Gefühl, dass ich mich am Ende des Tages gut und gestärkt fühle. Es gibt so viel auf der Welt, dass dir dein Glück wegnehmen kann. Gehst du glücklich ins Bett? Wachst du glücklich auf? Denn wenn das nicht so ist, dann ist es Zeit etwas zu verändern.

Du bist Mutter von zwei Kindern – ist es so, dass sich das Leben komplett verändert, sobald man ein Kind bekommt? Dein Blickwinkel auf Arbeit, Familie, Beziehung…
Vor allem ändert sich dein eigenes Selbstbild. Ich glaube, dass war die größte Veränderung für mich. Nachdem ich meinen ältesten Sohn zu Welt gebracht hatte, habe ich zum ersten Mal angefangen mich selbst zu respektieren. Das klingt vielleicht komisch, aber genau so war es: Zum ersten Mal konnte ich die Zeit, die ich nur für mich hatte, wertschätzen.

Du und dein Mann arbeiten zusammen, das gibt eurer Beziehung noch eine zusätzliche Ebene.
Ja, das stimmt. Es funktioniert, solange wir ehrlich sind. Das ist das Wichtigste in einer Beziehung, denn es kann viel zu schnell passieren, dass du auf einmal keine eigene Meinung mehr hast.

Ihr seid beide sehr erfolgreich. Hast du Angst, dass euer Erfolg eure Kinder beeinflussen wird?
Darüber habe ich viel nachgedacht und ich habe viele Kinder erfolgreicher Eltern kennengelernt und gesehen, dass es ganz unterschiedlich laufen kann. Manche Kinder sind offen und voller Tatendrang und andere wiederum sind schüchtern und angespannt. Vielleicht haben diese nicht genug Kraft und Unterstützung von ihren Eltern bekommen.

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Erzähl mir mehr über deine Arbeit als Gründer der „Keep A Child Alive“ und „We Are Here“ Bewegung.
Ich engagiere mich seit 15 oder 16 Jahren für diese Organisationen. „Keep A Child Alive“ stellt Medizin für Kinder und Familien mit Aids zur Verfügung, die sich diese sonst nicht leisten könnten. Es gibt nicht genug Plätze auf der Welt, wo die Menschen hingehen können um untersucht und behandelt werden zu können. Zu diesem Zeitpunkt haben wir bereits 2,5 Millionen Menschen geholfen. Zu der „We Are Here“ Bewegung kam ich, weil es mich so wütend gemacht hat, dass immer, wenn ich den Fernseher angeschaltet habe, Respektlosigkeit und mangelnde Gleichberechtigung zu sehen waren. „We Are Here“ vereint verschiedene Organisationen, die sich mit diesen Problemen auseinander setzten. Zusammen können wir mehr erreichen und unseren Teil dazu beitragen, die Welt zu verbessern.

In deinem anlässlich des World Refugee Day veröffentlichten Kurzfilm “Let me in” spielst du auf die aktuelle Flüchtlingssituation an und zwingst den Betrachter dazu, sich in die Perspektive der Flüchtlinge hineinzuversetzen.
Genau das ist der Grund, warum ich dieses Video aufgenommen habe – Krieg kann uns überall treffen, egal in welchem Land wir leben. Es ist unglaublich wichtig, wie wir in diesem Land mit der Flüchtlingskrise umgehen und dass wir darüber nachdenken, wie es wäre, wenn wir unser Land verlassen müssten – würden die Menschen uns an unseren Grenzen aufnehmen?
Wir alle sollten unsere Grenzen öffnen und die Menschen nicht so behandeln, als würden sie hier nicht hergehören oder als wären uns die Hände gebunden, während sie leiden. Wir müssen mehr Mitgefühl zeigen. Besonders der diesjährige Wahlkampf zeigt, dass sich einige Menschen wie Monster benehmen. Es ist wirklich gruselig. Ich hoffe, dass sich diese Mentalität nicht durchsetzt.

Was ist dein Vermächtnis an die nachfolgenden Generationen?
Ich möchte, dass die Menschen sich an mich als eine der größten Künstlerinnen aller Zeit erinnern, die zeitlose Musik geschaffen hat, die für immer weiter leben wird; genau so wie ich für Künstler empfinde, die mich inspiriert haben. Jedoch möchte ich als jemand im Gedächtnis bleiben, der Teil einer Veränderung war. Meine größten Vorbilder haben sich alle für diverse Angelegenheiten eingesetzt und für etwas gekämpft, an das sie geglaubt haben.

Die Künstler der ’60er und ’70er Jahre waren die Stimmen einer Generation. Heute, so scheint es mir, ist dieses Gefühl über die Jahre einfach verloren gegangen.
Ja, und das ist sehr traurig. Ich hoffe, dass die Menschen einmal auch von mir als die Stimme ihrer Generation sprechen können. Das wäre eine schöne Vorstellung.

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Wer sind deine Helden?
Meine Mutter. Sie ist meine persönliche Heldin. Sie ist eine starke Frau, die mir unglaublich viel beigebracht hat. Außerdem gibt es noch Leigh Blake, meine Partnerin bei „We Are Here“. Sie hat mir die Augen geöffnet und mir gezeigt, was es heißt ein tatkräftiger Bürger zu sein und nicht nur als passiver Zuschauer alles geschehen zu lassen. Maya Angelou ist für mich auch eine Heldin– ihre einzigartigen Worte und Gedichte bewegen mich sehr.

Welche Lebensweisheit kannst du uns mit auf den Weg geben?
Sei immer du selbst und akzeptiere Unvollkommenheiten. Es passiert schnell, dass wir nur noch daran denken, Anderen zu gefallen – so auszusehen, sich so zu verhalten. Das ist eine Sache, die ich selbst erst lernen musste. Ich befinde mich mittlerweile an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich das nicht mehr machen möchte.

Das Interview wurde von Jared Freedman geführt und ist in Humanity No.9 / Spring 2016 erschienen.

Übersetzung: Clara Zimmermann

Tags: #Alicia Keys, #Interview, #Musik